In News

Hochwasser Deutschland – Apotheker ohne Grenzen hilft vor Ort

Klinik wird von Apotheker ohne Grenzen versorgt


Bad Neuenahr, August 2021

Auch die Dr. von Ehrenwall`sche Klinik, ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie in Bad Neuenahr-Ahrweiler, musste nach dem Hochwasser den Betrieb einstellen. Wir konnten die neu eingerichteten fünf psychischen Institutsambulanzen und die Tagesklinik mit dringend benötigten Materialien erstausstatten.

Dazu zählen unter anderem Desinfektionsmittel, Utensilien zur Blutentnahme, Abwurfbehälter, Blutdruck und Blutzuckermessgeräte inkl. ausreichend Teststreifen, Stethoskope und eine Personenwaage.

Unsere AoG-Einsatzkraft Dr. Petra Nolte, die seit dem 1. August die ehrenamtliche Projektkoordination im Ahrtal übernommen hat, organisierte die benötigten Materialien und übergab sie an die stellvertretende Verwaltungsleiterin Frau Heideck.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Multifunktionscontainer im Einsatz

 

Ahrtal, August 2021

In Zusammenarbeit mit action.medeor e.V. konnte ein Multifunktionscontainer zwischen Dernau und Rech eingerichtet werden. Am Container befinden sich aktuell Briefkästen der umliegenden Apotheken, in die die Patienten ihre Rezepte einwerfen können, um von den Apotheken mit den entsprechenden Medikamenten beliefert werden zu können. Schon bald sollen dort auch weitere Gesundheitsdienste wie eine psychosoziale Betreuung der traumatisierten Menschen angeboten werden.

Ein interessanter Artikel zum Thema gibt es HIER

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Apotheker ohne Grenzen schickt weitere helfende Hände ins Krisengebiet


Bad Neuenahr, 11. und 12. August 2021

Die AoG-Einsatzkräfte Charlotte Lübow, Thilo Faber, Martina Gerhardt und Kathrin Bell-Brust haben sich bereiterklärt ehrenamtlich dem Hilfegesuch des ASB in Bad Neuenahr zu folgen und vor Ort mitzuwirken. Die Apotheker:innen sind allesamt Mitglieder bei AoG und dem AoG-Aufruf nach Hilfskräften gefolgt. Das dortige Materiallager des ASB ist vollgepackt mit Arzneimitteln und Medizinprodukten, ohne Strukturierung droht allerdings die Übersicht verloren zu gehen. Die Arzneimittel, sowie Verbandszeug, Desinfektionsmittel, Pflaster, etc. werden für die vielen tatkräftigen privaten Aufräumhelfer benötigt. Diese ziehen sich beim Kampf gegen die antrocknenden Schlammmassen leicht Schnittverletzungen und andere Wunden zu, die medizinisch versorgt werden müssen. Daneben ist immernoch aufgrund der Zerstörung von zahlreichen Apotheken rund um die Region Ahrweiler vor allem auch die ältere und chronisch kranke Bevölkerung mit hohem Medikationsbedarf auf die Arzneimittel aus dem Lager angewiesen.

Die Tätigkeiten der Einsatzkräfte beziehen sich auf den Bereich des Lagermanagements und der Lagerlogistik. Konkret beinhaltet dies die Erfassung der vorhandenen Arzneimittel, Feststellung der Indikation und Strukturierung der Arzneimittelverteilung. Damit halten die AoG-Einsatzkräfte die Übersicht in der Wertschöpfungskette aufrecht und ermöglichen einfache und schnelle pharmazeutische Hilfe vor Ort.

AoG-Einsatzkräfte Charlotte Lübow, Martina Gerhardt und Kathrin Bell-Brust erfassen die vorrätigen Arzneimittel im Sanitätslager des ASB in Bad Neuenahr

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Aufruf an alle betroffenen Apotheken in den Hochwasserregionen – Apotheker ohne Grenzen unterstützt beim Aufbau


Im Zuge der Flutkatastrophe arbeitet Apotheker ohne Grenzen an Lösungsansätzen für weiterführende Hilfsmaßnahmen um schnellstmöglich die pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen bzw. wiederherzustellen.

 

Betroffene Apotheken bitte melden!


Apotheker ohne Grenzen unterstützt in folgenden Bereichen:

  • Kurzfristige Unterstützung betroffener Apotheken durch pharmazeutisches Fachpersonal
  • Personelle Unterstützung und Beratung beim Aufbau und Betrieb von Not-Apotheken und weiteren Interims-Lösungen auf Basis unserer langjährigen Erfahrung
  • Finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung und Ausgestaltung von kurzfristigen und Interims-Lösungen zur Sicherstellung der Versorgung
  • Verbesserung der bereits aktiven Interims-Lösungen
  • Kontaktvermittlung und Unterstützung bei der Kommunikation mit den zuständigen Behörden
  • Weitere Optionen der Unterstützung sind nach Einzelfall-Klärung möglich

Betroffene Apotheken können sich bis zum 6. September 2021 jederzeit in der Geschäftsstelle von AoG melden, idealerweise direkt mit einem konkreten Bedarf und Zeitraum.

AoG-Geschäftsstelle: 089-415 597 38 | AoG-Projektkoordinatorin Irene Markert: i.markert@psfde.org

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Pharmazeutische Infrastruktur wieder aufbauen
– mittel- und langfristig


München, 1. August 2021

Apothekerin Dr. Petra Nolte übernimmt nach der Übergabe von Claudia Krämer die Koordination der Hilfe vor Ort. Entscheidend in den kommenden Wochen wir die Frage nach Lösungen für den langfristigen Aufbau sein. Soll das Zerstörte wiederaufgebaut werden? Wenn ja, wird es anders neu aufgebaut, um solche Katastrophen zu verhindern? Die Betroffenen stehen diesbezüglich vor schwierigen finanziellen, logistischen und technischen Herausforderungen.

Ein Ansatz ist das Etablieren von Container-Apotheken. Dies bedeutet, dass betroffenen Apotheken ein medizinischer Container zur Verfügung gestellt wird. Darin können sie Medikamente verkaufen, Patienten beraten und Medikationspläne überwachen. Auch der Einbindung von psychologischer Betreuung soll in den Containern der nötige Raum gegeben werden. Eine Herstellung von Rezepturarzneimitteln ist in solchen Containern allerdings nicht vorgesehen. Ob diese Container tatsächlich eine geeignete Übergangslösung darstellen, wird Apotheker ohne Grenzen in der nächsten Zeit herausarbeiten.

Aufstellung von für den Übergang gedachten Container in Altennahr – hier vom DRK

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

AoG-Einsatz in einer betroffenen Apotheke in der Hochwasserregion

 

Grafschaft, 29. Juli 2021

Während Jochen Wenzel und Claudia Krämer die übergeordnete Arzneimitteldistribution und Koordination der Hilfskräfte übernehmen, unterstützt Apothekerin Anne Matheis die Robert-Koch-Apotheke in Grafschaft. Die Apotheke muss kurzfristig die Arzneimittelversorgung für das gesamte Ahrtal übernehmen, nachdem 10 der 11 dort ansässigen Apotheken durch die Fluten zerstört werden.

Sie schildert in einem eigenen Bericht ihre Erfahrungen während des Einsatzes. Der Bericht ist zudem als Blogeintrag auf der Homepage der von-Sickingen-Apotheke zu finden (von-Sickingen-Apotheke).

 

„Das hier war kein schleichendes Hochwasser, das hier gleicht einem Tsunami“
– Anne Matheis, AoG Einsatzkraft, über die Ausmaße der Flutkatastrophe


Durch die Vermittlung von Apotheker ohne Grenzen e.V. durfte ich zwei Tage dem Team der Robert-Koch-Apotheke von Markus Gottschalk in Grafschaft, oberhalb von Bad Neuenahr-Ahrweiler, unter die Arme greifen, das in einem Teil des Krisengebiets die Versorgung mit Medikamenten übernommen hat. Mein Team hat mir dafür zwei Tage lang in Bechhofen und Landstuhl den Rücken freigehalten, vielen Dank dafür!

Das Team von Markus Gottschalk und Filialleiterin Stefanie Jeske leistet einen wirklich tollen Job zur Zeit. In der Nacht waren von jetzt auf gleich 10 von 11 Apotheken in dem dortigen Notdienstbezirk nicht mehr betriebsbereit, die Robert-Koch-Apotheke musste vier Tage die komplette alleinige Arzneimittelversorgung für das Ahrtal übernehmen. Nach vier weiteren Tagen waren immerhin 5 von 11 Apotheken wieder einsatzfähig.

Die Medikamente der Menschen im Ahrtal wurden schlagartig auf einmal vernichtet (Insuline, Blutdruckmedikamente, einfach alles!) und mussten schnellstmöglich ersetzt werden. So etwas kann nur eine Apotheke vor Ort leisten, das kann und will auch kein Arzneimittelversender.

Durch das große und dichte Netz der Apotheken vor Ort war es möglich, dass wir eine virtuelle Apothekenschlammeimerkette eingerichtet haben und wir so die Robert-Koch-Apotheke entlasten konnten.

AoG-Einsatzkraft Anne Matheis (li) und das Team der Robert-Koch-Apotheke halten in der kritischsten Phase die Arzneimittelversorgung des Ahrtals aufrecht

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Einblicke in ein Einsatztagebuch von zwei AoG-Einsatzkräften

 

Altenahr, 25. Juli 2021

Nach einigen Tagen vor Ort übergibt Andreas Portugal die Verantwortung über die Einsatzleitung in die Hände von Jochen Wenzel, ebenfalls Apotheker und ehrenamtliches Vorstandsmitglied von Apotheker ohne Grenzen. Auch Jochen reist aus seinem Urlaub an. Vor Ort kommt noch Claudia Krämer hinzu, eine AoG-Einsatzkraft und Apothekerin aus Dresden. Zusammen besprechen sie das weitere Vorgehen mit Andreas. Jochen wird sich in den nächsten Tagen der Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigen Arzneimitteln widmen. Währenddessen wird Claudia vermehrt nach Übergangslösungen für die vielen zerstörten Apotheken suchen, damit diese möglichst schnell wieder als gesundheitliche Versorgungspunkte zur Verfügung stehen. AoG wendet somit die Grundkonzepte ihrer Unterstützungsarbeit auch in Deutschland an: neben einer kurzzeitigen Soforthilfe wird auch die mittel bis langfristige Hilfe ins Auge gefasst, damit in der betroffenen Region wieder eine funktionierende pharmazeutische Infrastruktur aufgebaut werden kann.

 

Eindrücke eines mehrtägigen AoG-Nothilfe-Einsatzes:

 

Sonntag, 25. Juli:

Vor Abfahrt führe ich (Claudia) eine Telefonkonferenz mit der Geschäftsführung von Apotheker ohne Grenzen, um mich final abzustimmen und wenige Unklarheiten zu beseitigen. Nach der Anreise nehmen wir vor Ort in Heimerzheim Kontakt zum DRK-Heimerzheim auf, die ein medizinisches Versorgungszelt für kleinere Verletzungen, Durchfallerkrankungen, etc. errichtet haben. Durch Gespräche finden wir heraus, dass der Inhaber einer Apotheke im Nachbarort Bornheim Mitglied bei uns ist und wir nehmen Kontakt auf. Wir bestellen dort Arzneimittel, Verbandszeug und andere medizinische Ware, welche wir direkt in den Krisen-Hotspot zum DRK in Heimerzheim liefern lassen.

 

Montag, 26. Juli:

Heute ist vor allem der Erfassung des Bedarfs an der Tagesordnung. Wo wird konkret und dringend Hilfe benötigt? Welche Arzneimittel fehlen? Wie können wir diese beschaffen? Es gibt viele Hilfsangebote, die allerdings auch koordiniert werden müssen. Die Lieferungen von gespendeten Masken, Wunddesinfektionsmitteln und Erste-Hilfe-Ausrüstungen müssen erfasst und geordnet weitergegeben werden, damit der Überblick nicht verloren geht. Am Nachmittag bekommen wir von der DRK-Station am Nürburgring eine weitere Lieferung. Die Station versorgt zentral alle Kranken- und Rettungswagen, sowohl vom DRK, als auch von den Maltesern, dem ASB und dem DLRG mit Verbandstoffen und freiverkäuflichen Arzneimitteln. Bedauerlicherweise wird klar, dass nicht jede Hilfe optimal koordiniert abläuft. Eine große Bestellung wirft heute Fragen auf, da sie weder bei uns noch beim DRK angemeldet ist. Ich (Jochen) verbringe den Tag damit die Bestellungen zu koordinieren, durch die zerstörten Straßen ist das Fahren in eine 25 km weit entfernte Ortschaft sehr schwierig.

 

Dienstag, 27. und & Mittwoch 28. Juli:

Am Mittwoch holen wir zunächst 50 Tetanus-Impfstoffe in einer Apotheke in Neuwied und liefern diese zum DRK nach Heimerzheim. Einige Helfer haben Schnitt-, Brand- oder Risswunden und werden prophylaktisch von einem erfahrenen Arzt gegen Tetanus geimpft. Daneben vernetzen wir nun das DRK direkt mit noch verfügbaren Apotheken vor Ort, damit die Hilfe in Zukunft auf kürzeren Wegen ablaufen kann. Anschließend besuchen wir diverse Apotheken in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Altenahr, teilweise können wir mit den Besitzern sprechen und teilweise ist niemand anzutreffen.

Vom Shuttle-Service am Innovationspark Ahrweiler werden täglich hunderte Helfer in die betroffenen Orte gebracht. Einige private Helferinneninitiativen sind auch vor Ort. Wir stimmen unsere Arbeit mit „Helfer-Shuttle“ ab, eine private Initiative die Pflaster an die Helfenden verteilt. In den nächsten Tagen wird diese Initiative uns bei der Kontaktaufnahme zu den betroffenen Apotheken unterstützen. Wir können der Hirsch-Apotheke, Paradies-Apotheke und Burg-Apotheke konkrete Hilfe anbieten. Des Weiteren verteilen wir im Mayschosser Kreis mehrere hundert Masken, sowie Steriliumflaschen zur Desinfektion. Der medizinische Leiter von Bode, Hersteller von Sterillium Virugard, drückt seine Dankbarkeit den Helfenden gegenüber aus: „Es ist super, dass ihr uns helft, denn wir können die Leute nur dann versorgen, wenn wir auch Material haben, danke, danke danke an euch.“

 

Donnerstag, 29. Juli:

Heute unternehmen wir erneut Kontaktversuche zu den fehlenden Apotheken. Gleichzeitig arbeiten wir an einer mobilen Impfversorgung. Als Impfstoffe werden neben Tetanus und Hepatitis auch der Impfstoff gegen Corona diskutiert. Denn neben den dramatischen Ereignissen der vergangenen Woche, dürfen wir die Gefahr durch die Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht aus den Augen verlieren. Durch ein Impfzelt am Bahnhof in Ahrweiler wird die Immunisierung mit den o.g. Impfstoffen zur Verfügung gestellt.

 

Freitag, 30. Juli:

Heute reise ich (Jochen) ab und Claudia beginnt nebenbei die Vorbereitung für die Übergabe der Aufgaben an AoG-Vorstandsmitglied Dr. Petra Nolte ab Samstag, den 1. August. Nach Rücksprache mit dem DRK-Lager in Bad Neuenahr zeigt sich, dass diese nun inzwischen super versorgt sind, einzig Fenistil fehlt ihnen. Knapp 2.000 Tuben Fensitil können wir dann über die Rosen-Apotheke in Neuwied organisieren. Nach der Abreise von Jochen bin ich (Claudia) noch nach NRW, um dort die Lage der Versorgung zu beurteilen. Die Apotheken in Ortschaften wie Kall und Nettersheim sind ebenfalls betroffen, scheinen aber bereits etwas aufgeräumter zu sein.

 

Samstag, 31. Juli:

Ich (Claudia) reise noch ein letztes Mal ins Ahrtal um dort mit der Vertreterin der Apothekerkammer Rheinland-Pfalz zu reden. Dort treffe ich auf Menschen, die mir von ihren Erlebnissen in der Nacht der Flutwelle berichten. Ich bekomme Gänsehaut, ihre Erzählungen klingen dramatisch.

Mit einigen Apotheken arbeiten wir an mittelfristigen Übergangslösungen. Natürlich muss dabei der hohe Standard der deutschen Apotheken in Bezug auf Hygiene, Gute Herstellungspraxis und fachgerechter Arzneimittellagerung immer im Blick behalten werden. Ich reise ab und treffe mich in Leverkusen mit Petra, um die Übergabe zu besprechen.

Alte Apothekergefäße – Jahrzehnte überstanden und jetzt auch die Flutkatastrophe

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Erster Koordinierungs-Einsatz vor Ort

 

Altenahr, 23. Juli 2021

Ehrenamtliches AoG-Vorstandsmitglied Andreas Portugal bricht seinen Urlaub ab, um in den besonders betroffenen Gebieten die Koordination der Arzneimittelverteilung vor Ort zu übernehmen. Anpacken lautet die Devise, denn es gibt viel zu tun: dank der großen Unterstützung kann Apotheker ohne Grenzen dringend benötigte Arzneimittellieferungen verteilen. Blutdrucktabletten, Insulin, Schmerzmittel, Verbandszeug, Desinfektionsmittel, Infusionslösungen… All diese essentiellen Dinge fehlen und werden dankend entgegengenommen.

„Ich war schon bei vielen Katastrophen und Einsätzen weltweit, aber was ich hier sehe verschlägt mir den Atem“
– Andreas Portugal, AoG-Vorstandsmitglied

Das Ausmaß der Zerstörung zeigt deutlich: das Hochwasser glich einem reißenden Fluss

Der Zustand der Ortschaften verschlägt auch erfahrenen Einsatzkräften wie Andreas Portugal den Atem: „Die Wassermassen müssen so schnell, mit solch einer Wucht gekommen sein. Eine unheimliche Zerstörung – wir müssen helfen wo wir können!“

Andreas beim Sortieren der Arzneimittel und Hygieneartikel

Die betroffenen Menschen sagen DANKE

HIER geht es zu einem Interview-Video, welches die PZ mit Einsatzkraft Andreas Portugal über seinen Einsatzerfahrungen in den Hochwasserregionen gehalten hat.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Weil vor Ort helfen essentiell ist – AoG schickt erste Einsatzkraft in das Krisengebiet

 

Erftstadt, 21. Juli 2021

Apothekern ist bekannt, wie wichtig der Einsatz vor Ort nahe an der Bevölkerung ist. Dies ist nicht nur im Routinealltag wichtig, sondern vor allem nach einschneidenden Katastrophen. Nach der Hochwasserkatastrophe ist die Hilfsbereitschaft in der deutschen Bevölkerung riesig, dies spiegelt sich vor allem in den zahlreichen Spenden wieder. Unter dem Motto „Gemeinsam helfen – gemeinsam stark“ ruft AoG dazu auf, als Einsatzkraft vor Ort mitzuhelfen.

Einer dieser Einsatzkräfte ist Gertrude Mevissen. Sie ist Apothekerin und AoG-Mitglied und unterstützt Apothekerin Jutta Döbel bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben nach der totalen Zerstörung ihrer Apotheke. Die Aufgaben unterscheiden sich stark von der üblichen Offizin, denn aufgrund der Fluten sind auch nahegelegene Arztpraxen beschädigt. Impfungen werden daher in die Apotheke verlagert, Medikationspläne auf College-Blöcken verfasst und Botendienste erfordern kreative Routenfindung, da viele Straßen nicht befahrbar sind. Gleichzeitig laufen Corona-Tests, Ausstellungen von Impfzertifikaten und die Routinebetreuung der Patienten weiter.

Apothekerin Gertrude hilft in der Apotheke im Erftstadt Center aus

Coronatests in der Apotheke

Improvisation ist gefragt bei der Erstellung von Medikationsplänen

Die Apotheke in Erftstadt wird zum Impfzentrum, denn die Räume der benachbarten Arztpraxis sind überflutet

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

AoG stellt Soforthilfe in Zusammenarbeit mit Armut und Gesundheit e.V.

 

Mainz, 19. Juli 2021

Durch viel Erfahrung in anderen Noteinsätzen ist klar, dass sofortige Hilfe entscheidend für die betroffene Bevölkerung ist. Die starken Überflutungen haben insgesamt 65 Apotheken zerstört. Dies bedeutet in den besonders betroffenen Regionen, dass die grundsätzliche medizinische Versorgung neu sichergestellt werden muss – und das in Zeiten einer Pandemie bei der unter Normalzustand bereits besondere Hygienebedingungen gelten.

In Zusammenarbeit mit dem Mainzer Kooperationspartner Armut und Gesundheit e.V. stellt Apotheker ohne Grenzen e.V. Hygiene-Sets zur Verfügung, die zuvor in Mainz im Rahmen der deutschlandweiten AoG-Obdachlosenaktion 2021 verteilt wurden. Die Hygienesets bieten den Betroffenen eine Grundausstattung, um sich auch während der Katastrophe weiterhin vor Corona schützen zu können. Prof. Dr. Trabert, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin, fährt in die Krisengebiete und bietet neben der Verteilung von Arzneimitteln und Hygiene-Sets der zum Teil schwer traumatisierten Bevölkerung ein offenes Ohr.

Apotheker ohne Grenzen bietet in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Trabert von Armut und Gesundheit e.V. Soforthilfe

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Die Flut kommt

 

Ahrweiler, 14. Juli 2021

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bringen starke Regenfälle eine Jahrhundertflut in den Westen Deutschlands. Besonders betroffen sind die Regionen Ahrweiler und Eifel in Rheinlandpfalz sowie das Oberbergische Land in NRW. Aber auch Teile Bayerns und Sachsen bleiben von Fluten nicht verschont. Über 160 Menschen sterben, unzählige verlieren ihre Existenzgrundlage. Die Bilder, die den Rest des Landes aus den Katastrophengebieten erreichen sind erschreckend.

Betroffen sind auch Apotheken und Arztpraxen vor Ort, wodurch die medizinische Versorgung der bereits stark belasteten Bevölkerung zu einer großen Herausforderung wird. Rezepte gehen verloren, Arzneimittelvorräte werden unbrauchbar und der Zugang zu Therapiemöglichkeiten chronisch erkrankter Menschen ist in Gefahr.

zerstörte Apotheke in Altenahr, Landkreis Ahrweiler in Rheinlandpfalz

Das Ausmaß der Katastrophe wird erst nach Abfluss der Wassermassen deutlich

Zerstörung in Ahrweiler

Die volle Wucht der Zerstörung – selbst LKWs und große Baumstämme wurden mitgerissen