In

Philippinen

Taifun Haiyan

Anfang November 2013 verwüstete der Taifun Haiyan große Teile der Philippinen. AoG leistete zusammen mit der Hilfsorganisation Navis e.V. akute Nothilfe auf der Insel Leyte. Fünf Teams mit jeweils zwei geschulten Apothekerinnen halfen bis Mitte Januar bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung und beim Wiederaufbau.

Am 7. November 2013 traf Haiyan mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 350 Stundenkilometern auf die beiden westlich gelegenen philippinischen Inseln Leyte und Samar und hinterließ eine 600 Kilometer breite Schneise der Verwüstung. Zusätzlich überrollte eine mehr als sechs Meter hohe Flutwelle die Ostküste der beiden Inseln. Danach zog der Taifun weiter über Teile der westlicheren Inseln Cebu, Negros, Panay und Palawan. Dort richtete er ebenfalls große Schäden an. Gebäude und landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört. Weite Teile des Küstengebiets waren fast vollständig verwüstet. Dabei starben mehr als 7.800 Menschen. Insgesamt waren auf den Philippinen 14 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Taifuns betroffen. 1,1 Millionen Häuser wurden beschädigt, die Hälfte davon wurde gänzlich zerstört. Auch die medizinische Versorgung der Region war stark von der Zerstörung betroffen: Knapp 3.000 Gesundheitsein-richtungen wurden stark beschädigt und konnten deshalb ihren Betrieb nach dem Taifun nicht aufrechterhalten.

Nachdem die philippinische Regierung einen internationalen Hilfeaufruf erlassen hatte und das Ausmaß der Schäden durch Berichte verschiedener Medien bekannt geworden war, entschieden sich Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. und die bayerische Hilfsorganisation Navis e.V. am 10. November 2014 für einen gemeinsa- men Einsatz. AoG-Gründungsmitglied Andreas Portugal flog am 12. November zusammen mit drei Mitgliedern von Navis als Teil des Fact-Finding-Teams in Richtung Philippinen. In der Gemeinde Palo, einem Vorort von San Joaquin auf der besonders betroffenen Insel Leyte beschlossen sie in Absprache mit dem Bürgermeister der Gemeinde, eine Nothilfeambulanz einzurichten und den Wiederaufbau zu unterstützen. In San Joaquin hatten die Menschen besonders große Verluste von Angehörigen und Besitztum erlitten und zu diesem Zeitpunkt war keine andere Hilfsorganisation dort tätig.

Mit dem ersten Einsatzteam aus Deutschland wurden Medikamente, darunter ein von AoG beschafftes Interagency Emergency Health Kit und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in den Einsatz entsandt. Das Team baute eine ambulante Klinik auf, um die Basisgesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern und Verletzungen durch den Sturm und Aufräumarbeiten zu behandeln. Pro Tag kamen zwischen 50 und 100 Patienten in die Klinik. Zusätzlich versorgte ein Team aus Navis-Ärzten und einem AoG-Apotheker Patienten in einer mobilen Klinik. Zunächst machte diese mobile Klinik an verschiedenen Stationen halt. Mit der Zeit arbeiteten sie gemeinsam mit einer einheimischen Hebamme an einem festen Standort. Die Hebamme war die einzige medizinisch ausgebildete Person, die nicht vor dem Wirbelsturm geflohen war und überlebt hatte.

Neben der gesundheitlichen Versorgung stellten die Einsatzteams der Bevölkerung Trinkwasser zur Verfügung, führten Reparaturen an Häusern durch und halfen, die Infrastruktur wieder aufzubauen. So richteten Navis-Mitglieder das Kirchendach wieder her, räumten und überdachten die Schule und die Hebammenstation. An Neujahr reiste das letzte Einsatzteam nach San Joaquin, um das Nothilfeprojekt Mitte Januar abzuschließen und in die Hände der ein heimischen Bevölkerung zu übergeben. Noch vorhandene Medikamente übergaben unsere Einsatzkräfte an die Hebamme und ein inzwischen wieder arbeitendes Krankenhaus.