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„Apotheker ohne Grenzen“ goes Hollywood

AoG folgt einer Einladung des Partners IMC zu einer gemeinsamen Nothilfe-Simulation

AoG-Einsatzkraft Jochen Wenzel während der Nothilfe-Simulation

Die US-amerikanische Hilfsorganisation IMC ist seit dem gemeinsamen Nothilfe-Einsatz in der Karibik 2016 Partner von AoG. Bereits 2017 erfolgte ein weiterer Einsatz mit IMC nach dem Wirbelsturm „Maria“, der die pharmazeutisch-medizinischen Versorgungsstrukturen der Karibikinsel Dominica komplett zerstört hatte.

Während der Simulation wurden der Ausbruch einer Cholera-Epidemie, ein Katastrophenfall, sowie die Behandlung chronisch unterernährter Kinder im Krisengebiet nachgestellt. Nach einer thematischen Einführung in die jeweilige Materie wurden die drei Notfälle im extra dafür aufgebauten Field Hospital praktisch simuliert.

Die Simulation war eine großartige Gelegenheit für uns, die Bedeutung von Pharmazeuten in der Nothilfe zu verdeutlichen, wofür wir sehr viel positives Feedback von den anderen Teilnehmern bekamen. Neben Vertretern von IMC und AoG nahmen weitere Einsatzkräfte aus US-amerikanischen Krankenhäusern aus Stanford und Massachusetts sowie von Rescue Global aus Großbritannien teil.

Die Simulation war eine hervorragende Möglichkeit die zukünftige Zusammenarbeit von IMC und AoG zu optimieren. Wir können uns nun noch gezielter auf die gemeinsamen Nothilfeeinsätze vorbereiten, voneinander profitieren und noch enger zusammenarbeiten.

Bei einer künftigen Naturkatastrophe werden wir somit noch besser vorbereitet und abgestimmt in den Einsatz gehen können. Weiter werden wir auch dieses Jahr wieder Einsatzkräfte in unseren Schulungen vorbereiten. Dies gehört zu unserer Vereinsarbeit dazu und wir freuen uns über die vielen Anfragen und Anmeldungen. Wie bei unseren Projekten sind wir auch bei den Schulungen auf Ihre Unterstützung angewiesen. Mit den Beiträgen der Teilnehmer decken wir einen Teil der Unkosten, freuen uns aber über jede weitere Unterstützung.

„Bienvenue à Haiti“

AoG folgt dem Hilferuf einer tapferen Krankenschwester

Glücklich und geschafft, AoG-Einsatzkraft Lili Schürch bei ihrem Einsatz in Haiti

Das erste Treffen mit Alène fand in der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Alène erzählte mir voller Begeisterung von ihrem Gesundheitsposten, und dass sie den Plan verfolgt einen Arzt anzustellen, um den Menschen in ihrem Heimatdorf Baudin noch besser helfen zu können. Noch am gleichen Tag lernte ich Dr. Wilfood Marseille kennen. Er ist ein alter Schulfreund von Alène, stammt aus derselben Gemeinde und hat großes Interesse in seiner Heimatregion zu arbeiten und zu helfen.

Alène ist als „Einheimische“ im Ort bestens bekannt und ihr Service im Gesundheitsposten wird von der Bevölkerung gut und dankbar angenommen. Sie betreut ihre Patienten sehr kompetent und liebevoll, sei es bei der Abgabe von Arzneimitteln, der Versorgung von kleinen Wunden und Verletzungen oder auch beim Thema Familienplanung. Selbst Hausbesuche bietet sie an, wenn der Weg zum Gesundheitsposten für Alte oder Bettlägerige zu beschwerlich ist. Schwer kranke Patienten, die von ihr nicht behandelt werden können, verweist sie an die nächstgelegenen Krankenhäuser in den umliegenden Städten. Die Fahrtzeit von ein bis zwei Stunden auf Buckelpisten mit dem Motorradtaxi kann aber nicht allen Patienten zugemutet werden.

Einige Tage später machten wir uns auf den Weg nach Baudin. Mit unserem Allrad betriebenen Jeep steuerten wir zunächst unsere Unterkunft in einem Kloster an, das etwa 5km vom Gesundheitsposten Medi-Pharma in Baudin entfernt liegt.

Elektrisches Licht suchte ich vergeblich, dafür gab es eine Dusche mit kaltem Wasser aus Kübeln. Da ich die Gegebenheiten in Haiti von früher kannte und an einfache Unterkünfte gewohnt war, überraschten mich die örtlichen Gegebenheiten nicht. Der Ort Baudin liegt in den Bergen, etwa drei bis vier Stunden Fahrtzeit von Port-au-Prince entfernt, ein Hotel oder einen Laden gibt es nicht. In der Gegend leben rund 20.000 Einwohner. Es gibt ein staatliches Gesundheitszentrum, in dem es allerdings keinen Arzt, nur hin und wieder einen Krankenpfleger und nur unzureichend Medikamente gibt.

Im Centre Medi-Pharma inspizierte ich die Apotheke. Sie war fein säuberlich eingerichtet, aber die Medikamente waren lediglich nach Größe und Farbe der Packung geordnet. Ich führte eine Schulung mit Alène durch, sie war sehr lernwillig und von der besseren Art der Einordnung nach Indikation schnell überzeugt. So wird sich auch Dr. Wilfood Marseille besser zurechtfinden können.

Anschließend schaute ich mir noch die Patientenkartei an. Eine stattliche Menge in ein paar Monaten, alles genau von Hand geschrieben, allerdings fehlten auf allen Belegen die Menge, Dosierung und Zeitdauer der abgegebenen Medikamente. Alène ist sehr froh, dass ich sie darauf hingewiesen habe und wir die Dokumentation der Patientendaten gemeinsam besprechen konnten.

Das Untersuchungszimmer im Gesundheitsposten ist recht klein. Es befinden sich ein schlichtes Pult mit drei Stühlen und drei Betten darin. Zwischen den Betten vermisst man eine Abtrennung, die den Patienten eine gewisse Privatsphäre geben könnte.

Die neu sortierte Apotheke im Gesundheitsposten

Das kleine Behandlungszimmer

An diesem Tag bekomme ich auch einige Patienten zu Gesicht. Das ist zum einen ein Familienvater, der die Rechnung für die Medikamente bezahlen kam: Diese und die gute Beratung hätten gegen seinen hartnäckigen Durchfall geholfen! Daneben findet an diesem Tag ein Ehepaar den Weg ins Medi-Pharma. Der Besuch endet jedoch etwas trostlos, weil Alène die Frau mit der Vermutung auf eine Eileiterschwangerschaft ins nächstgelegene Krankenhaus schicken musste. Gottseidank kamen sie aber rechtzeitig zu Alène.

Noch bevor ich meine Rückreise in die Schweiz angetreten habe, konnte ich Alène mit der großartigen Nachricht überraschen, dass ich von AoG aus Deutschland grünes Licht bekommen habe, dringende Einkäufe für ihren Gesundheitsposten zu tätigen: eine Personenwaage, eine stabile Kartei für die Patientenakten, sowie eine ausreichende Menge Arzneimittel für die nächsten Wochen und Monate. Der Einkauf der Waren in der chaotisch verstopften Hauptstadt bedeutete viele weite Wege und nahm viel Zeit in Anspruch. Aber auch dies haben wir gemeistert.

Kurze Zeit später begab ich mich auf den Rückweg, mit dem guten Gefühl, dass wir von Apotheker ohne Grenzen Alène und den Menschen in Baudin nachhaltig helfen und ihnen ein gesünderes Leben ermöglichen werden.

AoG wird künftig Alène beim Medikamenteneinkauf helfen, das Gehalt für 2 Arbeitstage pro Woche vom Arzt mitfinanzieren und mit pharmazeutischer Kompetenz über Mail und vor Ort Alène unterstützen und weiter schulen.

Wollen auch Sie das neue Projekt unterstützen? Wir freuen uns über Ihre Spende.

Mit 150 Euro unterstützen Sie die wöchentliche Arbeit von Alène und Dr. Wilfood. Mit 300 Euro finanzieren Sie den monatlichen Einkauf an Arzneimitteln.

Einsatz in Uganda

Reisebericht der Projektkoordinatorin Claudia Martin

AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei der Schulung der neuen eSMT-Software:
AH-Geschäftsführer Andreas Wiegand und AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei ihrem Projektbesuch im Kibaale District in Uganda

Claudia Martin, die voriges Jahr als Pharmazeutin im Praktikum bei AoG arbeitete, berichtet im Folgenden von ihrer zweiten Reise:

Die Menschen im Westen Ugandas haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Mehrheit der Patienten, die meist arme Bauern aus der Umgebung sind. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“

Die armen Bauernfamilien aus der Umgebung bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocados, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, bieten sie zum Verkauf an und bestreiten von den spärlichen Einnahmen ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente im Krankheitsfall reicht das Geld häufig nicht. Genauso aber kämpfen die Gesundheitszentren um ihre Existenz. Die staatliche Unterstützung ist gering. Arbeitet die Einrichtung nicht kostendeckend, so droht ihr bald das Aus und die Patienten müssen noch weitere Wege auf sich nehmen, um medizinisch und pharmazeutisch betreut zu werden. Dies ist ein Teufelskreis, der nur durch viele Akteure mit Erfahrung, Geduld und Ausdauer durchbrochen werden kann.

Bereits im Mai 2017 wurde mit finanzieller Unterstützung von Apotheker Helfen und AoG eine neue Apotheke in Karuguuza im Kibaale Distrikt eröffnet. Die derzeit einzige Apotheke im Umkreis von 50 km fungiert gleichzeitig als pharmazeutischer Großhandel für viele Gesundheitszentren und ist bereits heute ein zuverlässiger Lieferant für qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittel im gesamten Distrikt. Daniel Olowo – der momentan einzige Apotheker weit und breit – ist ein kompetenter Ansprechpartner für Arzneimittelfragen. Seit der Eröffnung der neuen Apotheke wächst die Zahl der Patienten.

Man erkennt sofort, wie dankbar die Menschen sind, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für ihre Behandlung vorhanden sind. Viele Patienten warten lange, bevor sie den weiten und oft beschwerlichen Weg zur Krankenstation auf sich nehmen. Denn dies bedeutet, dass sie die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen müssen. Man stelle sich vor, was in diesen Menschen vorginge, wäre ein solch aufwendiger Arztbesuch erfolglos: kein Arzt oder Gesundheitshelfer da, keine Medikamente vorhanden…Man ging unverrichteter Dinge, krank und niedergeschlagen wieder nach Hause.

In der ersten Woche unserer Projektreise haben wir erneut EDF-Gesundheitszentren evaluiert und Unterstützung vor Ort geleistet. Vielen Menschen fällt es schwer Ein- und Ausgaben, sowohl privat als auch bei ihrer Arbeit in den Gesundheitseinrichtungen, im Auge zu behalten. Daher entschieden wir uns für einen mehrtägigen Workshop in Finanzmanagement mit den Mitarbeitern der Gesundheitszentren. Schwerpunkte waren dieses Mal das generelle Kostenbewusstsein, Arten von Kosten, sowie der Wert von Medikamenten und der Arzneimittelversorgung.

Im Rahmen unserer Reise testeten wir dieses Mal in der Apotheke eine neue datenbankgestützte Warenwirtschaftssoftware. An der Entwicklung und Anpassung dieser Software arbeitet AoG bereits seit einigen Jahren. Es ist spannend, sie nun in der Wirklichkeit zu testen! Schritt für Schritt erklären wir die Anwendung von eSMT (electronic Stock Management Tool) und prüfen sie auf ihre Tauglichkeit für die hiesigen Gegebenheiten: Es soll nun möglich sein, dass neben der Dokumentation des Lagermanagements auch Bestellungen, Inventuren, Monatsberichte und Bestellstatistiken schneller und einfacher gemacht werden können. Bisher geschah das zeitaufwändig per Hand und mit einfachen Excel-Tabellen.

Positive Entwicklungen und Rückschläge gehören beide zum Projektalltag. Das spornt uns noch mehr zu nachhaltigen und an die lokalen Gegebenheiten adaptierte Schulungen an. Wir freuen uns, dass wir den Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe helfen, gesund zu werden. So können sie ihre alltäglichen Herausforderungen wieder meistern.

Claudia Martin, ehrenamtliche Projektkoordinatorin

 

Für die Verbesserung des Gesundheitsmanagements und für viele weitere Projekte geben wir unser Bestes.

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

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Vielen Herzlichen Dank!

Der Junge mit den Schwefelhölzern

Neuigkeiten aus unserem Gesundheitszentrum in Bueonos Aires

 

Ein ganz normaler Vormittag in der AoG-Apotheke im Gesundheitszentrum Nr. 16 in Villa Zagala in der Provinz Buenos Aires. Edu, ein Mitarbeiter, der selber im größten Slum des AoG-Einzugsgebietes lebt, kommt in die Apotheke und fragt, ob jemand Kinderkleidung übrig hat, denn eine Hütte, in der eine alleinerziehende Mutter mit ihren sechs Kindern lebt, ist komplett abgerannt. Die Familie steht vor dem Nichts.

Dieses Vorkommnis ist leider kein Einzelfall: Rosa, die Großmutter der siebenköpfigen Familie betreibt ein klitzekleines Geschäft, mit dem sie sich, ihre Tochter Juana und die sechs Enkel über Wasser hält. Als Rosa überraschend stirbt, übernimmt Juana notgedrungen den Laden, denn die Familie benötigt dringend das Geld zum Überleben. Die sechs Kinder im Alter von 1 bis 13 Jahren bleiben alleine zu Hause. So auch an diesem Tag, nur eine Woche nach dem Tod der Großmutter. Während seine Brüder und Schwestern schlafen, spielt der vierjährige Sohn Santi mit Feuer, wobei er ungewollt eine Matratze in Brand setzt und alles sofort in Flammen aufgeht. Ein beherzter Nachbar stemmt das Gitter auf, mit denen, wie üblich, alle Türen und Fenster in den Slums vergittert sind und kann gerade noch die eingesperrten und verzweifelten Kinder retten. Die Hütte und das gesamte Hab und Gut der Familie werden ein Raub der Flammen.

Die Lebenserwartung der Slum-Bewohner liegt nicht nur aufgrund solcher Vorfälle etwa 12 bis 15 Jahre unter dem der Argentinier der Mittelklasse. Die Slum-Bewohner führen ein hartes Leben und haben nur selten Zugang zu lebenswichtigen Basismedikamenten. Der Bluthochdruck bleibt unbehandelt, die Diabeteserkrankung wird nicht angegangen, erhöhte Blutfettwerte werden ignoriert.  AoG betreut seit Jahren Hunderte von chronischen Patienten in Villa Zagala und nimmt sich dieser Probleme an.

Die ältere Generation, die der Großmütter und Großväter, ist extrem wichtig für den Familienverbund. Wenn die Eltern arbeiten gehen müssen, und es keine Oma oder keinen Opa in der Familie gibt, die auf die Enkelkinder aufpassen, müssen die Kinder meist alleine bleiben, denn staatliche Betreuungsplätze gibt es nicht. Für die Kleinsten kann das lebensgefährlich sein!

Dank der Hilfe von AoG und unserer Arzneimittel können viele Menschen der älteren Generation ein längeres und gesünderes Leben führen! Und sie können für ihre Enkelkinder sorgen!

Möchten Sie uns bei unserem Projekt in Argentinien und in vielen weiteren Ländern unterstützen?

Dann freuen wir uns über eine Spende. Sie können auch jederzeit Mitglied werden und uns bei unserer Arbeit unter die Arme greifen!

Ihre Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Vielen Herzlichen Dank!

 

Apotheker ohne Grenzen in Berlin im Einsatz

Neues Obdachlosenprojekt in Berlin

Auch nach Weihnachten lässt es sich bei diesem ungemütlichen Wetter in einer geheizten Wohnung gut aushalten. Man genießt sein kuscheliges, warmes Zuhause und bastelt an den guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Währenddessen vergisst man schnell, dass deutschlandweit Menschen ohne Obdach leben müssen. Allein in Berlin kämpfen inzwischen bis zu 6.000 Menschen, mit dramatisch steigender Tendenz, auf der Straße ums Überleben.

In der kalten Jahreszeit sind diese Menschen besonders gefährdet. Jedes Jahr steigt die Zahl der Toten. Die Lebenserwartung der Obdachlosen liegt im Schnitt um 25 Jahre unter dem Durchschnitt.

Mehrere Organisationen der Zivilgesellschaft engagieren sich bereits für Obdachlose, die aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr finden. So betreibt die Berliner Stadtmission am Bahnhof Zoologischer Garten eine Notversorgung für die Betroffenen. Neben einem Hygiene Center erhalten sie hier psychosoziale Hilfe, Kleidung, Schlafsäcke und eine warme Mahlzeit. Ergänzt wir das Angebot durch eine mobile Einzelfallhilfe.

Dies wird durch die ehrenamtliche Hilfe vieler Berliner Bürger ermöglicht. Auch das Team von AoG unterstützte bereits im vergangenen Jahr die Berliner Stadtmission bei der Essensausgabe. Apotheker ohne Grenzen startet nun ein neues Hilfsprojekt und unterstützt ab sofort die Ambulanz der Berliner Stadtmission in der Nähe des Hauptbahnhofs, um die medizinische Versorgung der Obdachlosen zu verbessern.

Zweimal wöchentlich kümmern sich in der Ambulanz Ärzte und Krankenpfleger ehrenamtlich um akute medizinische Probleme und leisten Notversorgung. Apotheker ohne Grenzen wird zukünftig die Arzneimittelbeschaffung übernehmen und für den korrekten Einsatz der Medikamente und die optimale Versorgung der Betroffenen sorgen. Weiterhin werden Schulungen in pharmazeutischen Themengebieten, wie der korrekten Lagerhaltung von Arznei- und Hilfsmitteln, für die freiwilligen Helfer in der Ambulanz erarbeitet und angeboten.

„Auch in Deutschland sind viele Menschen auf die Unterstützung von Organisationen wie AoG angewiesen“, sagt Geschäftsführerin Eliette Fischbach. „Neben unseren Projekten im Ausland, bin ich froh, dass wir nun auch in unserer Hauptstadt die im Mainzer Projekt gesammelten Erfahrungen für die Obdachlosen gewinnbringend nutzen und der Berliner Stadtmission dadurch helfen können. In Berliner hat AoG eine einsatzerfahrene und sehr motivierte Regionalgruppe. Dank ihr kommt dieses Projekt zustande.“

Bitte helfen auch Sie!

Wir freuen uns über eine Spende für unsere Arbeit in Berlin und für viele weitere Projekte.

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

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Apotheker ohne Grenzen im „La-La-Land“

AoG beginnt ein neues Projekt in Nepal

© AoG-Archiv: Jochen Wenzel (links) und Dr. Ralph Bültmann mit den jüngsten Dorfbewohnern vor dem neuen Medical Store

Die AoG-Projektkoordinatoren für Nepal, Jochen Wenzel und Dr. Ralph Bültmann, sind nach einer erfolgreichen Projektreise zurück in Deutschland. Sie berichten von der Reise:

Wer jetzt an den Oscar prämierten Film mit Emma Stone und Ryan Gosling denkt, der irrt. „La-La“ sagen die Nepalesen besonders gerne am Telefon, es heißt so viel wie „ja ja“, und da sie ihr Telefon permanent benutzen, hört man unentwegt „La-La“.  Anstelle einer unerfüllten Liebesgeschichte aus dem Film, realisieren die Apotheker ohne Grenzen einen Lebenstraum von mehreren Tausend Dorfbewohnern im Himalaya.

Nach einem 16-stundigen Jeeptrip aus Kathmandu hatten wir es endlich geschafft. Müde und zugleich voller Vorfreude und Erwartungen kamen wir in unserem Zielort in Basa im Solukhombu Distrikt an, die gleiche Region in der auch der Mount Everest gelegen ist. AoG engagiert sich mittlerweile seit fast zehn Jahren in Nepal. In unserem neuen Projekt bauen wir gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation Basa Foundation ein Arzneimittellager auf, das von unserer nepalesischen Health Assistant Alisa geleitet wird. Sie wird einfache Untersuchungen und Behandlungen durchführen und die Patienten mit den notwendigen Arzneimitteln versorgen.

Unser erster Weg führte uns dann auch direkt zum neuen Medical Store, wo wir von den Dorfbewohnern mit einem fröhlichen „Namaste“ aufs herzlichste begrüßt und empfangen wurden.

© AoG-Archiv: Der Medical Store wird Beratung und Medikamente für Groß und Klein bereithalten – das ist ein Anlass zum Feiern

„Die Leute konnten es nicht glauben, dass hier in unserem Dorf ein Medical Store errichtet wird. Davon haben sie schon immer geträumt!“ erzählt uns Buddi Rai, ein Mitglied der Basa Foundation. „Die Leute sind so glücklich, dass Vertreter von AoG extra aus Deutschland hergekommen sind, um ihnen zu helfen! Nun müssen sie nicht mehr ins weit entfernte Salleri laufen, wenn sie erkrankt sind!“ berichtet er weiter. Nach Salleri benötigt man 10 Stunden zu Fuß, wie wir selbst erfahren durften, wenn man gesund ist! Nur wenige Bewohner des Dorfes haben in der Vergangenheit diesen beschwerlichen Weg auf sich genommen.

Während unseres Aufenthalts in Basa führten wir eine intensive Schulung mit unserer Health Assistant durch, in der wir ihr die Vorteile einer gründlichen Lagerhaltung nahebrachten. Dazu gehören exakte Bestandslisten der einzelnen Arzneimittel sowie eine regelmäßige Inventur und rechtzeitige Bestellung der notwendigen Arzneimittel. Ebenso trafen wir uns mit dem Leiter des nahegelegenen Health Posts, der mit Hilfe seiner großen Erfahrung eine Liste aller notwendigen Arznei- und Hilfsmittel für uns anfertigte, die zukünftig im Medical Store vorrätig sein werden. Für uns eine riesengroße Unterstützung, denn er kennt die vorherrschenden Krankheiten und die gängigen Arzneimittel am besten!

An einem Abend während unseres Aufenthalts gab es noch eine ganz besondere Überraschung für uns. Extra zu Ehren des neuen AoG-Basa-Projekts wurde ein Büffel geschlachtet, der im Rahmen einer großen Feier von der Dorfgemeinschaft verspeist wurde. Hier entdeckten wir dann doch noch eine Parallele zum bereits erwähnten Hollywoodstreifen, denn an diesem Abend wurde lange und intensiv gesungen und getanzt.

Dies zeigte uns erneut, dass die Menschen in Basa große Erwartungen in den Medical Store setzen. “Viele Kinder sterben in Basa und viele Menschen sterben viel zu jung, darum ist der Medical Store eine große Hoffnung für die Zukunft von Basa!“ sagte uns Buddhi Rai im Vertrauen. Insgesamt wird die Arzneimittelversorgung durch den Medical Store die Lebensqualität der Bewohner von Basa deutlich und nachhaltig verbessern. Wir als Projektkoordinatoren freuen uns darüber, dass wir unseren Teil dazu beitragen dürfen.

Bitte helfen auch Sie!

Wir freuen uns über eine Spende für unsere Arbeit in Nepal und für viele weitere Projekte.

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Buenos Aires – Argentinien

Das süße Mädchen und der faule Zahn - Protokoll von Dr. Carina Vetye

Bei ihren Rundgängen im Slum entdeckt Dr. Vetye stets neue zukünftige Patienten

 

Ich weiß nicht, ob Sie das auch kennen? Auf meinem Weg zur Arbeit in die Slum-Apotheke in Buenos Aires der Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) komme ich oft ins Grübeln: Wie viele hundert Male bin ich diesen Weg schon gegangen? Wie oft in Sorge, ob angesichts der Umstände hier – Inflation und Arbeitslosigkeit, die unschuldige Menschen in die Armut treiben – wir die Apotheke für die ärmsten Kranken noch halten können? Ob wir genug finanzielle Mittel haben, die benötigten Medikamente zu kaufen? Was, wenn nicht? Was passiert dann mit den Menschen? Doch wenn ich den Eingang des Gesundheitszentrums von fern erkenne, freue ich mich auf die Patienten und die Arbeit und die bedrückenden Gedanken verschwinden erstmal wieder.

Buenos Aires,  Villa Zagala, Slum, Gesundheitszentrum, Apotheker ohne Grenzen

Elisa traut sich nicht zu lächeln; sie schämt sich ob ihrer schlechten Zähne

 

Im Wartezimmer treffe ich auf Elisa, eine aufgeweckte Fünfjährige. Ihre Eltern sind sogenannte  Cartoneros. So romantisch sich der Begriff anhört, so wenig hat er mit Romantik zu tun. Cartoneros suchen im Abfall nach noch verkaufbaren Dingen. Ein sehr hartes Los. Ramón, Elisas Vater, geht morgens schon sehr früh los. Der Weg zur öffentlichen Müllhalde ist weit. Sein kleiner Pferdewagen ist alles, was er hat. Er passt sehr darauf auf, denn früher hat er alles per Handkarren durch die Gegend gezogen. Ich habe mich über sein Lauftempo gewundert: Er lief – trotz der enorm schweren Last – schneller als ich. Nun zieht er jeden Tag mit dem Pferdchen los, ist ständig auf der Suche nach Metall, Papier, Plastik, Pappe oder Glas.

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Das Gespann ist Ramón und Enriques ganzer Stolz

 

Man muss die Preise kennen, was der Wiederaufkäufer gerade wofür zahlt und dann versuchen genau das zu sammeln. Täglich stundenlang in diesem unfassbaren Gestank und Dreck zu wühlen, ist nicht gesund. Und wenn ich täglich sage, meine ich täglich. Ramón kennt keine Wochenenden. Auch samstags und sonntags zieht er los. Jeden Tag muss er dann das gesammelte Material noch sortieren und es schnell zum Zwischenhändler bringen, sonst hat seine Familie nichts zu essen. Und er hat keine Wahl: Ganz ohne Ausbildung kann er damit wenigstens seine Familie einigermaßen durchbringen. Seine Schulbildung hat die wirtschaftliche Krise von 2001 vermasselt. Damals brach er in der 4. Klasse ab, um seinem Vater zu helfen … beim Müllrecycling.

Elisa ist über den Kindergarten in unser Zahnprophylaxe-Programm gekommen. Ich habe die Kleine vor fast zwei Jahren im Viertel kennengelernt. Sie traute sich nicht zu lächeln. Auf vorsichtige Nachfrage offenbarte mir sie den Grund. Sie hat ganz braune Milchzähne und schämt sich deswegen. Wir haben mit der Mutter gesprochen und mit ihrer Kindergärtnerin, damit die Kleine dort aufgenommen wird. So kam Elisa in unser Zahnprophylaxe-Programm, das mittlerweile schon seit 2008 läuft. Warum ich mich als Apothekerin um Zähne kümmere? Nun, die Problematik – Kleinkinder mit nahezu zerstörten Milchzähnen – ist im Slum weit verbreitet.

Dr. Vetye und die Zahnärztin Laura Cabrera bringen den Kindern das Zähneputzen bei

 

Die erste Bestandsaufnahme in einem der Kindergärten zeigte uns vor 10 Jahre wie sehr die Kinder betroffen sind: 108 vier- oder fünfjährige Kinder hatten damals insgesamt 655 Karies! Die Hälfte der Kleinsten wies schon acht oder mehr kaputte Zähne auf. Mit all dem, was das für sie bedeutet: Schmerzen und noch mehr Schmerzen, Infektionen, Fehltage, nichts essen können vor lauter Zahnweh. Da kann ich nicht nur Medikamente abgeben, da musste ich mehr tun!

Mittlerweile nimmt Elisa Zahnhygiene sehr ernst: Sie hat gesehen, dass bei den größeren Kindern neue Zähne kommen und jetzt sollen ihre nächsten weiß, schön und gesund bleiben.

Warum die Kinder so schlechte Zähne haben? Das hat mehrere Gründe: Ihre Eltern haben häufig nur wenige Jahre Schulbildung und im argentinischen System gehört Hygiene und Ernährung nicht zum Stundenplan. Zahnärzte sind für die Armen finanziell unerreichbar und sie ziehen meistens nur die Zähne. Die Eltern wissen und erfahren daher nichts vom Zähneputzen. Auch ist die ungesunde Ernährung extrem kariesfördernd. Die Armen können sich aber nur das billigste Essen leisten und das ist extrem süß. Ich kenne Kinder, die mit süßen Teilchen und Zuckerlimonade ernährt werden. Wir haben vor einiger Zeit unter den 8-12jährigen Kindern eine Umfrage gemacht: Was esst ihr den ganzen Tag? Das Ergebnis stimmte mich sehr traurig: In der Hauptsache Süßes und Fettes, falls überhaupt. Wir hatten sogar Kinder dabei, die den ganzen Tag außer in der Schule gar nichts zu essen bekommen. Tiago, 10 Jahre, war ein solcher Kandidat: Frühstück – nichts, Mittagessen – Nudeln mit Tomatensoße (das Schulessen), Abendessen – nichts. Deshalb bieten wir seit einiger Zeit Schulungen für die Mütter an: Gesunde Ernährung auch mit wenig Geld. Doch dazu brauchen wir viel Geduld. Doch erste Ergebnisse, wenn die Kinder zur jährlichen Untersuchung kommen und ich sehe, dass es ihnen besser geht, motivieren uns enorm.

Das Zahnprophylaxe-Programm der AoG in Kindergärten trägt bereits Früchte: Die Zähnchen der Kleinen sind blendend weiß und sauber!

 

 

Zu nah am Gehirn

Manuela, Elisas Mutter, sagt mir, dass sie wegen Elisas etwas älterem Bruder Enrique hier sind, der apathisch neben ihr sitzt: Er hat wahnsinnige Zahnschmerzen! Für ihn wird schnell ein Antibiotikum benötigt, das in der AoG-Apotheke auch vorrätig ist, denn Enrique hat einen üblen Kieferabszess – sehr nah am Gehirn, gefährlich. Nur dank AoG sind ausreichend Arzneimittel und Ärzte da. Auf Rezept gebe ich der Mutter das Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Vor der Zahnbehandlung muss erstmal Enriques Zustand besser werden. Morgen hat er dann einen Termin bei der Zahnärztin. In Kürze kann er wieder in die Schule gehen. Gut, dass wir da sind! Seine Eltern unternehmen alles nur Menschenmögliche, damit ihre Kinder später eine bessere Arbeit finden, da sollten wir sie nicht im Stich lassen! Und Enrique dürfte daraus gelernt haben: Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft seine Zähne besser putzen wird.

Romina braucht dringend die Medikamente der Apotheker ohne Grenzen

 

Als nächstes schiebt sich quietschend der alte Rollstuhl von Romina, 42 Jahre, vor mein vergittertes Ausgabefenster. Romina ist Diabetikerin Typ II. Die Diagnose bekam sie mit 28, ihr Blutzucker dürfte schon sehr lange zu hoch gewesen sein. Da sie wusste, dass städtische Gesundheitszentren in Slums die benötigten Medikamente so gut wie nie haben, fing sie gar nicht erst mit der Therapie an. Für die Armen gibt es ja nichts, dachte sie, wie die meisten Menschen der Slums. Und selbst bezahlen – wovon? Kürzlich erst hat sie erfahren, dass wir alle notwendigen Medikamente – dank AoG! – immer vorrätig haben, jetzt kommt sie regelmäßig. Nur leider Jahre zu spät für ihren Fuß: Zwei Zehen mussten vor kurzem amputiert werden, doch die Infektion konnte noch nicht gestoppt werden. In der AoG-Apotheke bekommt sie nun zuverlässig ihr Insulin und weitere Arzneimittel, insbesondere das für sie lebenswichtige Antibiotikum – damit sie nicht auch noch ihren Fuß verliert. Ich schaue in das traurige Gesicht dieser Frau und wünsche, dass wir noch lange die Mittel haben, um für diese Menschen da zu sein, damit sie ihre Behandlungen immer rechtzeitig bekommen. Es ist so ungerecht.

Der Zustand des argentinischen Gesundheitssystems ist eine Katastrophe. Doch leider keine, die schnell wieder vorbei ist. Zeitweise fehlt die Hälfte der essentiellen Arzneimittel, arme Patienten werden in städtischen Gesundheitszentren abgewimmelt, auch weil kein Personal da ist. Romina hätte das fast mit dem Leben bezahlt, sie war einer Blutvergiftung nahe. Auch für Enrique hätte es gefährlich werden können. Hier zählt der lange Atem und der Wille zur Hilfe für diese unschuldigen, armen Kranken. Mit den Spenden von AoG werden Gesundheitsmitarbeiter und Arzneimittel finanziert. Vertrauensvoll wenden sich die Menschen an uns. Ich bzw. AoG möchte für sie da sein.

Bitte helfen Sie uns und wir geben Ihre Hilfe weiter!

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AoG im Nothilfeeinsatz in der Karibik

Die Apotheker ohne Grenzen beenden den Einsatz im Hurrikan-Katastrophengebiet

Im September 2017 zogen drei gefährliche Hurrikans, Irma, Maria und José, mit Windgeschwindigkeiten bis zu 260 Km/Stunde über die Karibik hinweg und hinterließen nahezu komplett zerstörte Inseln.

Die Pan American Health Organisation (PAHO) benötigte im Bereich Pharmazie zusätzliche Hilfe. Die Apotheker ohne Grenzen (AoG) wurden von der amerikanischen, medizinischen Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) gebeten, im unabhängigen Inselstaat Dominica die pharmazeutische Versorgung zu übernehmen.

Laut UN OCHA, der Koordinierungsstelle für humanitäre Hilfe, waren fast alle 72.000 Bewohner auf Hilfe in allen Bereichen angewiesen; sie leben in der Hauptsache vom Tourismus und der Landwirtschaft – beide Bereiche werden viele Jahre und zusätzliche Unterstützung benötigen, um sich von den Schäden zu erholen.

Ab dem 09.10. war das erste Einsatzteam, bestehend aus Yasmin Thabet und Bettina Rüdy, unterwegs. Am 11.10 kamen Sie in Roseau, der Hauptstadt Dominicas an. Bei Ihrer Ankunft in der Hauptstadt Roseau stellten die Apothekerinnen schwere Schäden auch in der Zentralapotheke fest: „Der Lagerraum mit den Medizinprodukten wurde sehr stark beschädigt. Das Dach ist weggeflogen und der Raum wurde überschwemmt. Wir haben viele alte Medizinproduktspenden gefunden, oft bereits abgelaufen oder jetzt durch das Wasser unbrauchbar.

Die beiden waren in allen Teilen der Insel unterwegs, um dort Gesundheitsposten und Krankenhäuser zu besuchen und die Lage sowie die pharmazeutische Versorgungssituation zu evaluieren.  Yasmin Thabet berichtet: „In La Plaine wohnen circa  4.000 Einwohner, es gibt dort nur einen Apotheker, der 24 Stunden Rufbereitschaft machen muss. Sein Lager wurde zerstört und er fährt und wandert (!) mit einem Koffer, darin die verbliebenen Medikamente, von Dorf zu Dorf.

Nach Bettina Rüdy war Maruschka Hofer, PTA aus Hamburg, bis zum 8. November vor Ort. Sie unterstützte Yasmin Thabet bis zu ihrer Abreise, arbeitete alleine weiter und nahm dann Anfang November das letzte AoG-Team in Empfang: Apothekerin Barbara Weinmüller aus München und PTA Simone Harries aus Biessenhofen haben bis zum 18. November weiterhin die lokalen pharmazeutischen Strukturen unterstützt und wichtige Themen übernommen: Neben der Verteilung der Ressourcen und dem bedarfsgerechten Einkauf, um Lücken in der Arzneimittelversorgung zu schließen, standen vor allem die Inventarisierungen während des Einsatzes im Vordergrund. Die akribische Arbeit aller ehrenamtlich tätigen Kolleginnen hat Erfolg gezeitigt: Größere Fehlbestellungen – wegen vor Ort mangelnder Fachkenntnisse oder aufgrund nicht inventarisierter Bestände – konnten verhindert werden. Das pharmazeutische Wissen und Know-How der AoG Einsatzkräfte hat es ermöglicht, dass die richtigen Arzneimittel in der richtigen Menge für die Bedürftigen vorhanden und nachbestellt werden konnten.

Eliette Fischbach, Geschäftsführerin der AoG, zum Hilfseinsatz: „Sehr viele Menschen litten unter den Hurrikan-Folgen und benötigten dringend Hilfe, auch nachdem die deutschen Medien nicht mehr von den Schäden der Hurrikans berichtet haben. Die Kompetenz unserer Einsatzkräfte in Haiti im vergangenen Jahr, hat IMC zu dieser Anfrage geführt. Auch dieses Mal konnten die Apotheker ohne Grenzen vor Ort viel bewegen.

Nach der Nothilfe ist vor der Nothilfe – Wir bereiten durch unsere Schulungen unsere Einsatzkräfte weiter aus und bleiben in engem Austausch mit Partnerorganisationen. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung:

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Photografien: © Ken Cedeno 2017

Bildung ist die wichtigste Waffe, um die Welt zu verändern

Optimierung von zehn Gesundheitszentren und Schulung der lokalen Mitarbeiter

Education is the most powerful weapon which you can use to change the world (Nelson Mandela, 1918-2003)

Es ist noch so warm, dass ich kaum glauben kann, dass es um 19 Uhr schon dunkel ist. Das erinnert mich daran, dass in wenigen Wochen bei uns die Sommerzeit aufhört. Schade, dann kommt die Dunkelheit des Winters wieder zu uns. Die Zikaden zirpen laut. Von der Dorfkneipe höre ich laute afrikanische Musik bis hinauf in unser einfaches Zimmer in Karuguuza. Ein gutes Zeichen, dann gibt es Strom und ich kann noch meine Mails beantworten. Strom ist ein kostbares und häufig ausfallendes Gut in Uganda.

Mit meiner Kollegin Claudia Martin und Andreas Wiegand von Apotheker helfen e.V. bin ich nach Uganda gekommen – einem Hilferuf folgend. EMESCO, eine lokale Gesundheitshilfsorganisation, hat uns um Unterstützung bei der Optimierung des Arzneimitteleinkaufs, der –logistik und der –bevorratung gebeten. Sie haben mit Spenden Gesundheitszentren für die Armen im Distrikt Kibaale aufgebaut. AoG und Apotheker helfen werden dieses Projekt gemeinsam durchführen und so Erfahrungen und Stärken zusammenbringen. Die apobank Stiftung unterstützt zusätzlich das gemeinsame Projekt.

Wir sind zum ersten Mal vor Ort, um die Gegebenheiten in zehn Gesundheitszentren zu überprüfen und daraus folgend einen Projekt- und Arbeitsplan für die nächsten zwei Jahre zu erstellen. Gleichzeitig halten wir bereits die ersten Schulungen zu den Themen Lagerorganisation, richtige Anwendung von Arzneimitteln inklusive der Beratung der Patienten sowie Bestellmanagement mit vielen Rechenaufgaben, um die benötigten Mengen auszurechnen.

Claudia Martin in der Schulung:

Die Menschen hier haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Menschen, nachdem was ich hier bislang gesehen habe. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“ Wenn ich den kranken Menschen in die Augen sehe, ihre bescheidene Freude, wenn ihnen geholfen wird, dann bin ich gleich noch mehr motiviert. Drei Fälle verfolgen mich heute in den Schlaf.

Skovia, 23 J., kam heute Morgen ins Health Center. Ihr Ehemann hatte sie schwer verprügelt: Striemen am ganzen Körper, Schwellungen im Gesicht, rasende Kopfschmerzen und Schwindelanfälle machten ihr sichtbar zu schaffen. Diclofenac und eine Infusion mit Kochsalz linderten ihre Schmerzen. Die Kollegen boten ihr an, wenigstens heute Nacht hier zu bleiben, um sich von den Schlägen zu erholen. Sie nahm dankbar an. Morgen muss sie sich wieder in ihr Schicksal fügen, im Gepäck Paracetamol. Ihre vier kleinen Kinder warten schon sehnsüchtig auf sie. Das Gesundheitszentrum ist eine Oase der Zuflucht für viele Frauen – hier fühlen sie sich beschützt.

Beatrice, 30 J., trug ihre Tochter Margret, 11 J., bewusstlos auf ihren Armen ins Gesundheitszentrum. Hohes Fieber und eine Anämie ließen den Verdacht auf Malaria aufkommen. Eine Blutuntersuchung wurde sofort durchgeführt; nach den Testergebnissen wissen wir mehr.

Während Margret noch am Tropf hing, kam Teddy, 30 J. mit Hermann, knapp zwei Jahre alt. Eigentlich wollte sie ihn impfen lassen, denn einmal im Monat kommt das lokale Impfteam um nach Impfschema gegen Polio, TBC, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Masern und Haemophilus influenzae B zu immunisieren. Doch daraus wird diesmal nichts, denn Hermann keucht, schnieft, leidet unter hohem Fieber und starkem Husten. Diagnose: vereiterte Bronchitis. Er bekommt Paracetamol und zusätzlich für fünf Tage Amoxicillin.

Die meisten Patienten sind arme Bauernfamilien aus der Umgebung. Sie bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocado, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, verkaufen sie und bestreiten davon ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente reicht das nicht. Die Testergebnisse Margrets bestätigen den Verdacht – sie hat definitiv Malaria. Das heißt: Sie braucht sofort Arzneimittel für eine adäquate Therapie, sonst kann sie sterben.

Margret und ihre Mutter vor dem Health Center in Karuguuza:

Sie brauchen unsere Hilfe.

Ich sehe, wie wichtig es für die Menschen ist, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für die Behandlung vorhanden sind. Viele warten lange, bevor sie den weiten Weg zur Krankenstation auf sich nehmen und müssen dann die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen, um Hilfe zu suchen. Umso wichtiger ist es, dass wir die Erkrankten mit den passenden Arzneimitteln versorgen können. Ich freue mich darauf, dass wir die Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe unterstützen können, gesund zu werden, um ihre alltäglichen Herausforderungen wieder zu meistern. Durch Ihre Unterstützung dieser Kranken in Not sehe ich der Zukunft der Menschen optimistisch entgegen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Hilfe.

Mit lieben Grüßen,

Stefanie Pügge

Apothekerin und Projektkoordinatorin der Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

IHRE SPENDE HILFT GANZ KONKRET:

Mit 49,- € testen wir 50 Patienten auf Malaria.

Mit 197,- € kann die Lungenentzündung von 100 Patienten behandelt werden.

Mit 515,- € besorgen wir einen medizinischen Kühlschrank für die sichere Medikamentenlagerung.

Mit 7.500,- € kann der Neubau eines Gesundheitszentrums unterstützt werden.

Natürlich können Sie auch Mitglied und ein fester Teil unserer Vision von einer besseren und gesünderen Zukunft für alle Menschen werden.

Arzneimittel müssen sicher sein!

In den vergangenen Tagen und Wochen sind Arzneimittelfälschungen und der falsche, resistenzfördernde Einsatz von Antibiotika vermehrt ein Thema in den öffentlichen Medien.

Als pharmazeutische Hilfsorganisation sind die Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) in vielen Projekten für die Belieferung mit Arzneimitteln verantwortlich, ebenso für deren Qualität. Für die Not- und Entwicklungshilfe bezieht AoG Medikamente aus bekannten Quellen. Die entsprechenden Lieferanten werden von Fachpersonal sorgsam ausgewählt, vor Ort besucht und die Qualität bezogener Chargen regelmäßig in Deutschland kontrolliert.

Apotheker ohne Grenzen, AoG,  Training: "Improving Pharmaceutical Management" veranstaltet von AMREF und Apotheker ohne Grenzen
von 13.-15.07.2015
Teilnehmer besuchen das Sub County Hospital in Kitangela, Besuch der Krankenhausapotheke.

Zudem sind die Apotheker ohne Grenzen konsequent im Einsatz, um die nicht rationale Verwendung von Antibiotika zu verhindern. So konnte z.B. die ungezielte und überflüssige Abgabe von Amoxicillin-Tabletten in einem Gesundheitszentrum in einem Slum von Buenos Aires durch Einsatz pharmazeutischen Personals um 90% gesenkt werden. Für diese Leistung wurde 2011 der 1. Preis auf dem argentinischen Apothekerkongress vergeben. In Nepal läuft seit längerem das AoG-Projekt „Standard Treatment Protocol“, das einheimische Apotheker und Gesundheitspersonal zum fachgerechten Einsatz von Medikamenten schult. Des Weiteren unterstützt AoG in Indien eine Studie zum „Rational Use of Antibiotics“, um der unbedachten und gefährlichen Abgabepraxis von Antibiotika vor Ort entgegen zu wirken. Nur durch den korrekten Einsatz dieser Medikamente kann die weltweite Zunahme von resistenten Keimen verhindert werden.

Das Handlungsmotto der Apotheker ohne Grenzen lautet: Die richtigen Arzneimittel, in richtiger Qualität und richtiger Menge, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, richtig an die Patienten abgegeben.

Keine Zwei-Klassen-Pharmazie, sondern gute pharmazeutische Arbeit für alle Menschen – weltweit.

Bitte helfen auch Sie!

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ:     300 606 01

IBAN:   DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC:      DAAEDEDDXXX