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Argentinien

Die vielseitige Hilfe der AoG in Argentinien wurde 2002 als Folge der Wirtschaftskrise gestartet: In verschiedenen Slums stehen die Versorgung mit Arzneimitteln, der Bau funktionsfähiger Apotheken in Gesundheitszentren in Elendsvierteln, umfangreiche Renovierungsarbeiten der Gesundheitszentren, Zahnhygieneprojekte für Kinder, Detektion und Behandlung der Chagas-Krankheit (amerikanische Schlafkrankheit), sowie Präventionsarbeit, Schulungen und Ausbildung im Gesundheitsbereich auf dem Programm.

Die Wirtschaftskrise von 2002 hat Argentinien radikal verändert. Viele Bürger der Mittelschicht fanden sich plötzlich ohne Erspartes und ohne Arbeit wieder. Die wirtschaftliche Erholung der darauffolgenden Jahre erreichte die ärmeren Schichten nicht: Die Slums wachsen seit Jahren.

Das öffentliche Gesundheitssystem der Provinz Buenos Aires hat massive Schwierigkeiten: Ende Februar 2008 wurde es vom damaligen Gouverneur als „administrativer Notfall“ eingestuft. In den öffentlichen Krankenhäusern und in den Gesundheitszentren der Armenviertel fehlen seit Jahren Fachpersonal, Arzneimittel und Ausrüstung.

Zusätzliche Materialien:

Im Distrikt „General San Martín“ in der Provinz Buenos Aires leben mehr als 100.000 Menschen in Armenvierteln. Es ist der Distrikt Argentiniens, in dem es heute die meisten Slums gibt: allein 148 waren es 2010 und sie wachsen. Denn es heißt allgemein, dass von hundert Menschen, die nach Buenos Aires kommen, sechzig in die Slums gehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat hier nicht mehr als sieben Jahre die Schule besucht und damit mehr Schwierigkeiten auf dem heutigen Arbeitsmarkt. Etwa zwei Drittel haben keine Krankenversicherung. Die Umgebung ist allerdings krankmachend: In den Elendsvierteln leben die Menschen dicht zusammengedrängt, die Trinkwasseranschlüsse sind improvisiert, es gibt Probleme mit der Abwasser- und Müllentsorgung.

Seit 2008 kooperieren die AoG mit dem Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala mit Arzneimitteln und Personal, u.a. einem ehrenamtlichen Team von sieben einheimischen ApothekerInnen. Hierfür hat AoG einen Umbau im Gesundheitszentrum vorgenommen, eine Apotheke von 12 m² eingebaut und ein Arzneimittellager für 100 bis 120 Wirkstoffe/Darreichungsformen eingerichtet. Seit 2010 wurden Programme für chronisch Kranke aufgebaut, weil die Kosten dieser Medikamente bzw. die Folgeschäden bei Nicht-Behandlung die Familien sehr stark belasten. Da viele Einwohner aus dem Norden des Landes zugezogen sind, wo in einigen Gegenden bis zu 50% der Menschen Chagas-positiv sind, wurde ab 2011 der Test und die Behandlung der Chagas-Infektion angeboten. Ab 2012 bauten die AoG die Projektkomponente zur Zahngesundheit stark aus, da schon Kleinkinder aufgrund der zuckerreichen Ernährung zerstörte Milchzähne haben. Dafür erhielten sie eine Förderung der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte.

Die jahrelange Arbeit der AoG wurde mehrfach anerkannt:

2009 wurde das Zahnhygieneprojekt des Gesundheitszentrums auf dem argentinischen Nationalkongress der Allgemeinärzte als „beste interdisziplinäre Arbeit“ ausgezeichnet.

2010 gewann das Diabetes-Projekt des Gesundheitszentrums Nr. 16 auf dem argentinischen National-kongress der Allgemeinärzte den 2. Preis.

2011 erhielt eine Arbeit, in der die Arzneimittelabgabe in Slums ohne bzw. mit Apotheker über 12 Monate verglichen wurde, auf dem Argentinischen Apothekerkongress den 1. Preis.

2012 gab es den 1. Preis für eine Poster-Arbeit zur Therapieeinhaltung der Diabetiker auf dem Südamerikanischen Apothekerkongress in Cartagena de Indias, Kolumbien.

2013 wurde die Arbeit des Gesundheitszentrums Nr. 16 zur Bekämpfung von Chagas auf dem argentinischen Nationalkongress der Allgemeinärzte mit dem 3. Platz ausgezeichnet.

2015 wurden Ergebnisse der Arbeit in Slums von Buenos Aires auf dem FIP World Congress of Pharmacy/Düsseldorf vorgestellt. Für diesen Kongress werden Tausende von Arbeiten aus der ganzen Welt eingereicht, aber nur wenige für eine „oral presentation“ akzeptiert.

2016 ist die Projektleiterin Dr. Vetye-Maler auf den FIP World Congress of Pharmacy in Buenos Aires, um die Arbeit im Gesundheitszentrum Nr. 16 vorzustellen.

Einige Monate sind seit dem Ausbruch des Vulkans Puyehue Anfang Juni 2011 vergangen. Doch die Asche, die in einigen Gebieten bis zu 40 cm dick fiel, liegt immer noch in der patagonischen Steppe. Sie hat weit mehr als 1 Million Schafe umgebracht. Tausende von Familien, die nur von ihren Tieren leben, stehen vor dem Ruin. Einige haben ein Drittel ihrer Tiere verloren, andere fast alle.

Comallo, eine Ortschaft mit 2.500 – 3.000 Einwohnern, hat zwar ein Krankenhaus, aber keine Ärzte mehr: die letzten verbleibenden beiden Allgemeinärzte sind gegangen. Die einzige Zahnärztin, die im Hospital arbeitete, geht nun auch. Wer kann, sucht sich eine Arbeit woanders. Denn das sowieso schon harte Leben mitten in Patagonien wird durch die ständig vom Wind hochgewirbelte Asche noch schwieriger. Nachmittags, wenn die Intensität des Windes steigt, kann man sich fast nicht mehr außerhalb der Häuser aufhalten. Trotz zugeklebter Fensterritzen und abgedichteter Türen, dringt die Asche überall ein: man hat sie in den Augen, die Haut fühlt sich an wie Schmirgelpapier und beim Matetrinken knirscht es zwischen den Zähnen.

Nachdem nur ab und zu ein Allgemeinarzt von woanders „ausgeliehen“ wird, bat die Leiterin des Krankenhauses, eine Krankenschwester, dringend um Hilfe. Durch die Vulkanasche haben Atemwegs-, Augen- und Hauterkrankungen zugenommen und es fehlt an den entsprechenden Arzneimitteln. Mit viel Arbeit wurde eine „Gesundheitskarawane“ für Comallo organisiert: 2 Busse mit ehrenamtlich arbeitenden Ärzten, Zahnärzten, Kinderärzten, Frauenärztin, Krankenpfleger und Apothekerinnen und ein mit Hilfsgütern vollgeladener LKW fuhren Ende Oktober nach Comallo. Ein Dutzend Behandlungszimmer und eine Apotheke wurden in der Grundschule improvisiert. Schon bei Ankunft in aller Früh gab es lange Warteschlangen, die Menschen nutzen die Gelegenheit einen Arzt oder Zahnarzt zu sehen. Der Augenarzt arbeitete ohne Unterbrechung durch. Die beiden Apothekerinnen belieferten mehr als 150 Rezepte (vor allem Augentropfen) und gaben Hunderten von Einwohnern Schutzbrillen und/oder Atemmasken.

„Kommt wieder“, war die Bitte der Menschen, die sich allein gelassen fühlen. Von den staatlichen Hilfen kommt zu wenig an, niemand berichtet über die Probleme. Der Vulkan setzt immer noch Asche frei. Die Zukunft sieht schwierig aus, die Menschen sind verzweifelt. Da viele Familien nun über Monate kein Einkommen haben werden – es gibt weder Tiere noch Wolle zu verkaufen – werden in der ganzen Region dringend Lebensmittel, Arzneimittel, Schutzbrillen und Atemmasken benötigt.

Während das Gesundheitsteam in Comallo arbeitete, wurde der Apothekerin von einer weiteren Ortschaft eine Bitte um Hilfe vorgelegt. AoG sagte weitere Hilfsfahrten zu, für deren Durchführung um finanzielle Unterstützung gebeten wird.

800 km nördlich von Buenos Aires erhalten Schüler der Schule Nr. 377 auf der Insel El Saucesito Unterstützung von den Apothekern ohne Grenzen. Argentinische Ärztinnen unserer Organisation führten 2008 erste Gesundheitskontrollen durch.

Die schwer zugängliche Lage mitten im Paraná-Fluss hat zur Benachteiligung der Einwohner geführt. Für die örtliche Schule steht nur ein einziger Lehrer zur Verfügung. Die Kinder wurden noch nie ärztlich untersucht, Arzneimittel fehlen völlig. Eine Er­nährungsberaterin und ein Krankenpfleger sorgten für die Verbesserung der Ernährungssituation der Kinder und starteten mit den Apothekern ohne Grenzen ein Zahnhygieneprojekt.

Derzeit werden die Daten zu Gesundheits- und Impfstatus der Kinder und Familien erhoben. Im Mai 2009 überreichten Mitarbeiter der Apotheker ohne Grenzen eine Basisapotheke mit Fieber-, Schmerz- und Desinfektionsmitteln sowie Verbandstoffen für die Schule. Während eine einhei­mische Gruppe von Freiwilligen sich um die benötigten Lebensmittel kümmert, übernehmen die Apotheker ohne Grenzen die Beschaffung der Arzneimittel und die Honorare der Ärztinnen.

Mit der Zeit wird der Kontakt zu den einheimischen Behörden aufgebaut, die dann ab 2010-2011 die Versorgung übernehmen.

Von 2002 bis 2008 arbeiteten die Apotheker ohne Grenzen Deutschland im Armenviertel Bajo Boulogne am Rande der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Eine improvisierte Anlaufstelle für mittellose Patienten mit zwei Behandlungszimmern und der Abgabe von Ärztemustern auf einem Pfarreigelände hat sich zum funktionstüchtigen Gesundheitszentrum „San Pantaleón“ entwickelt.

Erst nachdem von den Apothekern ohne Grenzen regelmäßig und verlässlich Arzneimittel zur Verfügung gestellt wurden, konnten Ärzte und Apotheker einen Schwerpunkt auf die Betreuung von Kindern, Schwangeren und chronisch Kranke legen. Die kostenlos zur Verfügung gestellten Arzneimittel führten zu einer Bindung der Patienten an „ihr“ Gesundheitszentrum, ermöglichten Schulungen, Gesprächs- und Fragerunden mit gesundheitsbezogenen und sozialen Themen und verbes­serten die Therapieeinhaltung.

Pro Monat wurden ca. 600 Patienten mit Arzneimitteln versorgt. Freiwillig mitarbeitende, einheimische Apothe­kerinnen beschafften die Arzneimittel im Wesentlichen vor Ort und übernahmen deren Abgabe. Die ärztliche Versorgung übernahmen einheimische Mitarbeiter eines privaten Krankenhauses. Mit Hilfe von Krankenschwestern dieses Hospitals wurden monatlich die Blutdruck- bzw. Blutzuckerwerte von 300 bis 400 Hypertonikern und Diabetikern kontrolliert, die ihre Medikamente im Gesundheitszentrum erhielten.

Unhaltbare bauliche Zustände und Raumnot prägten zu Beginn die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter des Gesundheitszentrums. Mit finanzieller Hilfe der Apotheker ohne Grenzen wurde von 2005 bis 2006 ein Ausbau durchgeführt. Auch die Deutsche Botschaft in Buenos Aires schloss sich der Finanzierung an. Dies weckte Vertrauen in einem Land, in dem Korruption allgegenwärtig ist und weitere argentinische Organisationen und Personen beteiligten sich an der Finanzierung. Insgesamt konnte ein Gebäude mit einer Fläche von 400 m² gebaut werden, in denen nun eine Betreuungsstätte für Behinderte, Schulungsräume und Lebensmittellager plus Abgabe an extrem Bedürftige ausreichend Raum haben. Das Gesundheitszentrum wurde auf 5 Behandlungszimmer, Warteraum, Mitarbeitertoilette und eine Apotheke mit Arzneimittellager erweitert und kann nun vernünftig arbeiten.

Ende 2008 konnte die Nutzung der neu geschaffenen Strukturen vollständig in die Hände der einheimischen Mitarbeiter gelegt werden. Ziel der Arbeit der Apotheker ohne Grenzen ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die lokalen Kräfte auf dem Weg zur eigenständigen Gestaltung ihrer Aufgaben zu begleiten.

In einem gemeinsamen Projekt mit der Deutschen Botschaft in Buenos Aires und dem Honorarkonsul der Provinz Córdoba fördern die Apotheker ohne Grenzen das Gesundheitszentrum in Pampa de Achala mit Arzneimitteln. Seit 2004 unterstützt die Organisation bedarfsorientiert die Versorgung der weit verstreut lebenden Landbevölkerung in einem kargen und entlegenen Landstrich der Provinz Córdoba.

Die Botschaft sorgte 2003 für den Bau des Gebäudes. Die einheimischen Ärzte arbeiten nunmehr 15 Jahre lang ehrenamtlich für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Sie gründeten eine eigene Stiftung.

Die Apotheker ohne Grenzen prüfen in regelmäßigen Abständen den aktuellen Bedarf an Unterstützung und senden die benötigten Medikamente.

Nachdem das Gesundheitspersonal sich weiter organisierte, konnte das Projekt 2010 abgeschlossen werden.

Im Krankenhaus Ramón Carillo in Bariloche, Provinz Rio Negro, unterstützten die Apotheker ohne Grenzen 2002 die Versorgung mit Arzneimitteln. Der staatliche Gesundheitsdienst konnte seinem Auftrag nicht nachkommen.

Vorab wurde der Bedarf ermittelt. Der Schwerpunkt lag auf der Versorgung von Kindern, Schwangeren und akut Erkrankten. Eisenpräparate und Antibiotika wurden als Überbrückungshilfe zur Verfügung gestellt. Die Wirtschaftskrise von 2001 erforderte besondere Unterstützungsmaßnahmen.

Nach einem Kredit der Interamerikanischen Entwicklungsbank hat sich die Situation des Krankenhauses 2003 stabilisiert, so dass die Unterstützung durch Apotheker ohne Grenzen eingestellt werden konnte.

Eine Zusammenfassung auf Spanisch/ Un resumen en castellano

¿Quién es Farmacéuticos Sin Fronteras Alemania?

La ONG FSF Alemania fue creada en el año 2000.

 

La misión de FSF es:

  • Proporcionar medicamentos, insumos y/o equipos médicos a personas en situación de pobreza / emergencia en todo el mundo.
  • Participar junto con la población local en el armado o rearmado del sistema de salud de países afectados por catástrofes, guerras o pobreza.
  • Fomentar medidas preventivas y el uso racional de los medicamentos, también en el propio país, y fundamentalmente las buenas prácticas respecto a donaciones de medicamentos.
  • Participar en la creación de sistemas de salud autónomos.

A través de su experiencia como organización humanitaria especializada, FSF Alemania colabora en el cuidado de la salud de poblaciones vulnerables y mejora el acceso a medicamentos esenciales. La organización trabaja en todos los estadios de la cadena de medicamentos: desde la producción y control de calidad hasta la dispensación correcta de los mismos, tanto en centros de decisión nacionales como en pequeños centros de salud, comprometiéndose a respetar la igualdad de las personas, sin discriminar por raza, religión o sexo y permitiendo el acceso de todos por igual a la salud.

La organización tiene una Comisión Directiva formado por 7 personas y una Directora Ejecutiva que trabaja en la sede localizada en Munich. Actualmente la organización alemana tiene más de 1.600 integrantes, en su mayoría farmacéuticos y técnicos farmacéuticos, que son dueños o empleados de farmacias, trabajan en hospitales, para la industria o en el sistema de salud alemán.

Hay farmacéuticos coordinadores de proyectos para las misiones de larga duración (por ej. en Argentina, Burkina Faso, Kenia, Méjico, Moldavia, Srilanka, Tansania) y farmacéuticos para misiones de emergencia de corta duración (por ej. India, Paquistán, Indonesia, Nepal, Birmania, Kenia, Haití, Filipinas). Estos farmacéuticos son apoyados desde Alemania por un gran grupo de socios activos. Salvo 6 puestos rentados, todos los integrantes y los miembros de la Comisión Directiva trabajan ad honorem.

En los proyectos de larga duración se trabaja y coopera con profesionales de salud locales y la compra de medicamentos se efectúa en el respective país, tomando muestras y realizando controles de calidad de los mismos en Alemania. En las misiones de emergencia se coopera con equipos de salud alemanes y los medicamentos e insumos (el “Interagency Emergency Health Kit” propuesto por la Organización Mundial de la Salud) son llevados de Alemania al lugar de la catástrofe.

 

¿Cómo empezó FSF Alemania en Argentina?

En enero de 2002 como consecuencia de la crisis que vivía el país, Buenos Aires envió un pedido de ayuda urgente a la ciudad hermana Berlín. Como ese pedido incluía medicamentos, parte de la solicitud fue derivada a la ONG Farmacéuticos Sin Fronteras Alemania. Allí, la Comisón Directiva junto con la Dra. Carina Vetye (única farmacéutica argentina de la ONG) y la Embajada de Alemania de Buenos Aires evaluaron la situación. Luego de visitar varios hospitales y centros de salud bonaerenses, en mayo de 2002 fue elegido un grupo de médicos que trabajaba en Bajo Boulogne para una donación de medicamentos esenciales.

La ayuda de FSF Alemania fue prolongada hasta fin de 2008, momento en que el proyecto en el Bajo Boulogne fue entregado a los socios locales (equipo de salud y Parroquia). Una evaluación de la situación de salud en el Conurbano llevó a firmar un convenio de cooperación con un centro de salud municipal en Villa Zagala como nuevo proyecto.

Actualmente en la Argentina la ONG trabaja en proyectos en Villa Zagala (Buenos Aires) y en Bariloche y pueblos de la Línea Sur (Río Negro) con un equipo integrado por médicos y farmacéuticos argentinos y muchos colaboradores voluntarios.

+ Gesundheitszentrum Villa Zagala

Im Distrikt „General San Martín“ in der Provinz Buenos Aires leben mehr als 100.000 Menschen in Armenvierteln. Es ist der Distrikt Argentiniens, in dem es heute die meisten Slums gibt: allein 148 waren es 2010 und sie wachsen. Denn es heißt allgemein, dass von hundert Menschen, die nach Buenos Aires kommen, sechzig in die Slums gehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat hier nicht mehr als sieben Jahre die Schule besucht und damit mehr Schwierigkeiten auf dem heutigen Arbeitsmarkt. Etwa zwei Drittel haben keine Krankenversicherung. Die Umgebung ist allerdings krankmachend: In den Elendsvierteln leben die Menschen dicht zusammengedrängt, die Trinkwasseranschlüsse sind improvisiert, es gibt Probleme mit der Abwasser- und Müllentsorgung.

Seit 2008 kooperieren die AoG mit dem Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala mit Arzneimitteln und Personal, u.a. einem ehrenamtlichen Team von sieben einheimischen ApothekerInnen. Hierfür hat AoG einen Umbau im Gesundheitszentrum vorgenommen, eine Apotheke von 12 m² eingebaut und ein Arzneimittellager für 100 bis 120 Wirkstoffe/Darreichungsformen eingerichtet. Seit 2010 wurden Programme für chronisch Kranke aufgebaut, weil die Kosten dieser Medikamente bzw. die Folgeschäden bei Nicht-Behandlung die Familien sehr stark belasten. Da viele Einwohner aus dem Norden des Landes zugezogen sind, wo in einigen Gegenden bis zu 50% der Menschen Chagas-positiv sind, wurde ab 2011 der Test und die Behandlung der Chagas-Infektion angeboten. Ab 2012 bauten die AoG die Projektkomponente zur Zahngesundheit stark aus, da schon Kleinkinder aufgrund der zuckerreichen Ernährung zerstörte Milchzähne haben. Dafür erhielten sie eine Förderung der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte.

Die jahrelange Arbeit der AoG wurde mehrfach anerkannt:

2009 wurde das Zahnhygieneprojekt des Gesundheitszentrums auf dem argentinischen Nationalkongress der Allgemeinärzte als „beste interdisziplinäre Arbeit“ ausgezeichnet.

2010 gewann das Diabetes-Projekt des Gesundheitszentrums Nr. 16 auf dem argentinischen National-kongress der Allgemeinärzte den 2. Preis.

2011 erhielt eine Arbeit, in der die Arzneimittelabgabe in Slums ohne bzw. mit Apotheker über 12 Monate verglichen wurde, auf dem Argentinischen Apothekerkongress den 1. Preis.

2012 gab es den 1. Preis für eine Poster-Arbeit zur Therapieeinhaltung der Diabetiker auf dem Südamerikanischen Apothekerkongress in Cartagena de Indias, Kolumbien.

2013 wurde die Arbeit des Gesundheitszentrums Nr. 16 zur Bekämpfung von Chagas auf dem argentinischen Nationalkongress der Allgemeinärzte mit dem 3. Platz ausgezeichnet.

2015 wurden Ergebnisse der Arbeit in Slums von Buenos Aires auf dem FIP World Congress of Pharmacy/Düsseldorf vorgestellt. Für diesen Kongress werden Tausende von Arbeiten aus der ganzen Welt eingereicht, aber nur wenige für eine „oral presentation“ akzeptiert.

2016 ist die Projektleiterin Dr. Vetye-Maler auf den FIP World Congress of Pharmacy in Buenos Aires, um die Arbeit im Gesundheitszentrum Nr. 16 vorzustellen.

+ Vulkanasche in Rio Negro

Einige Monate sind seit dem Ausbruch des Vulkans Puyehue Anfang Juni 2011 vergangen. Doch die Asche, die in einigen Gebieten bis zu 40 cm dick fiel, liegt immer noch in der patagonischen Steppe. Sie hat weit mehr als 1 Million Schafe umgebracht. Tausende von Familien, die nur von ihren Tieren leben, stehen vor dem Ruin. Einige haben ein Drittel ihrer Tiere verloren, andere fast alle.

Comallo, eine Ortschaft mit 2.500 – 3.000 Einwohnern, hat zwar ein Krankenhaus, aber keine Ärzte mehr: die letzten verbleibenden beiden Allgemeinärzte sind gegangen. Die einzige Zahnärztin, die im Hospital arbeitete, geht nun auch. Wer kann, sucht sich eine Arbeit woanders. Denn das sowieso schon harte Leben mitten in Patagonien wird durch die ständig vom Wind hochgewirbelte Asche noch schwieriger. Nachmittags, wenn die Intensität des Windes steigt, kann man sich fast nicht mehr außerhalb der Häuser aufhalten. Trotz zugeklebter Fensterritzen und abgedichteter Türen, dringt die Asche überall ein: man hat sie in den Augen, die Haut fühlt sich an wie Schmirgelpapier und beim Matetrinken knirscht es zwischen den Zähnen.

Nachdem nur ab und zu ein Allgemeinarzt von woanders „ausgeliehen“ wird, bat die Leiterin des Krankenhauses, eine Krankenschwester, dringend um Hilfe. Durch die Vulkanasche haben Atemwegs-, Augen- und Hauterkrankungen zugenommen und es fehlt an den entsprechenden Arzneimitteln. Mit viel Arbeit wurde eine „Gesundheitskarawane“ für Comallo organisiert: 2 Busse mit ehrenamtlich arbeitenden Ärzten, Zahnärzten, Kinderärzten, Frauenärztin, Krankenpfleger und Apothekerinnen und ein mit Hilfsgütern vollgeladener LKW fuhren Ende Oktober nach Comallo. Ein Dutzend Behandlungszimmer und eine Apotheke wurden in der Grundschule improvisiert. Schon bei Ankunft in aller Früh gab es lange Warteschlangen, die Menschen nutzen die Gelegenheit einen Arzt oder Zahnarzt zu sehen. Der Augenarzt arbeitete ohne Unterbrechung durch. Die beiden Apothekerinnen belieferten mehr als 150 Rezepte (vor allem Augentropfen) und gaben Hunderten von Einwohnern Schutzbrillen und/oder Atemmasken.

„Kommt wieder“, war die Bitte der Menschen, die sich allein gelassen fühlen. Von den staatlichen Hilfen kommt zu wenig an, niemand berichtet über die Probleme. Der Vulkan setzt immer noch Asche frei. Die Zukunft sieht schwierig aus, die Menschen sind verzweifelt. Da viele Familien nun über Monate kein Einkommen haben werden – es gibt weder Tiere noch Wolle zu verkaufen – werden in der ganzen Region dringend Lebensmittel, Arzneimittel, Schutzbrillen und Atemmasken benötigt.

Während das Gesundheitsteam in Comallo arbeitete, wurde der Apothekerin von einer weiteren Ortschaft eine Bitte um Hilfe vorgelegt. AoG sagte weitere Hilfsfahrten zu, für deren Durchführung um finanzielle Unterstützung gebeten wird.

+ Isla El Saucesito

800 km nördlich von Buenos Aires erhalten Schüler der Schule Nr. 377 auf der Insel El Saucesito Unterstützung von den Apothekern ohne Grenzen. Argentinische Ärztinnen unserer Organisation führten 2008 erste Gesundheitskontrollen durch.

Die schwer zugängliche Lage mitten im Paraná-Fluss hat zur Benachteiligung der Einwohner geführt. Für die örtliche Schule steht nur ein einziger Lehrer zur Verfügung. Die Kinder wurden noch nie ärztlich untersucht, Arzneimittel fehlen völlig. Eine Er­nährungsberaterin und ein Krankenpfleger sorgten für die Verbesserung der Ernährungssituation der Kinder und starteten mit den Apothekern ohne Grenzen ein Zahnhygieneprojekt.

Derzeit werden die Daten zu Gesundheits- und Impfstatus der Kinder und Familien erhoben. Im Mai 2009 überreichten Mitarbeiter der Apotheker ohne Grenzen eine Basisapotheke mit Fieber-, Schmerz- und Desinfektionsmitteln sowie Verbandstoffen für die Schule. Während eine einhei­mische Gruppe von Freiwilligen sich um die benötigten Lebensmittel kümmert, übernehmen die Apotheker ohne Grenzen die Beschaffung der Arzneimittel und die Honorare der Ärztinnen.

Mit der Zeit wird der Kontakt zu den einheimischen Behörden aufgebaut, die dann ab 2010-2011 die Versorgung übernehmen.

+ San Pantaleón

Von 2002 bis 2008 arbeiteten die Apotheker ohne Grenzen Deutschland im Armenviertel Bajo Boulogne am Rande der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Eine improvisierte Anlaufstelle für mittellose Patienten mit zwei Behandlungszimmern und der Abgabe von Ärztemustern auf einem Pfarreigelände hat sich zum funktionstüchtigen Gesundheitszentrum „San Pantaleón“ entwickelt.

Erst nachdem von den Apothekern ohne Grenzen regelmäßig und verlässlich Arzneimittel zur Verfügung gestellt wurden, konnten Ärzte und Apotheker einen Schwerpunkt auf die Betreuung von Kindern, Schwangeren und chronisch Kranke legen. Die kostenlos zur Verfügung gestellten Arzneimittel führten zu einer Bindung der Patienten an „ihr“ Gesundheitszentrum, ermöglichten Schulungen, Gesprächs- und Fragerunden mit gesundheitsbezogenen und sozialen Themen und verbes­serten die Therapieeinhaltung.

Pro Monat wurden ca. 600 Patienten mit Arzneimitteln versorgt. Freiwillig mitarbeitende, einheimische Apothe­kerinnen beschafften die Arzneimittel im Wesentlichen vor Ort und übernahmen deren Abgabe. Die ärztliche Versorgung übernahmen einheimische Mitarbeiter eines privaten Krankenhauses. Mit Hilfe von Krankenschwestern dieses Hospitals wurden monatlich die Blutdruck- bzw. Blutzuckerwerte von 300 bis 400 Hypertonikern und Diabetikern kontrolliert, die ihre Medikamente im Gesundheitszentrum erhielten.

Unhaltbare bauliche Zustände und Raumnot prägten zu Beginn die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter des Gesundheitszentrums. Mit finanzieller Hilfe der Apotheker ohne Grenzen wurde von 2005 bis 2006 ein Ausbau durchgeführt. Auch die Deutsche Botschaft in Buenos Aires schloss sich der Finanzierung an. Dies weckte Vertrauen in einem Land, in dem Korruption allgegenwärtig ist und weitere argentinische Organisationen und Personen beteiligten sich an der Finanzierung. Insgesamt konnte ein Gebäude mit einer Fläche von 400 m² gebaut werden, in denen nun eine Betreuungsstätte für Behinderte, Schulungsräume und Lebensmittellager plus Abgabe an extrem Bedürftige ausreichend Raum haben. Das Gesundheitszentrum wurde auf 5 Behandlungszimmer, Warteraum, Mitarbeitertoilette und eine Apotheke mit Arzneimittellager erweitert und kann nun vernünftig arbeiten.

Ende 2008 konnte die Nutzung der neu geschaffenen Strukturen vollständig in die Hände der einheimischen Mitarbeiter gelegt werden. Ziel der Arbeit der Apotheker ohne Grenzen ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die lokalen Kräfte auf dem Weg zur eigenständigen Gestaltung ihrer Aufgaben zu begleiten.

+ Pampa de Achala

In einem gemeinsamen Projekt mit der Deutschen Botschaft in Buenos Aires und dem Honorarkonsul der Provinz Córdoba fördern die Apotheker ohne Grenzen das Gesundheitszentrum in Pampa de Achala mit Arzneimitteln. Seit 2004 unterstützt die Organisation bedarfsorientiert die Versorgung der weit verstreut lebenden Landbevölkerung in einem kargen und entlegenen Landstrich der Provinz Córdoba.

Die Botschaft sorgte 2003 für den Bau des Gebäudes. Die einheimischen Ärzte arbeiten nunmehr 15 Jahre lang ehrenamtlich für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Sie gründeten eine eigene Stiftung.

Die Apotheker ohne Grenzen prüfen in regelmäßigen Abständen den aktuellen Bedarf an Unterstützung und senden die benötigten Medikamente.

Nachdem das Gesundheitspersonal sich weiter organisierte, konnte das Projekt 2010 abgeschlossen werden.

+ Krankenhaus Ramón Carillo

Im Krankenhaus Ramón Carillo in Bariloche, Provinz Rio Negro, unterstützten die Apotheker ohne Grenzen 2002 die Versorgung mit Arzneimitteln. Der staatliche Gesundheitsdienst konnte seinem Auftrag nicht nachkommen.

Vorab wurde der Bedarf ermittelt. Der Schwerpunkt lag auf der Versorgung von Kindern, Schwangeren und akut Erkrankten. Eisenpräparate und Antibiotika wurden als Überbrückungshilfe zur Verfügung gestellt. Die Wirtschaftskrise von 2001 erforderte besondere Unterstützungsmaßnahmen.

Nach einem Kredit der Interamerikanischen Entwicklungsbank hat sich die Situation des Krankenhauses 2003 stabilisiert, so dass die Unterstützung durch Apotheker ohne Grenzen eingestellt werden konnte.

+ FSF Alemania en Argentina

Eine Zusammenfassung auf Spanisch/ Un resumen en castellano

¿Quién es Farmacéuticos Sin Fronteras Alemania?

La ONG FSF Alemania fue creada en el año 2000.

 

La misión de FSF es:

  • Proporcionar medicamentos, insumos y/o equipos médicos a personas en situación de pobreza / emergencia en todo el mundo.
  • Participar junto con la población local en el armado o rearmado del sistema de salud de países afectados por catástrofes, guerras o pobreza.
  • Fomentar medidas preventivas y el uso racional de los medicamentos, también en el propio país, y fundamentalmente las buenas prácticas respecto a donaciones de medicamentos.
  • Participar en la creación de sistemas de salud autónomos.

A través de su experiencia como organización humanitaria especializada, FSF Alemania colabora en el cuidado de la salud de poblaciones vulnerables y mejora el acceso a medicamentos esenciales. La organización trabaja en todos los estadios de la cadena de medicamentos: desde la producción y control de calidad hasta la dispensación correcta de los mismos, tanto en centros de decisión nacionales como en pequeños centros de salud, comprometiéndose a respetar la igualdad de las personas, sin discriminar por raza, religión o sexo y permitiendo el acceso de todos por igual a la salud.

La organización tiene una Comisión Directiva formado por 7 personas y una Directora Ejecutiva que trabaja en la sede localizada en Munich. Actualmente la organización alemana tiene más de 1.600 integrantes, en su mayoría farmacéuticos y técnicos farmacéuticos, que son dueños o empleados de farmacias, trabajan en hospitales, para la industria o en el sistema de salud alemán.

Hay farmacéuticos coordinadores de proyectos para las misiones de larga duración (por ej. en Argentina, Burkina Faso, Kenia, Méjico, Moldavia, Srilanka, Tansania) y farmacéuticos para misiones de emergencia de corta duración (por ej. India, Paquistán, Indonesia, Nepal, Birmania, Kenia, Haití, Filipinas). Estos farmacéuticos son apoyados desde Alemania por un gran grupo de socios activos. Salvo 6 puestos rentados, todos los integrantes y los miembros de la Comisión Directiva trabajan ad honorem.

En los proyectos de larga duración se trabaja y coopera con profesionales de salud locales y la compra de medicamentos se efectúa en el respective país, tomando muestras y realizando controles de calidad de los mismos en Alemania. En las misiones de emergencia se coopera con equipos de salud alemanes y los medicamentos e insumos (el “Interagency Emergency Health Kit” propuesto por la Organización Mundial de la Salud) son llevados de Alemania al lugar de la catástrofe.

 

¿Cómo empezó FSF Alemania en Argentina?

En enero de 2002 como consecuencia de la crisis que vivía el país, Buenos Aires envió un pedido de ayuda urgente a la ciudad hermana Berlín. Como ese pedido incluía medicamentos, parte de la solicitud fue derivada a la ONG Farmacéuticos Sin Fronteras Alemania. Allí, la Comisón Directiva junto con la Dra. Carina Vetye (única farmacéutica argentina de la ONG) y la Embajada de Alemania de Buenos Aires evaluaron la situación. Luego de visitar varios hospitales y centros de salud bonaerenses, en mayo de 2002 fue elegido un grupo de médicos que trabajaba en Bajo Boulogne para una donación de medicamentos esenciales.

La ayuda de FSF Alemania fue prolongada hasta fin de 2008, momento en que el proyecto en el Bajo Boulogne fue entregado a los socios locales (equipo de salud y Parroquia). Una evaluación de la situación de salud en el Conurbano llevó a firmar un convenio de cooperación con un centro de salud municipal en Villa Zagala como nuevo proyecto.

Actualmente en la Argentina la ONG trabaja en proyectos en Villa Zagala (Buenos Aires) y en Bariloche y pueblos de la Línea Sur (Río Negro) con un equipo integrado por médicos y farmacéuticos argentinos y muchos colaboradores voluntarios.