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Eine gerechte Verteilung des Impfstoffs gegen Covid-19

Kampf gegen Covid-19

Apotheker ohne Grenzen appelliert:
Eine gerechte Verteilung des Impfstoffs
gegen Covid-19

Grenzenlos Helfen – Gemeinsam stark gegen Corona!!

Der Zugang zu Impfstoffen gegen das Coronavirus ist weltweit sehr ungleich verteilt. Insgesamt haben sich die 27 reichsten Staaten knapp 22 % des weltweit verfügbaren Impfschutzes gesichert, obwohl sie nur gut 10% der Weltbevölkerung repräsentieren. Viele reiche Länder sicherten sich Hunderte Millionen Dosen potenzieller Vakzine von verschiedenen Herstellern. Entwicklungs- und Schwellenländern haben das Nachsehen. Die Konsequenzen zeigen sich schon jetzt im Vergleich der Impfquoten: Während in den USA bereits 48% der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz erhalten haben, sind es in unserem Projektland Nepal gerade einmal 2,6 %. In der Demokratische Republik Kongo, wo Apotheker ohne Grenzen mehrere langfristige Projekte unterstützt und aufbaut, verfügt noch keine einzige Person über einen vollständigen Impfschutz. (Stand Juli 2021).

Eine Initiative kämpft gegen diese Ungerechtigkeit an und möchte einen weltweiten, gerechten Zugang zu den Vakzinen ermöglichen: COVAX.

COVAX steht für „Covid-19 Vaccines Global Access“ und wurde im April 2020 von der Weltgesundheitsorganisation WHO und Partnerorganisationen ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: Alle Staaten der Welt zahlen in einen gemeinsamen Fonds ein. Mit diesem Geld soll dann gebündelt Impfstoff vor allem für ärmere Länder – besonders in Afrika, Asien, Ozeanien und Südamerika eingekauft werden.

Denn uns ist allen bewusst: die weltweite Ungleichverteilung birgt eine große Gefahr für alle Menschen! Je mehr sich SARS-CoV 2 in den ärmeren Ländern weiter ausbreitet, umso wahrscheinlicher entstehen Mutationen, gegen welche die bisher verabreichten Impfungen schlechter oder gar nicht wirken. In unserer global vernetzten Welt können sich diese Varianten des Virus schnell auch wieder in den Industrienationen ausbreiten – und der Pandemiekreislauf beginnt von neuem. Erst wenn das Virus weltweit besiegt ist, kann es sich nicht erneut ausbreiten oder neue Mutationen entwickeln.


Die Pandemie ist erst zu Ende, wenn sie für alle zu Ende ist. Je länger wir mit einer global gerechten Verteilung des Impfstoffs warten, umso mehr zögern wir das Ende der Pandemie hinaus.


Mit der COVAX-Initiative gibt es bereits einen internationalen Mechanismus, der eine gerechte globale Verteilung des Impfstoffs zu einem fairen Preis zum Ziel hat.

Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht und kann nicht erreicht werden, solange COVAX als einer von mehreren Käufern mit den reichen Industrienationen um die knappen Impfstoffdosen konkurrieren muss.

In dieser Situation gibt es drei Möglichkeiten, zu einer zumindest gerechteren Verteilung des Impfstoffs zu kommen:

 

1. Schnelle Weitergabe überschüssiger Impfdosen an Covax

Zahlreiche Industriestaaten haben Verträge über deutlich mehr Dosen von bereits zugelassenen Impfstoffen geschlossen, als sie zur Immunisierung ihrer Bevölkerung brauchen. Inzwischen haben einige Regierungen angekündigt, Impfdosen weiterzugeben. Zudem müssen Exportverbote, die nicht durch eine akute Notlage im eigenen Land berechtigt erscheinen, aufgehoben werden, damit Covax Zugang zu mehr Impfdosen bekommt.
Die Zeit drängt, dies muss jetzt schnell umgesetzt werden!

 

2. Bessere Finanzierung von COVAX

Aktuell ist es Covax zwar gelungen, genug Mittel einzuwerben um die geplanten Ausgaben bis Ende 2021 zu decken. Allerdings decken diese Planungen nur die Immunisierung der gefährdetsten Gruppen ab. Für eine Herdenimmunität in den Ländern des globalen Südens reichen die Mittel bei weitem nicht. Deshalb sehen wir die Industriestaaten in der Pflicht ihre Finanzierung für COVAX weiter aufzustocken. Angesichts der ansteckenderen Delta-Variante ist das dringender denn je.

 

3. Steigerung der Impfstoffproduktion durch Lizenzvergabe im Interesse der öffentlichen Gesundheit

Ungenutzte Produktionskapazitäten müssen besser genutzt werden. Der Medicine Patent Pool (MPP) hat mehr als zehn Jahre Erfahrung darin mit Inhabern geistiger Eigentumsrechte freiwillige, nicht exklusive Lizenzen für Medikamenten z.B. gegen HIV oder Tuberkulose auszuhandeln. Interessierte Generikahersteller können beim Medicine Patent Pool alle benötigten Lizenzen en Block erhalten.

Die Rechteinhaber sollten möglichst rasch Verhandlungen über alle für die Herstellung von Covid-19 Impfstoffen notwendigen Patente mit dem MPP aufnehmen und vorantreiben. So lassen sich die verfügbaren Produktionskapazitäten besser nutzen, ohne den Patentschutz aufzuheben. Regierungen sollten darauf dringen, dass die Patente, deren Entwicklung sie mit öffentlichen Geldern gefördert haben, rasch in den Patentpool eingebracht werden.

 

Wir als Apotheker ohne Grenzen wünschen uns eine gerechte Verteilung des Impfstoffes gegen Covid-19, um den Menschen in unseren Projektländern helfen zu können. Solange weltweit Impfstoff fehlt, können wir als NGO nur mit Appellen auf die Situation und die Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam machen.


Wir nutzen seit Pandemiebeginn und auch weiterhin die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort, um ….

  • präventiv weiter zu arbeiten (mit Aufklärung und Hygiene-Unterstützung)
  • gezielt mit finanzieller Unterstützung und lokaler Beschaffung Corona-Patienten zu versorgen
  • vorbereitet zu sein, wenn die Impfstoffverteilung auch in den Projektgebieten anläuft.