: News

Apotheker ohne Grenzen im „La-La-Land“

AoG beginnt ein neues Projekt in Nepal

© AoG-Archiv: Jochen Wenzel (links) und Dr. Ralph Bültmann mit den jüngsten Dorfbewohnern vor dem neuen Medical Store

Die AoG-Projektkoordinatoren für Nepal, Jochen Wenzel und Dr. Ralph Bültmann, sind nach einer erfolgreichen Projektreise zurück in Deutschland. Sie berichten von der Reise:

Wer jetzt an den Oscar prämierten Film mit Emma Stone und Ryan Gosling denkt, der irrt. „La-La“ sagen die Nepalesen besonders gerne am Telefon, es heißt so viel wie „ja ja“, und da sie ihr Telefon permanent benutzen, hört man unentwegt „La-La“.  Anstelle einer unerfüllten Liebesgeschichte aus dem Film, realisieren die Apotheker ohne Grenzen einen Lebenstraum von mehreren Tausend Dorfbewohnern im Himalaya.

Nach einem 16-stundigen Jeeptrip aus Kathmandu hatten wir es endlich geschafft. Müde und zugleich voller Vorfreude und Erwartungen kamen wir in unserem Zielort in Basa im Solukhombu Distrikt an, die gleiche Region in der auch der Mount Everest gelegen ist. AoG engagiert sich mittlerweile seit fast zehn Jahren in Nepal. In unserem neuen Projekt bauen wir gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation Basa Foundation ein Arzneimittellager auf, das von unserer nepalesischen Health Assistant Alisa geleitet wird. Sie wird einfache Untersuchungen und Behandlungen durchführen und die Patienten mit den notwendigen Arzneimitteln versorgen.

Unser erster Weg führte uns dann auch direkt zum neuen Medical Store, wo wir von den Dorfbewohnern mit einem fröhlichen „Namaste“ aufs herzlichste begrüßt und empfangen wurden.

© AoG-Archiv: Der Medical Store wird Beratung und Medikamente für Groß und Klein bereithalten – das ist ein Anlass zum Feiern

„Die Leute konnten es nicht glauben, dass hier in unserem Dorf ein Medical Store errichtet wird. Davon haben sie schon immer geträumt!“ erzählt uns Buddi Rai, ein Mitglied der Basa Foundation. „Die Leute sind so glücklich, dass Vertreter von AoG extra aus Deutschland hergekommen sind, um ihnen zu helfen! Nun müssen sie nicht mehr ins weit entfernte Salleri laufen, wenn sie erkrankt sind!“ berichtet er weiter. Nach Salleri benötigt man 10 Stunden zu Fuß, wie wir selbst erfahren durften, wenn man gesund ist! Nur wenige Bewohner des Dorfes haben in der Vergangenheit diesen beschwerlichen Weg auf sich genommen.

Während unseres Aufenthalts in Basa führten wir eine intensive Schulung mit unserer Health Assistant durch, in der wir ihr die Vorteile einer gründlichen Lagerhaltung nahebrachten. Dazu gehören exakte Bestandslisten der einzelnen Arzneimittel sowie eine regelmäßige Inventur und rechtzeitige Bestellung der notwendigen Arzneimittel. Ebenso trafen wir uns mit dem Leiter des nahegelegenen Health Posts, der mit Hilfe seiner großen Erfahrung eine Liste aller notwendigen Arznei- und Hilfsmittel für uns anfertigte, die zukünftig im Medical Store vorrätig sein werden. Für uns eine riesengroße Unterstützung, denn er kennt die vorherrschenden Krankheiten und die gängigen Arzneimittel am besten!

An einem Abend während unseres Aufenthalts gab es noch eine ganz besondere Überraschung für uns. Extra zu Ehren des neuen AoG-Basa-Projekts wurde ein Büffel geschlachtet, der im Rahmen einer großen Feier von der Dorfgemeinschaft verspeist wurde. Hier entdeckten wir dann doch noch eine Parallele zum bereits erwähnten Hollywoodstreifen, denn an diesem Abend wurde lange und intensiv gesungen und getanzt.

Dies zeigte uns erneut, dass die Menschen in Basa große Erwartungen in den Medical Store setzen. “Viele Kinder sterben in Basa und viele Menschen sterben viel zu jung, darum ist der Medical Store eine große Hoffnung für die Zukunft von Basa!“ sagte uns Buddhi Rai im Vertrauen. Insgesamt wird die Arzneimittelversorgung durch den Medical Store die Lebensqualität der Bewohner von Basa deutlich und nachhaltig verbessern. Wir als Projektkoordinatoren freuen uns darüber, dass wir unseren Teil dazu beitragen dürfen.

Bitte helfen auch Sie!

Wir freuen uns über eine Spende für unsere Arbeit in Nepal und für viele weitere Projekte.

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01

IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

Vielen Herzlichen Dank!

Buenos Aires – Argentinien

Das süße Mädchen und der faule Zahn - Protokoll von Dr. Carina Vetye

Bei ihren Rundgängen im Slum entdeckt Dr. Vetye stets neue zukünftige Patienten

 

Ich weiß nicht, ob Sie das auch kennen? Auf meinem Weg zur Arbeit in die Slum-Apotheke in Buenos Aires der Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) komme ich oft ins Grübeln: Wie viele hundert Male bin ich diesen Weg schon gegangen? Wie oft in Sorge, ob angesichts der Umstände hier – Inflation und Arbeitslosigkeit, die unschuldige Menschen in die Armut treiben – wir die Apotheke für die ärmsten Kranken noch halten können? Ob wir genug finanzielle Mittel haben, die benötigten Medikamente zu kaufen? Was, wenn nicht? Was passiert dann mit den Menschen? Doch wenn ich den Eingang des Gesundheitszentrums von fern erkenne, freue ich mich auf die Patienten und die Arbeit und die bedrückenden Gedanken verschwinden erstmal wieder.

Buenos Aires,  Villa Zagala, Slum, Gesundheitszentrum, Apotheker ohne Grenzen

Elisa traut sich nicht zu lächeln; sie schämt sich ob ihrer schlechten Zähne

 

Im Wartezimmer treffe ich auf Elisa, eine aufgeweckte Fünfjährige. Ihre Eltern sind sogenannte  Cartoneros. So romantisch sich der Begriff anhört, so wenig hat er mit Romantik zu tun. Cartoneros suchen im Abfall nach noch verkaufbaren Dingen. Ein sehr hartes Los. Ramón, Elisas Vater, geht morgens schon sehr früh los. Der Weg zur öffentlichen Müllhalde ist weit. Sein kleiner Pferdewagen ist alles, was er hat. Er passt sehr darauf auf, denn früher hat er alles per Handkarren durch die Gegend gezogen. Ich habe mich über sein Lauftempo gewundert: Er lief – trotz der enorm schweren Last – schneller als ich. Nun zieht er jeden Tag mit dem Pferdchen los, ist ständig auf der Suche nach Metall, Papier, Plastik, Pappe oder Glas.

AoG-Buenos_Aires-2048

Das Gespann ist Ramón und Enriques ganzer Stolz

 

Man muss die Preise kennen, was der Wiederaufkäufer gerade wofür zahlt und dann versuchen genau das zu sammeln. Täglich stundenlang in diesem unfassbaren Gestank und Dreck zu wühlen, ist nicht gesund. Und wenn ich täglich sage, meine ich täglich. Ramón kennt keine Wochenenden. Auch samstags und sonntags zieht er los. Jeden Tag muss er dann das gesammelte Material noch sortieren und es schnell zum Zwischenhändler bringen, sonst hat seine Familie nichts zu essen. Und er hat keine Wahl: Ganz ohne Ausbildung kann er damit wenigstens seine Familie einigermaßen durchbringen. Seine Schulbildung hat die wirtschaftliche Krise von 2001 vermasselt. Damals brach er in der 4. Klasse ab, um seinem Vater zu helfen … beim Müllrecycling.

Elisa ist über den Kindergarten in unser Zahnprophylaxe-Programm gekommen. Ich habe die Kleine vor fast zwei Jahren im Viertel kennengelernt. Sie traute sich nicht zu lächeln. Auf vorsichtige Nachfrage offenbarte mir sie den Grund. Sie hat ganz braune Milchzähne und schämt sich deswegen. Wir haben mit der Mutter gesprochen und mit ihrer Kindergärtnerin, damit die Kleine dort aufgenommen wird. So kam Elisa in unser Zahnprophylaxe-Programm, das mittlerweile schon seit 2008 läuft. Warum ich mich als Apothekerin um Zähne kümmere? Nun, die Problematik – Kleinkinder mit nahezu zerstörten Milchzähnen – ist im Slum weit verbreitet.

Dr. Vetye und die Zahnärztin Laura Cabrera bringen den Kindern das Zähneputzen bei

 

Die erste Bestandsaufnahme in einem der Kindergärten zeigte uns vor 10 Jahre wie sehr die Kinder betroffen sind: 108 vier- oder fünfjährige Kinder hatten damals insgesamt 655 Karies! Die Hälfte der Kleinsten wies schon acht oder mehr kaputte Zähne auf. Mit all dem, was das für sie bedeutet: Schmerzen und noch mehr Schmerzen, Infektionen, Fehltage, nichts essen können vor lauter Zahnweh. Da kann ich nicht nur Medikamente abgeben, da musste ich mehr tun!

Mittlerweile nimmt Elisa Zahnhygiene sehr ernst: Sie hat gesehen, dass bei den größeren Kindern neue Zähne kommen und jetzt sollen ihre nächsten weiß, schön und gesund bleiben.

Warum die Kinder so schlechte Zähne haben? Das hat mehrere Gründe: Ihre Eltern haben häufig nur wenige Jahre Schulbildung und im argentinischen System gehört Hygiene und Ernährung nicht zum Stundenplan. Zahnärzte sind für die Armen finanziell unerreichbar und sie ziehen meistens nur die Zähne. Die Eltern wissen und erfahren daher nichts vom Zähneputzen. Auch ist die ungesunde Ernährung extrem kariesfördernd. Die Armen können sich aber nur das billigste Essen leisten und das ist extrem süß. Ich kenne Kinder, die mit süßen Teilchen und Zuckerlimonade ernährt werden. Wir haben vor einiger Zeit unter den 8-12jährigen Kindern eine Umfrage gemacht: Was esst ihr den ganzen Tag? Das Ergebnis stimmte mich sehr traurig: In der Hauptsache Süßes und Fettes, falls überhaupt. Wir hatten sogar Kinder dabei, die den ganzen Tag außer in der Schule gar nichts zu essen bekommen. Tiago, 10 Jahre, war ein solcher Kandidat: Frühstück – nichts, Mittagessen – Nudeln mit Tomatensoße (das Schulessen), Abendessen – nichts. Deshalb bieten wir seit einiger Zeit Schulungen für die Mütter an: Gesunde Ernährung auch mit wenig Geld. Doch dazu brauchen wir viel Geduld. Doch erste Ergebnisse, wenn die Kinder zur jährlichen Untersuchung kommen und ich sehe, dass es ihnen besser geht, motivieren uns enorm.

Das Zahnprophylaxe-Programm der AoG in Kindergärten trägt bereits Früchte: Die Zähnchen der Kleinen sind blendend weiß und sauber!

 

 

Zu nah am Gehirn

Manuela, Elisas Mutter, sagt mir, dass sie wegen Elisas etwas älterem Bruder Enrique hier sind, der apathisch neben ihr sitzt: Er hat wahnsinnige Zahnschmerzen! Für ihn wird schnell ein Antibiotikum benötigt, das in der AoG-Apotheke auch vorrätig ist, denn Enrique hat einen üblen Kieferabszess – sehr nah am Gehirn, gefährlich. Nur dank AoG sind ausreichend Arzneimittel und Ärzte da. Auf Rezept gebe ich der Mutter das Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Vor der Zahnbehandlung muss erstmal Enriques Zustand besser werden. Morgen hat er dann einen Termin bei der Zahnärztin. In Kürze kann er wieder in die Schule gehen. Gut, dass wir da sind! Seine Eltern unternehmen alles nur Menschenmögliche, damit ihre Kinder später eine bessere Arbeit finden, da sollten wir sie nicht im Stich lassen! Und Enrique dürfte daraus gelernt haben: Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft seine Zähne besser putzen wird.

Romina braucht dringend die Medikamente der Apotheker ohne Grenzen

 

Als nächstes schiebt sich quietschend der alte Rollstuhl von Romina, 42 Jahre, vor mein vergittertes Ausgabefenster. Romina ist Diabetikerin Typ II. Die Diagnose bekam sie mit 28, ihr Blutzucker dürfte schon sehr lange zu hoch gewesen sein. Da sie wusste, dass städtische Gesundheitszentren in Slums die benötigten Medikamente so gut wie nie haben, fing sie gar nicht erst mit der Therapie an. Für die Armen gibt es ja nichts, dachte sie, wie die meisten Menschen der Slums. Und selbst bezahlen – wovon? Kürzlich erst hat sie erfahren, dass wir alle notwendigen Medikamente – dank AoG! – immer vorrätig haben, jetzt kommt sie regelmäßig. Nur leider Jahre zu spät für ihren Fuß: Zwei Zehen mussten vor kurzem amputiert werden, doch die Infektion konnte noch nicht gestoppt werden. In der AoG-Apotheke bekommt sie nun zuverlässig ihr Insulin und weitere Arzneimittel, insbesondere das für sie lebenswichtige Antibiotikum – damit sie nicht auch noch ihren Fuß verliert. Ich schaue in das traurige Gesicht dieser Frau und wünsche, dass wir noch lange die Mittel haben, um für diese Menschen da zu sein, damit sie ihre Behandlungen immer rechtzeitig bekommen. Es ist so ungerecht.

Der Zustand des argentinischen Gesundheitssystems ist eine Katastrophe. Doch leider keine, die schnell wieder vorbei ist. Zeitweise fehlt die Hälfte der essentiellen Arzneimittel, arme Patienten werden in städtischen Gesundheitszentren abgewimmelt, auch weil kein Personal da ist. Romina hätte das fast mit dem Leben bezahlt, sie war einer Blutvergiftung nahe. Auch für Enrique hätte es gefährlich werden können. Hier zählt der lange Atem und der Wille zur Hilfe für diese unschuldigen, armen Kranken. Mit den Spenden von AoG werden Gesundheitsmitarbeiter und Arzneimittel finanziert. Vertrauensvoll wenden sich die Menschen an uns. Ich bzw. AoG möchte für sie da sein.

Bitte helfen Sie uns und wir geben Ihre Hilfe weiter!

Wir freuen uns über eine Spende für unsere Arbeit in Argentinien und viele weitere Projekte.

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01

IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

Vielen Herzlichen Dank!

AoG im Nothilfeeinsatz in der Karibik

Die Apotheker ohne Grenzen beenden den Einsatz im Hurrikan-Katastrophengebiet

Im September 2017 zogen drei gefährliche Hurrikans, Irma, Maria und José, mit Windgeschwindigkeiten bis zu 260 Km/Stunde über die Karibik hinweg und hinterließen nahezu komplett zerstörte Inseln.

Die Pan American Health Organisation (PAHO) benötigte im Bereich Pharmazie zusätzliche Hilfe. Die Apotheker ohne Grenzen (AoG) wurden von der amerikanischen, medizinischen Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) gebeten, im unabhängigen Inselstaat Dominica die pharmazeutische Versorgung zu übernehmen.

Laut UN OCHA, der Koordinierungsstelle für humanitäre Hilfe, waren fast alle 72.000 Bewohner auf Hilfe in allen Bereichen angewiesen; sie leben in der Hauptsache vom Tourismus und der Landwirtschaft – beide Bereiche werden viele Jahre und zusätzliche Unterstützung benötigen, um sich von den Schäden zu erholen.

Ab dem 09.10. war das erste Einsatzteam, bestehend aus Yasmin Thabet und Bettina Rüdy, unterwegs. Am 11.10 kamen Sie in Roseau, der Hauptstadt Dominicas an. Bei Ihrer Ankunft in der Hauptstadt Roseau stellten die Apothekerinnen schwere Schäden auch in der Zentralapotheke fest: „Der Lagerraum mit den Medizinprodukten wurde sehr stark beschädigt. Das Dach ist weggeflogen und der Raum wurde überschwemmt. Wir haben viele alte Medizinproduktspenden gefunden, oft bereits abgelaufen oder jetzt durch das Wasser unbrauchbar.

Die beiden waren in allen Teilen der Insel unterwegs, um dort Gesundheitsposten und Krankenhäuser zu besuchen und die Lage sowie die pharmazeutische Versorgungssituation zu evaluieren.  Yasmin Thabet berichtet: „In La Plaine wohnen circa  4.000 Einwohner, es gibt dort nur einen Apotheker, der 24 Stunden Rufbereitschaft machen muss. Sein Lager wurde zerstört und er fährt und wandert (!) mit einem Koffer, darin die verbliebenen Medikamente, von Dorf zu Dorf.

Nach Bettina Rüdy war Maruschka Hofer, PTA aus Hamburg, bis zum 8. November vor Ort. Sie unterstützte Yasmin Thabet bis zu ihrer Abreise, arbeitete alleine weiter und nahm dann Anfang November das letzte AoG-Team in Empfang: Apothekerin Barbara Weinmüller aus München und PTA Simone Harries aus Biessenhofen haben bis zum 18. November weiterhin die lokalen pharmazeutischen Strukturen unterstützt und wichtige Themen übernommen: Neben der Verteilung der Ressourcen und dem bedarfsgerechten Einkauf, um Lücken in der Arzneimittelversorgung zu schließen, standen vor allem die Inventarisierungen während des Einsatzes im Vordergrund. Die akribische Arbeit aller ehrenamtlich tätigen Kolleginnen hat Erfolg gezeitigt: Größere Fehlbestellungen – wegen vor Ort mangelnder Fachkenntnisse oder aufgrund nicht inventarisierter Bestände – konnten verhindert werden. Das pharmazeutische Wissen und Know-How der AoG Einsatzkräfte hat es ermöglicht, dass die richtigen Arzneimittel in der richtigen Menge für die Bedürftigen vorhanden und nachbestellt werden konnten.

Eliette Fischbach, Geschäftsführerin der AoG, zum Hilfseinsatz: „Sehr viele Menschen litten unter den Hurrikan-Folgen und benötigten dringend Hilfe, auch nachdem die deutschen Medien nicht mehr von den Schäden der Hurrikans berichtet haben. Die Kompetenz unserer Einsatzkräfte in Haiti im vergangenen Jahr, hat IMC zu dieser Anfrage geführt. Auch dieses Mal konnten die Apotheker ohne Grenzen vor Ort viel bewegen.

Nach der Nothilfe ist vor der Nothilfe – Wir bereiten durch unsere Schulungen unsere Einsatzkräfte weiter aus und bleiben in engem Austausch mit Partnerorganisationen. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung:

Bitte helfen auch Sie mit einer Spende oder werden Sie Mitglied!

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. 

Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01

IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

Vielen Herzlichen Dank!

Photografien: © Ken Cedeno 2017

Bildung ist die wichtigste Waffe, um die Welt zu verändern

Optimierung von zehn Gesundheitszentren und Schulung der lokalen Mitarbeiter

Education is the most powerful weapon which you can use to change the world (Nelson Mandela, 1918-2003)

Es ist noch so warm, dass ich kaum glauben kann, dass es um 19 Uhr schon dunkel ist. Das erinnert mich daran, dass in wenigen Wochen bei uns die Sommerzeit aufhört. Schade, dann kommt die Dunkelheit des Winters wieder zu uns. Die Zikaden zirpen laut. Von der Dorfkneipe höre ich laute afrikanische Musik bis hinauf in unser einfaches Zimmer in Karuguuza. Ein gutes Zeichen, dann gibt es Strom und ich kann noch meine Mails beantworten. Strom ist ein kostbares und häufig ausfallendes Gut in Uganda.

Mit meiner Kollegin Claudia Martin und Andreas Wiegand von Apotheker helfen e.V. bin ich nach Uganda gekommen – einem Hilferuf folgend. EMESCO, eine lokale Gesundheitshilfsorganisation, hat uns um Unterstützung bei der Optimierung des Arzneimitteleinkaufs, der –logistik und der –bevorratung gebeten. Sie haben mit Spenden Gesundheitszentren für die Armen im Distrikt Kibaale aufgebaut. AoG und Apotheker helfen werden dieses Projekt gemeinsam durchführen und so Erfahrungen und Stärken zusammenbringen. Die apobank Stiftung unterstützt zusätzlich das gemeinsame Projekt.

Wir sind zum ersten Mal vor Ort, um die Gegebenheiten in zehn Gesundheitszentren zu überprüfen und daraus folgend einen Projekt- und Arbeitsplan für die nächsten zwei Jahre zu erstellen. Gleichzeitig halten wir bereits die ersten Schulungen zu den Themen Lagerorganisation, richtige Anwendung von Arzneimitteln inklusive der Beratung der Patienten sowie Bestellmanagement mit vielen Rechenaufgaben, um die benötigten Mengen auszurechnen.

Claudia Martin in der Schulung:

Die Menschen hier haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Menschen, nachdem was ich hier bislang gesehen habe. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“ Wenn ich den kranken Menschen in die Augen sehe, ihre bescheidene Freude, wenn ihnen geholfen wird, dann bin ich gleich noch mehr motiviert. Drei Fälle verfolgen mich heute in den Schlaf.

Skovia, 23 J., kam heute Morgen ins Health Center. Ihr Ehemann hatte sie schwer verprügelt: Striemen am ganzen Körper, Schwellungen im Gesicht, rasende Kopfschmerzen und Schwindelanfälle machten ihr sichtbar zu schaffen. Diclofenac und eine Infusion mit Kochsalz linderten ihre Schmerzen. Die Kollegen boten ihr an, wenigstens heute Nacht hier zu bleiben, um sich von den Schlägen zu erholen. Sie nahm dankbar an. Morgen muss sie sich wieder in ihr Schicksal fügen, im Gepäck Paracetamol. Ihre vier kleinen Kinder warten schon sehnsüchtig auf sie. Das Gesundheitszentrum ist eine Oase der Zuflucht für viele Frauen – hier fühlen sie sich beschützt.

Beatrice, 30 J., trug ihre Tochter Margret, 11 J., bewusstlos auf ihren Armen ins Gesundheitszentrum. Hohes Fieber und eine Anämie ließen den Verdacht auf Malaria aufkommen. Eine Blutuntersuchung wurde sofort durchgeführt; nach den Testergebnissen wissen wir mehr.

Während Margret noch am Tropf hing, kam Teddy, 30 J. mit Hermann, knapp zwei Jahre alt. Eigentlich wollte sie ihn impfen lassen, denn einmal im Monat kommt das lokale Impfteam um nach Impfschema gegen Polio, TBC, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Masern und Haemophilus influenzae B zu immunisieren. Doch daraus wird diesmal nichts, denn Hermann keucht, schnieft, leidet unter hohem Fieber und starkem Husten. Diagnose: vereiterte Bronchitis. Er bekommt Paracetamol und zusätzlich für fünf Tage Amoxicillin.

Die meisten Patienten sind arme Bauernfamilien aus der Umgebung. Sie bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocado, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, verkaufen sie und bestreiten davon ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente reicht das nicht. Die Testergebnisse Margrets bestätigen den Verdacht – sie hat definitiv Malaria. Das heißt: Sie braucht sofort Arzneimittel für eine adäquate Therapie, sonst kann sie sterben.

Margret und ihre Mutter vor dem Health Center in Karuguuza:

Sie brauchen unsere Hilfe.

Ich sehe, wie wichtig es für die Menschen ist, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für die Behandlung vorhanden sind. Viele warten lange, bevor sie den weiten Weg zur Krankenstation auf sich nehmen und müssen dann die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen, um Hilfe zu suchen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Erkrankten mit den passenden Arzneimitteln versorgen können. Ich freue mich darauf, dass wir die Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe unterstützen können, gesund zu werden, um ihre alltäglichen Herausforderungen wieder zu meistern. Durch Ihre Unterstützung dieser Kranken in Not sehe ich der Zukunft der Menschen optimistisch entgegen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Hilfe.

Mit lieben Grüßen,

Stefanie Pügge

Apothekerin und Projektkoordinatorin der Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

IHRE SPENDE HILFT GANZ KONKRET:

Mit 49,- € testen wir 50 Patienten auf Malaria.

Mit 197,- € kann die Lungenentzündung von 100 Patienten behandelt werden.

Mit 515,- € besorgen wir einen medizinischen Kühlschrank für die sichere Medikamentenlagerung.

Mit 7.500,- € kann der Neubau eines Gesundheitszentrums unterstützt werden.

Natürlich können Sie auch Mitglied und ein fester Teil unserer Vision von einer besseren und gesünderen Zukunft für alle Menschen werden.

Arzneimittel müssen sicher sein!

In den vergangenen Tagen und Wochen sind Arzneimittelfälschungen und der falsche, resistenzfördernde Einsatz von Antibiotika vermehrt ein Thema in den öffentlichen Medien.

Als pharmazeutische Hilfsorganisation sind die Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) in vielen Projekten für die Belieferung mit Arzneimitteln verantwortlich, ebenso für deren Qualität. Für die Not- und Entwicklungshilfe bezieht AoG Medikamente aus bekannten Quellen. Die entsprechenden Lieferanten werden von Fachpersonal sorgsam ausgewählt, vor Ort besucht und die Qualität bezogener Chargen regelmäßig in Deutschland kontrolliert.

Apotheker ohne Grenzen, AoG,  Training: "Improving Pharmaceutical Management" veranstaltet von AMREF und Apotheker ohne Grenzen
von 13.-15.07.2015
Teilnehmer besuchen das Sub County Hospital in Kitangela, Besuch der Krankenhausapotheke.

Zudem sind die Apotheker ohne Grenzen konsequent im Einsatz, um die nicht rationale Verwendung von Antibiotika zu verhindern. So konnte z.B. die ungezielte und überflüssige Abgabe von Amoxicillin-Tabletten in einem Gesundheitszentrum in einem Slum von Buenos Aires durch Einsatz pharmazeutischen Personals um 90% gesenkt werden. Für diese Leistung wurde 2011 der 1. Preis auf dem argentinischen Apothekerkongress vergeben. In Nepal läuft seit längerem das AoG-Projekt „Standard Treatment Protocol“, das einheimische Apotheker und Gesundheitspersonal zum fachgerechten Einsatz von Medikamenten schult. Des Weiteren unterstützt AoG in Indien eine Studie zum „Rational Use of Antibiotics“, um der unbedachten und gefährlichen Abgabepraxis von Antibiotika vor Ort entgegen zu wirken. Nur durch den korrekten Einsatz dieser Medikamente kann die weltweite Zunahme von resistenten Keimen verhindert werden.

Das Handlungsmotto der Apotheker ohne Grenzen lautet: Die richtigen Arzneimittel, in richtiger Qualität und richtiger Menge, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, richtig an die Patienten abgegeben.

Keine Zwei-Klassen-Pharmazie, sondern gute pharmazeutische Arbeit für alle Menschen – weltweit.

Bitte helfen auch Sie!

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ:     300 606 01

IBAN:   DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC:      DAAEDEDDXXX

Die Apotheker ohne Grenzen in Uganda

Mit Apotheker Helfen e.V. haben wir in Uganda ein neues Projekt begonnen. Zusammen mit unserem lokalen Partner EMESCO Development Foundation arbeiten wir im Kibaale District an einer zuverlässigen Arzneimittelversorgung. Dafür haben unsere Projektkoordinatorinnen Stefanie Pügge und Claudia Martin mit Andreas Wiegand von Apotheker Helfen zunächst neun Gesundheitszentren besucht und erste Eindrücke der lokalen Gesundheitsversorgung gewonnen. Das vorläufige Ergebnis: Die Infrastruktur ist nur rudimentär vorhanden und Patienten müssen zu weite Wege auf sich nehmen, um behandelt zu werden und Medikamente zu bekommen. Qualitative Unterschiede im Lagermanagement sind unübersehbar. Pharmazeutisches Fachpersonal gibt es auf dieser Ebene der Gesundheitseinrichtungen leider auch noch nicht.

Uganda_Workshop_2017
Aufgrund des fehlenden pharmazeutischen Personals in nahezu allen Gesundheitseinrichtungen im Kibaale District haben wir in einem viertägigen Workshop die lokalen Mitarbeiter geschult. Organisiert und verwirklicht wurde das Training zusammen mit unseren Partnern. Themen waren unter anderem Lagermanagement, Umgang mit Stock Cards, Medikamentenbestellung, rationaler Gebrauch und Abgabe von Medikamenten, uvm. Mit interaktiven Übungen und praxisnahen Aufgaben haben wir die Teilnehmer hinsichtlich ihrer Verantwortung im lokalen Gesundheitssytem sensibilisiert. PTAs oder Apotheker gibt es hier im District nicht. Die Teilnehmer sind sehr dankbar: „Der Workshop war sehr gut und hat uns gezeigt wie wir mit einfachen Mitteln unsere tägliche Arbeit verbessern können. Leider gibt es in dieser Gegend viel zu selten die Möglichkeit Schulungen zu besuchen.“
Uganda_Workshop2_2017

Der vor Ort neu eingestellte und einzige Apotheker im Kibaale District, der ebenfalls am Training teilgenommen hat, steht den Teilnehmern auch über unseren Aufenthalt hinaus mit pharmazeutischem Fachwissen zur Seite und wird die Gesundheitseinrichtungen regelmäßig zur Supervision besuchen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Workshop auch nach unserer Abreise weiter wirkt und die Teilnehmer das dort gewonnene Wissen im harten Alltag anwenden und sich letztlich auf einem qualitativ höheren Niveau als vorher um die Gesundheit der Menschen vor Ort kümmern können. Die Teilnehmer können nun mit ihrem neu gewonnen Wissen in die Gesundheitseinrichtungen zurück und das Gelernte dort an ihre Mitarbeiter und Kollegen weitergeben. Für unsere Mitarbeiterinnen, Stefanie Pügge und Claudia Martin, geht es dagegen zurück nach Deutschland, um weiter dafür zu arbeiten, unserem Ziel ein Stück näher zu kommen: So vielen Menschen wie möglich auf der Welt zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen, indem wir nachhaltig arbeiten und die Menschen vor Ort dazu befähigen, sich professionell und effektiv um sich und andere kümmern zu können.

 

Falls Sie uns mit einer kleinen oder größeren Spende für unser Uganda-Projekt und viele andere Einsätze unterstützen wollen, können Sie das gerne hier tun.

 

Jede Hilfe zählt!

Terrorgefahr: Apotheker ohne Grenzen müssen Philippinen verlassen

Terrorgefahr: Apotheker ohne Grenzen müssen Philippinen verlassen

Der deutsche Botschafter auf den Philippinen hat Hilfsorganisationen mit Nachdruck gebeten, ihre deutschen Mitarbeiter wegen akuter Terrorgefahr aus Mindanao abzuziehen. Es heißt, es lägen Hinweise vor, dass Ausländer derzeit sehr gefährdet seien und im Fokus von Terrororganisation, wie dem IS-Ableger Abu Sayyaff stünden. Da gerade Friedensgespräche mit Präsident Duterte gescheitert seien, werden auch Unruhen seitens kommunistischer Rebellen befürchtet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Apotheker ohne Grenzen (AoG), die sich derzeit vor Ort befinden, Nhomsai Hagen aus Ingelfingen und Ulrike Niehle aus Greifswald, haben die zweitgrößte Insel der Philippinen am vergangenen Wochenende bereits verlassen.

AoG ist Partnerorganisation der German Doctors, die neben einer Zentralapotheke und einer Ambulanz in Cagayan de Oro, zwei Kliniken in Valencia und Buda betreiben, sowie mobile Kliniken und Apotheken in verschiedenen Regionen organisieren.

Ob und wie die Einrichtungen ohne Unterstützung deutscher Einsatzkräfte weiter bestehen bleiben können, wird in den nächsten Wochen geklärt.

Besorgt äußert sich AoG-Geschäftsführerin Eliette Fischbach: „Vor allen Dingen haben die kranken Menschen in Not einen großen Schaden durch diese Situation. Nhomsai Hagen sollte Kollegin Niehle ablösen und vor Ort in den nächsten drei Monaten die Arbeit in den Apotheken unterstützen und das lokale Personal schulen. Doch wir können unsere Leute nicht gefährden.“

Bitte helfen auch Sie!

Spendenkonto: 0005077591
Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank
BLZ: 300 606 01
IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91
BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

AoG-Phip auf dem dritten Platz in Bonn

Anita Petric, bis NOV’16 Pharmazeutin im Praktikum bei Apotheker ohne Grenzen, hat den dritten Platz beim Nachwuchspreis 2016 des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. belegt, der im Rahmen des 9. Zukunftskongresses öffentlicher Apotheken am vergangenen Samstag in Bonn verliehen wurde. Sie teilt sich den Preis mit Maria Anna Deters, Düsseldorf.

Anita Petric über ihre und unsere Arbeit in Haiti:

Laudator Daniel Rücker, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung, hob die Arbeit von Anita Petric im Rahmen des AoG-Nothilfeeinsatzes in Haiti im vergangenen Herbst hervor und würdigte ihre Leistung mit folgenden Worten: „Ihr herausragendes Engagement wurde auch deshalb ausgezeichnet, weil insbesondere die Hilfe notleidender Menschen sehr eng mit der grundsätzlichen Gemeinwohlverpflichtung verknüpft ist, die das Berufsbild des Apothekers maßgeblich kennzeichnet. Das ausgezeichnete Projekt macht noch weiter deutlich, dass Apothekerinnen und Apotheker über eigene Hilfsorganisationen wie Apotheker ohne Grenzen (…) verfügen, die in Krisen- und Katastrophengebieten zur Stelle sind und einen entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung einer lebensnotwendigen Arzneimittelversorgung leisten.“

Anita Petric, die hofft, mit dem Preis noch mehr ApothekerInnen/PTA zur Arbeit für den gemeinnützigen Verein motivieren zu können, freut sich sehr über die Auszeichnung: „Ich bin sehr dankbar, dass ich bei Apotheker ohne Grenzen die Möglichkeit hatte, meine Intention Menschen in Not zu helfen so direkt umsetzen konnte.“

Anita Petric, ehemalige Pharmazeutin im Praktikum bei Apotheker ohne Grenzen und stolze Preisträgerin des Nachwuchspreises 2016 des Apothekerverbandes Nordrhein e.V.:

Kampf gegen Malaria

Laura Bleicher im Einsatz

„Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ (John Ruskin, Sozialphilosoph)

Der tansanaische Abend war schon vier Stunden alt. Die Luft roch würzig. Nach dem kurzen, heftigen Regenguss dampfte die rote Erde. Nur das Zirpen der Grillen und ungewohnte Geräusche von unbekannten Tieren aus dem Busch waren zu hören, als heftiges Klopfen an meiner Zimmertür die Idylle durchbrach, die ich kurz vor dem Schlafengehen noch genießen wollte.

Bruder Lucius bat entschuldigend um meine Hilfe. Ein schwerer Fall sei gerade angekommen. Wir eilten durch die kaum erleuchteten Flure der Benedektinerabtei. Er berichtete, dass der kleine Junge unter akuten, schweren Krämpfen, hohem Fieber und Schüttelfrost leidet. Im Behandlungsraum des Gesundheitszentrums wartet schon Mercy M.* (47 J.) mit ihrem Sohn Emanuel (4 J.). Eine Injektion mit Diazepam linderte schnell seine Krämpfe. Doch die genaue Diagnose konnten wir erst am nächsten Morgen stellen: Malaria!

Zwei Kilometer war Mercy durch die Dunkelheit marschiert – mit ihrem kranken Kind auf dem Arm. Schon vor Jahren hat ihr Mann sie verlassen. Alleinerziehend mit sechs Kindern – ein schweres Los in Tansania. Ihr einziges Glück: Ein Stück Land gehört ihr, auf dem sie u.a. Mais anbaut. Das reicht – mal mehr, mal weniger – zum Überleben. Doch ihr Jüngster, Emanuel, verschlimmerte ihr Schicksal: Er wurde mit einem Wasserkopf geboren. Vor einem Jahr wurde er operiert, um etwas Wasser aus seinem Schädel abzuleiten. Mercy liebt all ihre Kinder, doch am schwer kranken Nesthäckchen hängt sie ganz besonders: „Ohne das Gesundheitszentrum und Apotheker ohne Grenzen wüsste ich nicht, wie ich es schaffen sollte. Ich danke Ihnen!“

Emanuel erhielt Chinin als Infusion (nach jeweils 8 Std. eine Erhaltungsdosis), um die schweren Malaria-Symptome zu lindern. 48 Stunden später konnte er entlassen werden. Für zuhause gab ich seiner Mutter Chinin-Tabletten (alle 8 Std.), zusätzlich Paracetamol-Saft, dreimal täglich, bis das Fieber gesunken ist.

Malaria ist in dieser Region weit verbreitet. Auch Kinder sind gefährdet, da ihr Immunsystem noch keine partielle Immunität besitzt. Wird sie nicht behandelt, endet sie oft tödlich. Tansania gehört zu den Ländern mit der höchsten Sterberate bei Kindern unter 5 Jahren. Seit 2007 unterstützt AoG die Apotheke des Gesundheitszentrums in Hanga/Tansania. AoG finanziert die Arzneimittel und hilft mit ehrenamtlichen Einsatzkräften. Deshalb bin ich schon zum zweiten Mal ehrenamtlich vor Ort, weil ich persönlich sehe, wie wichtig unsere Unterstützung für diese Menschen ist. Das 10jährige Projekt-Jubiläum ist für mich ein gutes Beispiel für unsere langfristige Entwicklungszusammenarbeit: Aus einem kleinen Gesundheitsposten wurde ein Gesundheitszentrum mit OP und angeschlossener Apotheke.

Bitte helfen Sie, dass wir dieses Projekt auch 2017 weiterführen können! Mit einer Spende, einer Mitgliedschaft oder auch direkter Hilfe in den Regionalgruppen können Sie mit uns sicherstellen, dass die Kinder in Tansania auch in Zukunft vor Malaria und anderen Krankheiten geschützt sind.

Herzlichen Dank

Ihre Laura Bleicher

Apothekerin aus Berlin und ehrenamtliche Einsatzkraft für Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Gesunde Kinder – Glückliche Eltern

Schwüle Hitze drückt auf den Kreislauf. Die kleinen Körper sind überzogen von Knötchen, Bläschen, Schuppen und Krusten. „Nicht kratzen!“, überschlägt sich die Stimme von Mutter Somalitha*. Seit gut drei Wochen quält eine unbekannte Krankheit ihre Zwillinge. Die nässenden Wunden heilen bei der hohen Luftfeuchtigkeit einfach nicht ab. Trotz Konsultation des lokalen Schamanen. Im Gegenteil: Es wird immer schlimmer. Somalitha blinzelt ihre Tränen weg, denn eigentlich ist sie froh: Heute macht endlich wieder die Rolling Clinic** Station im Nachbardorf. Sie drängt Julie und Nanan zur Eile. Erfahrungsgemäß wird die Warteschlange für die kostenlose Behandlung wieder sehr lang sein. Drei Fußpaare in Flip-Flops schlittern den rutschigen Dschungelhang hinab.

Die Not und das Elend der Bergbewohner sind groß. In den Gesichtern der Mütter steht die Sorge um ihre kranken Kinder. Es tröstet Petra Isenhuth, Apothekerin und AoG-Mitglied aus Magdeburg, seit Wochen im Einsatz auf den Philippinen, dass sich nach der Behandlung und der Medikamentenausgabe häufig wieder ein Strahlen über ihre Züge legt. Gemeinsam mit der Ärztin nimmt sie die beiden Mädchen in Augenschein. In den schwarz glänzenden Haaren der Mädchen und unter ihrer zarten Haut tobt die Fauna gleich zweifach: Läuse und Krätze! Geduldig erklärt Petra Isenhuth die Arzneimittel, die bei der ganzen Familie angewandt werden müssen: „BB-Lotion, ein wirksames Arzneimittel, das Benzylbenzoat enthält und für die Kleinen noch mit Wasser verdünnt wird und dann an mehreren Tagen nacheinander auf Haare, Kopfhaut und den ganzen Körper aufgetragen werden muss. Alle Familienmitglieder müssen gleichzeitig behandelt werden. Und für die aufgekratzten und infizierten Wunden der Mädchen zusätzlich ein antibiotikahaltiger Saft zum Einnehmen.“

Petra Isenhuth verspricht: Wenn Somalitha alles akkurat einhält, sind die Parasiten in kurzer Zeit weg und die Leiden der Zwillinge Vergangenheit!


*Namen der Familie aus Personenschutzgründen geändert.

** Die Rolling Clinic wird von den German Doctors (GD) betrieben,

AoG ist GD-Partner vor Ort

  • 1
  • 2