Frauengesundheit

The­men­schwer­punkt Frauengesundheit

Frau­en­ge­sund­heit: Gesund­heit ist poli­tisch – beson­ders für Frauen

Im Rah­men unse­res The­men­schwer­punkts Frau­en­ge­sund­heit führ­te Simo­ne Gan­se­wig am 30. März 2026 auf ihrem Kanal ein Insta­gram Live Gespräch mit Cath­rin Viet­mei­er, Mit­glied des Vor­stands von Apo­the­ker ohne Grenzen.

Das Gespräch gibt Ein­blick in unse­re Arbeit und zeigt, an wel­chen Stel­len sie das The­ma Frau­en­ge­sund­heit berührt. Hören Sie hier das Gespräch in vol­ler Länge:

Mehr zur Arbeit von Simo­ne Gan­se­wig erfah­ren Sie hier: https://​simo​ne​-gan​se​wig​.de/
Ihren Insta­gram-Kanal fin­den Sie hier: https://​www​.insta​gram​.com/​s​i​m​o​n​e​g​a​n​s​e​w​ig/

Welt­weit ist Frau­en­ge­sund­heit noch immer kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Sie ist ein Grad­mes­ser dafür, wie gerecht eine Gesell­schaft orga­ni­siert ist. Nach Anga­ben der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) haben rund 4,5 Mil­li­ar­den Men­schen kei­nen voll­stän­di­gen Zugang zu essen­zi­el­len Gesund­heits­diens­ten – also zu grund­le­gen­der medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung bei Krank­heit, Schwan­ger­schaft oder chro­ni­schen Erkrankungen.

Beson­ders dra­ma­tisch ist die Lage rund um Schwan­ger­schaft und Geburt: 2023 star­ben laut WHO welt­weit über 280.000 Frau­en an Kom­pli­ka­tio­nen im Zusam­men­hang mit Schwan­ger­schaft oder Geburt – die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit die­ser Todes­fäl­le wäre medi­zi­nisch ver­meid­bar gewe­sen. Das sind jeden Tag mehr als 767 Frauen.

Über 90 Pro­zent der Müt­ter­ster­be­fäl­le tre­ten in Län­dern mit nied­ri­gem oder mitt­le­rem Ein­kom­men auf.

Hin­zu kom­men struk­tu­rel­le Hür­den. Laut dem United Nati­ons Popu­la­ti­on Fund (UNFPA) kön­nen über 40 Pro­zent der Frau­en in unter­such­ten Län­dern nicht selbst­be­stimmt über ihre eige­ne Gesund­heits­ver­sor­gung, Sexua­li­tät oder Ver­hü­tung ent­schei­den. Frau­en­ge­sund­heit ist damit kei­ne Rand­fra­ge medi­zi­ni­scher Infra­struk­tur. Sie ist eine Fra­ge von Macht, von Res­sour­cen und von gesell­schaft­li­cher Prio­ri­tä­ten­set­zung. Wo Frau­en kei­nen Zugang zu Gesund­heits­ver­sor­gung haben, gera­ten gan­ze Gemein­schaf­ten ins Wanken.

Phar­ma­zeu­ti­sche Kom­pe­tenz für mehr Gerechtigkeit

Hier liegt ein zen­tra­ler Ansatz­punkt für Ver­än­de­rung: Seit 2000 enga­gie­ren wir uns welt­weit für eine gerech­te Gesund­heits­ver­sor­gung. Nicht als kurz­fris­ti­ger Kri­sen­kom­men­ta­tor, son­dern als Akteur für belast­ba­re Strukturen.

Unse­re Stär­ke liegt in unse­rer phar­ma­zeu­ti­schen Fach­kom­pe­tenz. Es geht nicht allein dar­um, Medi­ka­men­te zu ver­tei­len, son­dern um ver­läss­li­che, loka­le Lie­fer­ket­ten, pro­fes­sio­nel­le Lager­hal­tung, sach­ge­rech­te Anwen­dung, Schu­lun­gen und nach­hal­ti­ge Struk­tu­ren. Denn gute Ver­sor­gung braucht mehr als gute Absich­ten – sie braucht Pla­nung, Wis­sen und Kontinuität.

Geburt unter unsi­che­ren Bedingungen

In Bau­din, einer länd­li­chen Regi­on Hai­tis, ist das gemein­sa­me Gesund­heits­zen­trum von Medi-Phar­ma und Apo­the­ker ohne Gren­zen oft die ein­zi­ge ver­läss­li­che Anlauf­stel­le für Frau­en. In einem Land, das von poli­ti­scher Insta­bi­li­tät und öko­no­mi­schem Kol­laps geprägt ist, wird Schwan­ger­schaft schnell zum Risiko.

Jede Woche wer­den über 50 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten betreut, dar­un­ter zahl­rei­che Schwan­ge­re. Vie­le Frau­en kom­men ohne finan­zi­el­le Mit­tel, oft ohne vor­he­ri­ge Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen. Kom­pli­ka­tio­nen wie Eklamp­sie oder postpar­ta­le Blu­tun­gen wer­den hier erst­ver­sorgt, Risi­ko­schwan­ge­re sta­bi­li­siert und bei Bedarf wei­ter­über­wie­sen. Inner­halb eines Jah­res wer­den über 2.000 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten behan­delt, rund 30 Kin­der kamen in die­sem Zeit­raum in der Sta­ti­on sicher zur Welt. Hier ent­schei­det nicht nur medi­zi­ni­sches Wis­sen, son­dern Ver­füg­bar­keit – von Per­so­nal, von Medi­ka­men­ten, von Zeit.

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Auf­klä­rung ist Gesundheitsvorsorge

In Tar­keshwor, Nepal, wach­sen vie­le Mäd­chen mit Tabus rund um Mens­trua­ti­on, Sexua­li­tät und Gewalt auf. Feh­len­de Auf­klä­rung führt zu ver­meid­ba­ren Infek­tio­nen, ver­spä­te­ter medi­zi­ni­scher Hil­fe und Unsi­cher­heit im Umgang mit dem eige­nen Körper.

Ein Pro­jekt von Apo­the­ker ohne Gren­zen stärkt die sexu­el­le und repro­duk­ti­ve Gesund­heit von Mäd­chen und Frau­en ganz­heit­lich. In elf Gemein­de­be­zir­ken und 21 Schu­len wur­den mehr als 3.300 Men­schen erreicht. 165 Gesund­heits­hel­fe­rin­nen wur­den inten­siv geschult und fun­gie­ren als dau­er­haf­te Ansprech­part­ne­rin­nen. Gesund­heit bedeu­tet hier auch, spre­chen zu dür­fen – und gehört zu werden.

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Ver­läss­lich­keit ret­tet Leben

In Buk­oba, im Nor­den Tan­sa­ni­as, ent­schei­det oft das Ein­kom­men dar­über, ob ein Mensch behan­delt wird. Fast die Hälf­te der Bevöl­ke­rung kann sich kei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung leis­ten. Gesund­heit wird zur Fra­ge der Zahlungsfähigkeit.

Das von den St. The­re­se Sis­ters betrie­be­ne Gesund­heits­zen­trum ver­sorgt rund 800 Patient:innen pro Quar­tal. Es ist medi­zi­ni­sche Anlauf­stel­le und Ver­trau­ens­ort zugleich. Die Schwes­tern neh­men sich Zeit, hören zu, erklä­ren. Für vie­le Frau­en ist genau die­ses Zuhö­ren der Unter­schied zu staat­li­chen Ein­rich­tun­gen. Hier geht es nicht nur um Behand­lung, son­dern um Zukunft.

Apo­the­ker ohne Gren­zen unter­stützt mit regel­mä­ßig finan­zier­ten Quar­tals­be­stel­lun­gen essen­zi­el­ler Arz­nei­mit­tel. Medi­ka­men­ten­eng­päs­se konn­ten von 9 auf 4 Pro­zent redu­ziert wer­den. Was nüch­tern klingt, bedeu­tet kon­kret: weni­ger Rezep­te ohne Medi­ka­men­te, weni­ger ris­kan­te Verzögerungen.

Ein neu­es Blut­ana­ly­se­ge­rät ver­bes­sert die Dia­gnos­tik, Schu­lun­gen stär­ken das Lager­ma­nage­ment. Ver­sor­gung wird plan­bar – und damit ver­läss­lich. Und Ver­läss­lich­keit ist in fra­gi­len Sys­te­men kei­ne Neben­sa­che, son­dern Vor­aus­set­zung für Sicherheit.

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Gesund­heit im Schat­ten der Großstadt

In den struk­tu­rell benach­tei­lig­ten Vier­teln rund um Bue­nos Aires leben zehn­tau­sen­de Men­schen unter extrem schwie­ri­gen Bedin­gun­gen. Infla­ti­on von rund 40 Pro­zent, man­gel­haf­te Hygie­ne, schlech­te Ernäh­rung und unsi­che­re Medi­ka­men­ten­ver­sor­gung prä­gen den All­tag. Beson­ders betrof­fen sind allein­er­zie­hen­de Müt­ter – in vie­len Slums wer­den Einel­tern­haus­hal­te fast aus­schließ­lich von Frau­en geführt. Armut ist hier weib­lich organisiert.

Das Gesund­heits­zen­trum Nr. 16 im Stadt­be­zirk Gene­ral San Mar­tín ver­sorgt ein Ein­zugs­ge­biet von 30.000 bis 35.000 Men­schen. Apo­the­ker ohne Gren­zen betreibt dort seit 2008 eine eige­ne Apotheke.

In Argen­ti­ni­en erhal­ten Patient:innen häu­fig nur Teil­men­gen ihrer Medi­ka­men­te, weil staat­li­che Bestän­de nicht aus­rei­chen. Unvoll­stän­di­ge The­ra­pien füh­ren zu Kom­pli­ka­tio­nen und Chro­ni­fi­zie­rung. Eine Behand­lung beginnt – und bleibt unvollendet.

Hier setzt das Pro­jekt an: mit kon­ti­nu­ier­li­cher Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung, finan­zier­ten ärzt­li­chen Stun­den und phar­ma­zeu­ti­scher Bera­tung. Monat­lich wer­den rund 2.000 Arz­nei­mit­tel abge­ge­ben – voll­stän­di­ge The­ra­pien, leit­li­ni­en­ge­recht. Schwan­ge­re erhal­ten Vor­sor­ge und Eisen­prä­pa­ra­te, jun­ge Müt­ter Bera­tung zu Ernäh­rung und Gesund­heit, Krebs­prä­ven­ti­on und Fami­li­en­pla­nung sind Teil der Versorgung.

Gesund­heit bedeu­tet hier Sta­bi­li­tät. Wenn Medi­ka­men­te ver­läss­lich ver­füg­bar sind, schützt das nicht nur ein­zel­ne Frau­en – son­dern gan­ze Fami­li­en vor dem Absturz in noch tie­fe­re Armut.

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Gesund­heit ohne Zugangshürden

Auch in Deutsch­land ist Frau­en­ge­sund­heit nicht für alle selbst­ver­ständ­lich. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt waren 2023 rund 61.000 Men­schen ohne Krankenversicherungsschutz.

In einem Land mit hohem medi­zi­ni­schem Stan­dard bleibt der Zugang den­noch selektiv.

Vie­le Betrof­fe­ne sind Frau­en in pre­kä­ren Lebens­la­gen – ohne fes­ten Wohn­sitz, ohne Auf­ent­halts­sta­tus oder mit exis­ten­zi­el­len Ängs­ten. Apo­the­ker ohne Gren­zen unter­stützt bun­des­weit nied­rig­schwel­li­ge Ambu­lan­zen, die anonym und kos­ten­frei behan­deln. Hier zeigt sich: Das Pro­blem ist nicht feh­len­des medi­zi­ni­sches Wis­sen, son­dern feh­len­der Zugang.

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Wer Frau­en stärkt, sta­bi­li­siert Gesellschaften

Frau­en­ge­sund­heit ist kein Nischen­the­ma. Sie ist ein Seis­mo­graph gesell­schaft­li­cher Gerechtigkeit.

Sie ent­schei­det dar­über, ob Mäd­chen zur Schu­le gehen kön­nen, ob Frau­en eine fach­lich beglei­te­te Geburt ermög­licht wird und ob chro­ni­sche Erkran­kun­gen recht­zei­tig behan­delt werden.

Gesund­heit bedeu­tet gesell­schaft­li­che Teil­ha­be und die Mög­lich­keit eines selbst­be­stimm­ten Lebens. Der Zugang zu Gesund­heits­ver­sor­gung ist eine Vor­aus­set­zung für Gerechtigkeit.

Gesund­heit beginnt bei Frau­en – nicht, weil sie allein ver­ant­wort­lich wären, son­dern weil gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren sie beson­ders ver­letz­lich machen.

Wer Frau­en­ge­sund­heit stärkt, stärkt Generationen.

Spen­den

Gesund­heit ist poli­tisch. Frau­en­ge­sund­heit ist ein Grad­mes­ser für Gerech­tig­keit. Wir stär­ken welt­weit die Gesund­heits­ver­sor­gung von Frauen.

Mehr Trans­pa­renz bei Spenden

Als Unter­zeich­nen­de der Initia­ti­ve Trans­pa­ren­te Zivil­ge­sell­schaft (ITZ) haben wir uns dazu ver­pflich­tet, 10 Punk­te zu ver­öf­fent­li­chen, die es Ihnen ermög­li­chen, unse­re Glaub­wür­dig­keit und unse­re Mis­si­on zu über­prü­fen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Kei­ne Arz­nei­mit­tel spenden

Uns errei­chen vie­le Anfra­gen, ob man auch alte Arz­nei­mit­tel spen­den oder Samm­lun­gen orga­ni­sie­ren soll. Grund­sätz­lich ist das nicht sinn­voll. Lesen Sie hier mehr dazu.