: Uganda

Einsatz in Uganda

Reisebericht der Projektkoordinatorin Claudia Martin

AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei der Schulung der neuen eSMT-Software:
AH-Geschäftsführer Andreas Wiegand und AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei ihrem Projektbesuch im Kibaale District in Uganda

Claudia Martin, die voriges Jahr als Pharmazeutin im Praktikum bei AoG arbeitete, berichtet im Folgenden von ihrer zweiten Reise:

Die Menschen im Westen Ugandas haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Mehrheit der Patienten, die meist arme Bauern aus der Umgebung sind. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“

Die armen Bauernfamilien aus der Umgebung bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocados, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, bieten sie zum Verkauf an und bestreiten von den spärlichen Einnahmen ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente im Krankheitsfall reicht das Geld häufig nicht. Genauso aber kämpfen die Gesundheitszentren um ihre Existenz. Die staatliche Unterstützung ist gering. Arbeitet die Einrichtung nicht kostendeckend, so droht ihr bald das Aus und die Patienten müssen noch weitere Wege auf sich nehmen, um medizinisch und pharmazeutisch betreut zu werden. Dies ist ein Teufelskreis, der nur durch viele Akteure mit Erfahrung, Geduld und Ausdauer durchbrochen werden kann.

Bereits im Mai 2017 wurde mit finanzieller Unterstützung von Apotheker Helfen und AoG eine neue Apotheke in Karuguuza im Kibaale Distrikt eröffnet. Die derzeit einzige Apotheke im Umkreis von 50 km fungiert gleichzeitig als pharmazeutischer Großhandel für viele Gesundheitszentren und ist bereits heute ein zuverlässiger Lieferant für qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittel im gesamten Distrikt. Daniel Olowo – der momentan einzige Apotheker weit und breit – ist ein kompetenter Ansprechpartner für Arzneimittelfragen. Seit der Eröffnung der neuen Apotheke wächst die Zahl der Patienten.

Man erkennt sofort, wie dankbar die Menschen sind, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für ihre Behandlung vorhanden sind. Viele Patienten warten lange, bevor sie den weiten und oft beschwerlichen Weg zur Krankenstation auf sich nehmen. Denn dies bedeutet, dass sie die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen müssen. Man stelle sich vor, was in diesen Menschen vorginge, wäre ein solch aufwendiger Arztbesuch erfolglos: kein Arzt oder Gesundheitshelfer da, keine Medikamente vorhanden…Man ging unverrichteter Dinge, krank und niedergeschlagen wieder nach Hause.

In der ersten Woche unserer Projektreise haben wir erneut EDF-Gesundheitszentren evaluiert und Unterstützung vor Ort geleistet. Vielen Menschen fällt es schwer Ein- und Ausgaben, sowohl privat als auch bei ihrer Arbeit in den Gesundheitseinrichtungen, im Auge zu behalten. Daher entschieden wir uns für einen mehrtägigen Workshop in Finanzmanagement mit den Mitarbeitern der Gesundheitszentren. Schwerpunkte waren dieses Mal das generelle Kostenbewusstsein, Arten von Kosten, sowie der Wert von Medikamenten und der Arzneimittelversorgung.

Im Rahmen unserer Reise testeten wir dieses Mal in der Apotheke eine neue datenbankgestützte Warenwirtschaftssoftware. An der Entwicklung und Anpassung dieser Software arbeitet AoG bereits seit einigen Jahren. Es ist spannend, sie nun in der Wirklichkeit zu testen! Schritt für Schritt erklären wir die Anwendung von eSMT (electronic Stock Management Tool) und prüfen sie auf ihre Tauglichkeit für die hiesigen Gegebenheiten: Es soll nun möglich sein, dass neben der Dokumentation des Lagermanagements auch Bestellungen, Inventuren, Monatsberichte und Bestellstatistiken schneller und einfacher gemacht werden können. Bisher geschah das zeitaufwändig per Hand und mit einfachen Excel-Tabellen.

Positive Entwicklungen und Rückschläge gehören beide zum Projektalltag. Das spornt uns noch mehr zu nachhaltigen und an die lokalen Gegebenheiten adaptierte Schulungen an. Wir freuen uns, dass wir den Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe helfen, gesund zu werden. So können sie ihre alltäglichen Herausforderungen wieder meistern.

Claudia Martin, ehrenamtliche Projektkoordinatorin

 

Für die Verbesserung des Gesundheitsmanagements und für viele weitere Projekte geben wir unser Bestes.

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01

IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

Vielen Herzlichen Dank!

Bildung ist die wichtigste Waffe, um die Welt zu verändern

Optimierung von zehn Gesundheitszentren und Schulung der lokalen Mitarbeiter

Education is the most powerful weapon which you can use to change the world (Nelson Mandela, 1918-2003)

Es ist noch so warm, dass ich kaum glauben kann, dass es um 19 Uhr schon dunkel ist. Das erinnert mich daran, dass in wenigen Wochen bei uns die Sommerzeit aufhört. Schade, dann kommt die Dunkelheit des Winters wieder zu uns. Die Zikaden zirpen laut. Von der Dorfkneipe höre ich laute afrikanische Musik bis hinauf in unser einfaches Zimmer in Karuguuza. Ein gutes Zeichen, dann gibt es Strom und ich kann noch meine Mails beantworten. Strom ist ein kostbares und häufig ausfallendes Gut in Uganda.

Mit meiner Kollegin Claudia Martin und Andreas Wiegand von Apotheker helfen e.V. bin ich nach Uganda gekommen – einem Hilferuf folgend. EMESCO, eine lokale Gesundheitshilfsorganisation, hat uns um Unterstützung bei der Optimierung des Arzneimitteleinkaufs, der –logistik und der –bevorratung gebeten. Sie haben mit Spenden Gesundheitszentren für die Armen im Distrikt Kibaale aufgebaut. AoG und Apotheker helfen werden dieses Projekt gemeinsam durchführen und so Erfahrungen und Stärken zusammenbringen. Die apobank Stiftung unterstützt zusätzlich das gemeinsame Projekt.

Wir sind zum ersten Mal vor Ort, um die Gegebenheiten in zehn Gesundheitszentren zu überprüfen und daraus folgend einen Projekt- und Arbeitsplan für die nächsten zwei Jahre zu erstellen. Gleichzeitig halten wir bereits die ersten Schulungen zu den Themen Lagerorganisation, richtige Anwendung von Arzneimitteln inklusive der Beratung der Patienten sowie Bestellmanagement mit vielen Rechenaufgaben, um die benötigten Mengen auszurechnen.

Claudia Martin in der Schulung:

Die Menschen hier haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Menschen, nachdem was ich hier bislang gesehen habe. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“ Wenn ich den kranken Menschen in die Augen sehe, ihre bescheidene Freude, wenn ihnen geholfen wird, dann bin ich gleich noch mehr motiviert. Drei Fälle verfolgen mich heute in den Schlaf.

Skovia, 23 J., kam heute Morgen ins Health Center. Ihr Ehemann hatte sie schwer verprügelt: Striemen am ganzen Körper, Schwellungen im Gesicht, rasende Kopfschmerzen und Schwindelanfälle machten ihr sichtbar zu schaffen. Diclofenac und eine Infusion mit Kochsalz linderten ihre Schmerzen. Die Kollegen boten ihr an, wenigstens heute Nacht hier zu bleiben, um sich von den Schlägen zu erholen. Sie nahm dankbar an. Morgen muss sie sich wieder in ihr Schicksal fügen, im Gepäck Paracetamol. Ihre vier kleinen Kinder warten schon sehnsüchtig auf sie. Das Gesundheitszentrum ist eine Oase der Zuflucht für viele Frauen – hier fühlen sie sich beschützt.

Beatrice, 30 J., trug ihre Tochter Margret, 11 J., bewusstlos auf ihren Armen ins Gesundheitszentrum. Hohes Fieber und eine Anämie ließen den Verdacht auf Malaria aufkommen. Eine Blutuntersuchung wurde sofort durchgeführt; nach den Testergebnissen wissen wir mehr.

Während Margret noch am Tropf hing, kam Teddy, 30 J. mit Hermann, knapp zwei Jahre alt. Eigentlich wollte sie ihn impfen lassen, denn einmal im Monat kommt das lokale Impfteam um nach Impfschema gegen Polio, TBC, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Masern und Haemophilus influenzae B zu immunisieren. Doch daraus wird diesmal nichts, denn Hermann keucht, schnieft, leidet unter hohem Fieber und starkem Husten. Diagnose: vereiterte Bronchitis. Er bekommt Paracetamol und zusätzlich für fünf Tage Amoxicillin.

Die meisten Patienten sind arme Bauernfamilien aus der Umgebung. Sie bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocado, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, verkaufen sie und bestreiten davon ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente reicht das nicht. Die Testergebnisse Margrets bestätigen den Verdacht – sie hat definitiv Malaria. Das heißt: Sie braucht sofort Arzneimittel für eine adäquate Therapie, sonst kann sie sterben.

Margret und ihre Mutter vor dem Health Center in Karuguuza:

Sie brauchen unsere Hilfe.

Ich sehe, wie wichtig es für die Menschen ist, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für die Behandlung vorhanden sind. Viele warten lange, bevor sie den weiten Weg zur Krankenstation auf sich nehmen und müssen dann die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen, um Hilfe zu suchen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Erkrankten mit den passenden Arzneimitteln versorgen können. Ich freue mich darauf, dass wir die Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe unterstützen können, gesund zu werden, um ihre alltäglichen Herausforderungen wieder zu meistern. Durch Ihre Unterstützung dieser Kranken in Not sehe ich der Zukunft der Menschen optimistisch entgegen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Hilfe.

Mit lieben Grüßen,

Stefanie Pügge

Apothekerin und Projektkoordinatorin der Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

IHRE SPENDE HILFT GANZ KONKRET:

Mit 49,- € testen wir 50 Patienten auf Malaria.

Mit 197,- € kann die Lungenentzündung von 100 Patienten behandelt werden.

Mit 515,- € besorgen wir einen medizinischen Kühlschrank für die sichere Medikamentenlagerung.

Mit 7.500,- € kann der Neubau eines Gesundheitszentrums unterstützt werden.

Natürlich können Sie auch Mitglied und ein fester Teil unserer Vision von einer besseren und gesünderen Zukunft für alle Menschen werden.

Die Apotheker ohne Grenzen in Uganda

Mit Apotheker Helfen e.V. haben wir in Uganda ein neues Projekt begonnen. Zusammen mit unserem lokalen Partner EMESCO Development Foundation arbeiten wir im Kibaale District an einer zuverlässigen Arzneimittelversorgung. Dafür haben unsere Projektkoordinatorinnen Stefanie Pügge und Claudia Martin mit Andreas Wiegand von Apotheker Helfen zunächst neun Gesundheitszentren besucht und erste Eindrücke der lokalen Gesundheitsversorgung gewonnen. Das vorläufige Ergebnis: Die Infrastruktur ist nur rudimentär vorhanden und Patienten müssen zu weite Wege auf sich nehmen, um behandelt zu werden und Medikamente zu bekommen. Qualitative Unterschiede im Lagermanagement sind unübersehbar. Pharmazeutisches Fachpersonal gibt es auf dieser Ebene der Gesundheitseinrichtungen leider auch noch nicht.

Uganda_Workshop_2017
Aufgrund des fehlenden pharmazeutischen Personals in nahezu allen Gesundheitseinrichtungen im Kibaale District haben wir in einem viertägigen Workshop die lokalen Mitarbeiter geschult. Organisiert und verwirklicht wurde das Training zusammen mit unseren Partnern. Themen waren unter anderem Lagermanagement, Umgang mit Stock Cards, Medikamentenbestellung, rationaler Gebrauch und Abgabe von Medikamenten, uvm. Mit interaktiven Übungen und praxisnahen Aufgaben haben wir die Teilnehmer hinsichtlich ihrer Verantwortung im lokalen Gesundheitssytem sensibilisiert. PTAs oder Apotheker gibt es hier im District nicht. Die Teilnehmer sind sehr dankbar: „Der Workshop war sehr gut und hat uns gezeigt wie wir mit einfachen Mitteln unsere tägliche Arbeit verbessern können. Leider gibt es in dieser Gegend viel zu selten die Möglichkeit Schulungen zu besuchen.“
Uganda_Workshop2_2017

Der vor Ort neu eingestellte und einzige Apotheker im Kibaale District, der ebenfalls am Training teilgenommen hat, steht den Teilnehmern auch über unseren Aufenthalt hinaus mit pharmazeutischem Fachwissen zur Seite und wird die Gesundheitseinrichtungen regelmäßig zur Supervision besuchen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Workshop auch nach unserer Abreise weiter wirkt und die Teilnehmer das dort gewonnene Wissen im harten Alltag anwenden und sich letztlich auf einem qualitativ höheren Niveau als vorher um die Gesundheit der Menschen vor Ort kümmern können. Die Teilnehmer können nun mit ihrem neu gewonnen Wissen in die Gesundheitseinrichtungen zurück und das Gelernte dort an ihre Mitarbeiter und Kollegen weitergeben. Für unsere Mitarbeiterinnen, Stefanie Pügge und Claudia Martin, geht es dagegen zurück nach Deutschland, um weiter dafür zu arbeiten, unserem Ziel ein Stück näher zu kommen: So vielen Menschen wie möglich auf der Welt zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen, indem wir nachhaltig arbeiten und die Menschen vor Ort dazu befähigen, sich professionell und effektiv um sich und andere kümmern zu können.

 

Falls Sie uns mit einer kleinen oder größeren Spende für unser Uganda-Projekt und viele andere Einsätze unterstützen wollen, können Sie das gerne hier tun.

 

Jede Hilfe zählt!