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Nepal

Projekt zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung der Landbevölkerung in Nepal

In nahezu allen ländlichen Regionen in Nepal fehlt es an wichtigen Arzneimitteln. Der Zugang zu qualifizierter medizinischer Versorgung ist schwierig. AoG betreut seit Ende 2017 gemeinsam mit der nepalesischen Organisation Basa Foundation ein Projekt im Solukhumbu-Distrikt, um die Arzneimittelversorgung der Bewohner des Dorfes Basa 6 zu ermöglichen. Es werden die Arznei- und Hilfsmittel für den dortigen Gesundheitsposten finanziert. Im Gemeindezentrum des Dorfes wurde ein separater Raum hergerichtet und mit allem notwendigen Mobiliar ausgestattet – vom übersichtlichen Regal für Arzneimittel über ein Krankenbett bis hin zur Wartebank für die Patienten. Entsprechend der staatlichen Liste für essentielle Arzneimittel und in enger Absprache mit dem Leiter des nächstgelegenen staatlichen Gesundheitspostens wurde beim pharmazeutischen Großhandel in Kathmandu eine Erstbevorratung beschafft. Der angestellte Leiter des Gesundheitspostens, Community Medical Assistant, wurde zu Themen wie Lagermanagement, Hygiene, Arzneimittelanwendung etc. von den Einsatzkräften geschult.

Der Gesundheitsposten ist seit Anfang 2018 an sechs Tagen pro Woche geöffnet, seitdem haben ihn bereits mehrere hundert Menschen für die medizinische Versorgung aufgesucht. Die Qualität der Versorgung hat sich herumgesprochen, und so kommen jetzt auch Menschen aus noch entlegeneren Dörfern in den Gesundheitsposten von Basa 6. Über den Verbrauch der Arzneimittel wird sehr sorgfältig Buch geführt und es wurde mehrfach gezielt nachgeordert. So gab es – anders als in den meisten Gesundheitsposten in Nepal – bisher auch kaum Versorgungsengpässe.

Ziel für die kommenden Jahre ist es eine nachhaltige Finanzierung sicherzustellen, um die qualifizierte Versorgung der Menschen in der Region aufrechtzuerhalten.

Stärkung von Betroffenen und Prävention von sexueller Gewalt durch das Konzept “SRHR” (sexual reproductive health and rights and self-defense)

Nach dem erfolgreichen Projekt 2018 gemeinsam mit action medeor und der nepalesischen Organisation PHECT im Chandragiri District im Großraum Kathmandu zur Aufklärung zu Sexualkrankheiten, Menstruationshygiene und Selbstschutz für Betroffene von sexueller Gewalt wird das Konzept 2019 auf einen weiteren Distrikt ausgeweitet. 
Im Nagarjun District sollen auch sogenannte Female Community Health Worker (FCHV) zu Themen wie sexuell übertragbare Krankheiten und deren Prävention, Sexualhygiene und Selbstschutz geschult werden. Das neu gewonnene Wissen geben die Frauen in ihren Gemeindegruppen weiter. Junge Menschen führen öffentlich Theaterstücke auf um auf spielerische Art die Bevölkerung zu diesen wichtigen Themen aufzuklären. Eine weitere Säule des Konzepts ist die Schulung der Lehrer der öffentlichen Schulen in den Gemeinden des Distrikts. Durch den Unterricht der Schüler zu Tabuthemen in Nepal wie Menstruation und Sexualität soll es Mädchen beispielsweise ermöglicht werden während der Regelblutung weiter am Unterricht teilzunehmen. 
Mit der Aufklärungsarbeit geht PHECT gegen die Benachteiligung von schwächeren Bevölkerungsgruppen vor und kämpft gegen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Gesundheitsposten in Baglung

Das Projektgebiet liegt im Baglung- und Parbat-Distrikt, etwa 300 km westlich der Hauptstadt Kathmandu in einer Mittelgebirgsregion. Im Baglung-Distrikt leben etwa 270.000 Menschen, im Parbat-Distrikt zirka 150.000. Ihre Lebenssituation ist durch große Armut und Entbehrungen geprägt. Die Health Worker in den Gesundheitsposten (Health Posts) sind häufig nur unzureichend ausgebildet. Die hygienischen Bedingungen und die Lagerhaltung der Medikamente liegen weit unter internationalen Standards.

Die Organisation begann 2009 seine Projektarbeit im Baglung-Distrikt mit der Evaluierung und anschließenden Ausstattung der Health Posts mit den notwendigsten Hilfsmitteln, wie einer Trage, Behandlungsstühlen oder auch Autoklaven, sowie Mobiliar für die sachgerechte Lagerung der Arzneimittel. Der Verein arbeitet mit der lokalen Partnerorganisation SWAN (Social Welfare Association of Nepal) zusammen.

Um das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung im Baglung-Distrikt zu steigern, führte der Verein, teilweise gemeinsam mit der Organisation Sankalpa Foundation, die von nepalesischen Apothekern gegründet wurde, Schulungen für die Health Worker der Gesundheitsposten, sowie für Frauengruppen und ausgewählte Interessenverbände durch. Schulungsthemen waren Hygiene, Arzneimittellagerung, Health Awareness, fachgerechte Entsorgung von Arzneimitteln sowie „Good Dispensing Practice“. Vor Ort kümmert sich ein nepalesischer Projektmanager um die einzelnen Projekte und steht in ständigem Kontakt mit den deutschen Projektkoordinatoren.

Im Jahr 2013 hat die Organisation mit der Sankalpa Foundation das gemeinsame Projekt „Sankalpa Chronic Care Clinic Project on Hypertension, Diabetes and Asthma“ zur verbesserten Aufklärung und Betreuung chronisch Kranker in der Großstadt Pokhara abgeschlossen. Bei diesem Projekt wurden 90 Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Asthma bronchiale zehn Monate lang intensiv pharmazeutisch betreut. Das Team bestand aus zwei nepalesischen Apothekern, einer Krankenschwester, zwei Ärzten und einem Medical Assistant.

Im Jahr 2014 fand unter der Federführung von SWAN ein „Health Camp“ im Baglung-Distrikt statt. Dabei wurden innerhalb von drei Tagen etwa 1.300 Menschen von verschiedenen nepalesischen Ärzten diverser Fachgebiete untersucht und behandelt. Anschließend wurden sie in der „Camp Apotheke“, in der auch zwei Mitglieder von Apotheker ohne Grenzen mitarbeiteten, mit den notwendigen Arzneimitteln versorgt.

Im April 2015 erschütterte ein großes Erdbeben den Himalayastaat. Die Organisation bot neben anderen Hilfsorganisationen Hilfe vor Ort. In Bhaktapur, östlich von Kathmandu gelegen, errichtete der Verein gemeinsam mit der Organisation NAVIS eine Notfall-Klinik und Apotheke und versorgte täglich Dutzende verletzte und traumatisierte Menschen.

2016 begann das bislang größte Projekt, das in den beiden Distrikten Baglung und Parbat umgesetzt wird und in Zusammenarbeit mit dem Ministry of Health and Population entwickelt wurde. Beim STP-Programm (englisch Standard Treatment Protocol) geht es darum, gezielte Diagnosen zu stellen und standardisierte Behandlungen mit der entsprechenden Medikation bei den entsprechenden Erkrankungen einzusetzen. Die Arzneimittel entstammen der Essential Drug List der WHO. Damit soll vermieden werden, dass Patienten falsche und zu viele Arzneimittel verordnet bekommen. Mit dem STP-Programm wird die Behandlung und Arzneimittelversorgung von mehr als 400.000 Menschen verbessert.

Wiederaufbau von 8 Gesundheitsposten in Gorkha und Sindupalchowk nach dem Erdbeben vom 25. April 2015

Nach den verheerenden Erdbeben vom April und Mai 2015 in Nepal unterstützte AoG den Wiederaufbau vor Ort, was durch Spendengelder unterstützt wurde.

 Im Juli 2015 wurde nach Vorbereitungen ein Partnervertrag gemeinsam mit action medeor und SWAN unterzeichnet. Der langjährige nepalesische Partner SWAN war für die Ausführung der Baumaßnahmen vor Ort zuständig, so dass bis Ende März 2016 acht semipermanente Gesundheitsposten in den schwer betroffenen Distrikten Ghorka und Sindhupalchowk wieder aufgebaut werden konnten.

Das Projekt wurde durch einige unvorhersehbare Probleme behindert: Im Herbst 2015 legte die „Benzinkrise“ alle Aktivitäten für mehrere Monate lahm: Aufgrund der neuen Verfassung kam es, verstärkt an der Grenze zu Indien, zu Unruhen, Streiks und Blockaden. Dadurch gelang nur noch ein Bruchteil des täglichen Benzinbedarfs nach Nepal. Das wenige verfügbare Benzin wurde für den Personentransport genutzt, so dass keine Baumaterialien in die entlegenen Gebiete transportiert werden konnten.

Doch diese Unwägbarkeiten wurden gemeistert, so dass nun in Baruwa, Borlang, Ganku, Gunsakot, Jaubari/Dhaurapani, Ranchowk/Saurpani, Ratamata und Sera/Dhuwakot Gesundheitsposten mit erdbebensicherem Fundament, je drei Behandlungszimmern und Sanitäranlagen den Menschen vor Ort als erste Anlaufstelle im Krankheitsfall dienen.

Wichtig war AoG, dass die Gesundheitsposten mit Möbeln, medizinischem Zubehör und einem ersten Set an Medikamenten ausgestattet sind. Nach der Übergabe an das Dorf-Komitee konnten die ersten Patienten sofort behandelt werden.

Inzwischen arbeiten die nepalesische Wiederaufbau-Behörde und das Gesundheitsministerium am langfristigen Wiederaufbau, der zentral über die Regierung gesteuert wird.