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Apotheker ohne Grenzen in der DR Kongo

Apotheker ohne Grenzen unterstützt ein neu eröffnetes Gesundheitszentrum in einem kongolesischen Armenviertel mit der Ausstattung und Einrichtung der Apotheke, schult das Personal vor Ort und finanziert die Beschaffung geeigneter Medikamente. So kann die Gesundheitsversorgung insbesondere der Kinder in der Region gewährleitet werden.

Das Mädchen Estelle aus Maluku wartet vor dem Ausgabefenster der Apotheke des Gesundheitszentrums auf ihre Medikamente.

Leben im ärmsten und reichsten Land der Welt

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der Länder mit den reichsten Bodenschätzen und Rohstoffen der Welt – doch die Bevölkerung leidet bittere Armut. Seit der Unabhängigkeit 1960 herrschen große politische Instabilität, Korruption und Kriminalität. 70% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Bevölkerung wächst rasant, ein funktionierendes Gesundheitssystem fehlt bis heute. In den wenigen staatlichen Gesundheitseinrichtungen fehlt es an allem, an Medikamenten, Personal und einfachster Ausstattung wie Matratzen. Maluku ist eines der vielen Armenviertel vor den Toren der Hauptstadt Kinshasa, direkt am Kongo-Fluss.

Gesundheit als Schlüssel

Mit dem ‘Kongo-Projekt’ setzt Apotheker ohne Grenzen gezielt sein Fachwissen ein, um die pharmazeutische Versorgung der Menschen in Maluku zu verbessern: Die Partnerorganisation Hilfe für Menschen im Kongo baute hier vor acht Jahren ein Waisenhaus für die Straßenkinder von Kinshasa. 60 Waisenkinder können seither glücklich und beschützt aufwachsen und lernen in der Schule des Hilfsprojekts Lesen und Schreiben.

Die Kinder aus dem Waisenhaus in Maluku können, trotz schwieriger Lebensumstände, in die Schule gehen und brauchen keine Angst mehr vor dem Hunger zu haben.

Schnell war klar, dass Gesundheit der Schlüssel zur Zukunft für die Menschen der Region ist: Deshalb eröffnete der Verein Hilfe für Menschen im Kongo 2019 zusätzlich zum Waisenhaus ein Gesundheitszentrum mit dem Namen Nzoto Mpe Motema, übersetzt „Leib und Seele“. Dort können die Kinder des Waisenhauses sowie die rund 20.000 Bewohner Malukus betreut werden. Die nötige Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln war aber mit der Einrichtung des Gesundheitszentrums noch nicht gewährleistet – Hier sind Apotheker ohne Grenzen mit ihrer pharmazeutischen Kompetenz zur Stelle.

Der Andrang im Gesundheitszentrum ist groß, schnell hat sich herumgesprochen, dass es hier medizinische und pharmazeutische Versorgung gibt.

Inzwischen nehmen sogar Menschen aus Brazzaville, der Hauptstadt der benachbarten Republik Kongo auf der gegenüberliegenden Flussseite, den Weg auf sich, um hier Hilfe in der Not zu finden. Manche überqueren den Fluss mit kleinen pirogues, Kanus. Viele Patienten aber, die sich diesen teuren Transport nicht leisten können, schwimmen nach Maluku, soweit sie genügend Kraft dazu haben. Vorherrschende Krankheiten sind Malaria, Anämien, Magendarmerkrankungen sowie Infektionen. Ein weiteres Problem ist die schlechte Mutter‐Kind‐Versorgung in der Region.

So funktioniert eine Apotheke in Afrika

Die Aufgaben in der Apotheke in Nzoto Mpe Motema unterscheiden sich nicht viel von denen in anderen Apotheken auf dieser Welt. Täglichen werden Temperaturkontrollen der Kühlräume durchgeführt, das Budget wird geplant und der Arzneimitteltransport transportiert. Bei den hohen Temperaturen stellt der Transport von gekühlten Medikamenten und Einhaltung von Kühlketten eine besondere Herausforderung dar. Die von Apotheker ohne Grenzen eingerichtete Apotheke verwendet keine Arzneimittelspenden aus Deutschland, sondern kauft die benötigten Medikamente in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Krankenhauspersonal und den Ärzten bedarfsgerecht ein.

Die Apothekerin Iris Ferchland-Howe während ihres Kongo-Einsatzes bei der Arbeit in der Apotheke.

Manchmal unterscheidet sich die pharmazeutische Arbeit in Maluku aber doch von der, in einer deutschen Apotheke. Die Apothekerin Iris Ferchland-Howe, die für Apotheker ohne Grenzen im Juli 2019 das Projekt besuchte, gibt Einblick, was sie beim Besuch bei einem Großhändler in Kinshasa erlebte:

„Die Wahl des lokalen Großhändlers überprüfen wir sorgfältig, denn nicht immer sind Qualität und Arzneimittelsicherheit gewährleistet. Hier scheint auf den ersten Blick Chaos zu herrschen. Die große Halle ist überfüllt von Menschen, es ist ohrenbetäubend laut. Dennoch überzeugten uns schließlich Dokumentation, Lagerhaltung und die Ausbildung des Personals dieses Großhändlers. Inzwischen ist unsere Apotheke in Maluku gut ausgestattet, so dass nicht nur Tropenkrankheiten wie Durchfälle, Entzündungen, Infektionen, Parasiten behandelt werden können, sondern auch Bluthochdruck, Asthma oder Diabetes. Auch die schlechte Mutter‐Kind‐Versorgung und die Mangelernährung zahlreicher Kinder können wir endlich wirksam bekämpfen.“

Apotheker ohne Grenzen möchte den Menschen in und um Maluku weiterhin eine ausreichende Versorgung mit Basisarzneimitteln garantieren und ihre Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessern.

Spenden statt Schenken

So können Apotheken AoG in der Weihnachtszeit unterstützen

Weihnachten steht vor der Tür und in den Apotheken beginnen die Vorbereitungen um Kunden und Geschäftspartnern an Weihnachten eine kleine Freude zu machen. Tees werden abgefüllt, Kerzen oder Dufttücher bestellt und Handcremes angerührt. Doch ist das wirklich nötig? Wäre es nicht schöner, den Menschen eine Freude zu bereiten, die nur mit Mühe an lebenswichtige Medikamente kommen?

„Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“
J. W. von Goethe

Statt Weihnachtsgeschenke für Kunden – eine Spende an AoG

Schon im letzten Jahr haben sich einige Apothekerinnen* dazu entschieden Apotheker ohne Grenzen mit einer Weihnachtsspende zu unterstützen. Anstatt ihren Kunden und Geschäftspartnern ein kleines Geschenk um die Weihnachtszeit zu überreichen, entschieden sich die Apotheken dazu, einen feste Betrag an AoG zu spenden.

Auch dieses Jahr freuen wir uns über jede Apotheke, die sich zu dieser Weihnachtsaktion entschließt! Denn eine sinnvolle und nachhaltige Alternative zu Weihnachtsgeschenken ist eine Spende, die Menschen in Not mit lebenswichtigen Medikamenten unterstützt!

„Wir sind sicher, dass wir damit mehr Freude schenken, als vielen eine Kleinigkeit zu überreichen. Wir hoffen, dass diese Entscheidung auch in Ihrem (der Apothekenkunden) ist.“
Thomas Weißenborn und das Team der „Weißenborn Apotheken“ – 2018

Um auch Ihren Kunden damit eine Freude zu machen, kann das Engagement natürlich in der Apotheke bekannt gemacht werden. Gerne unterstützen wir bei der Gestaltung von Weihnachtskarten, einem Spruch oder einem Bild für Ihre Apotheke.

Setzen auch Sie ein Zeichen für eine gesündere Welt und machen mit bei „Spenden statt Schenken“

Einsatzkräftefürsorge bei Apotheker ohne Grenzen

Bericht über das erste PEERS-Wochenende

Einsatzkräftefürsorge ist ein wichtiges Thema bei Apotheker ohne Grenzen und nicht erst nach dem Oxfam-Skandal. Um unsere Einsatzkräfte vor, während und nach einem Einsatz auf allen Ebenen gut zu betreuen, verteilen wir diese Aufgaben auf „mehrere Schultern“. Hierbei geht es nicht um inhaltliche Betreuung für den Einsatz, sondern ausschließlich um das Thema der Betreuung und Begleitung auf einer „sozialen Ebene“.

In speziellen Peers-Schulungen schult AoG daher erfahrene Einsatzkräfte und sensibilisiert sie für Themen wie Betreuung, empathische Gesprächsführung und wie man sich richtig verhält, wenn eine Person traumatisiert ist.

Jede Einsatzkraft soll einen „Peer“ in Deutschland haben, jemand der selbst im Einsatz war und der die Person im Einsatz durch Treffen, Kontakt und Gespräche begleitet. Das Wort Peers kommt in diesem Zusammenhang von Peer-Beratung und bezeichnet eine Beratung durch Menschen mit denselben Merkmalen bzw. in derselben Lebenssituation wie der Beratene.

Vortrag beim ersten PEERS-Wochenende von Apotheker ohne Grenzen

Es geht darum Momente zu erkennen in denen eine Einsatzkraft überfordert ist und eventuell weitere Hilfe benötigt. Der Einsatzkraft soll zur Seite gestanden werden und es soll sich um ihr seelisches Wohl gekümmert werden. Dazu gehört beispielsweise, dass die Einsatzkraft am Flughafen verabschiedet und empfangen wird und dass man während des Einsatzes immer wieder Termine für kurze Gespräche vereinbart und der Einsatzkraft dadurch die Möglichkeit gibt, über schwierige Vorfälle und Probleme zu sprechen.

Im Vordergrund stehen die Noteinsätze, jedoch möchte AoG auch Langzeit-Einsatzkräften und bei Bedarf auch Kurzzeit-Einsatzkräfte in den Entwicklungsprojekten diese Option der zusätzlichen Betreuung anbieten.

Ein kleiner Bericht über das 1. PEERS-Wochenende von Justus Schollmeier, AoG-Mexiko-Koordinator und bald ausgebildeter AoG-Peers:

Letztes Wochenende trafen sich im „Panarbora“, ein Naturpark mit Jugendherberge zwischen Köln und Siegen, 18 hochmotivierte und engagierte Apotheker ohne Grenzen aus ganz Deutschland zur PEER Fortbildung. Keiner von uns konnte sich so richtig etwas unter dem Begriff PEER vorstellen und jeder von uns ist mit einer hohen Erwartungshaltung per Bus, Auto oder Zug angereist.

In den folgenden drei Tagen wurden innerhalb der Fortbildung Vorträge zu verschieden Themen gehalten wie zum Beispiel Stress, Psychotraumatologie und empathischer Gesprächsführung. Verhaltenscoach Andreas Hänsel, bei Apotheker ohne Grenzen schon bestens bekannt aus den jährlichen AoG-Einsatzkräfteschulungen, verstand es mithilfe von bildhafter Sprache komplexe Themen ganz simpel erscheinen zu lassen und auf jede einzelne Teilnehmerfrage einzugehen und die richtige Antwort zu finden. Die perfekte Organisation des Wochenendes führte dazu, dass jeder sich sehr wohl fühlte und alles reibungslos funktionierte.

Parallel zu den Vorträgen erarbeiten wir in Gruppenarbeit Fragen, die es für ein für AoG maßgeschneidertes PEER‘s Konzept zu beantworten galt. So konnten wir unter anderem die unterschiedlichen AoG-Einsatzarten definieren, welche eine kongruente PEER Betreuung nötig machen.

Dabei wirkte sich das über die Jahre angesammelte Know-how der AoG-Mitglieder und die hohe Motivation jedes einzelnen synergistisch auf das Ergebnis aus.

Innerhalb von Rollenspielen wurde das angelernte Wissen direkt in die Praxis umgesetzt. Dabei konnten wir das Thema empathische Gesprächsführung direkt üben und uns beide Perspektiven, also die des PEERs und die der Einsatzkraft, genauer anschauen.

Diese positive Dynamik begleitete uns von Anfang an und so ist jeder von uns mit einer großen Vorfreude auf das nächste Peers-Schulungs-Wochenende, welches Anfang Februar stattfinden wird, nach Hause gefahren.

Die TeilnehmerInnen des ersten PEERS-Wochenendes

Justus Schollmeier, letztes Jahr im Einsatz für AoG in Mexiko

Mich hat das Wochenende unheimlich weitergebracht, da ein Perspektivwechsel wie ich ihn in dieser Fortbildung erlebt habe, bei der Lösung von Alltagsproblemen sehr hilfreich ist.

Apotheker ohne Grenzen – Sommertour 2018

Die Apotheker ohne Grenzen auf Tour

Apotheker ohne Grenzen (AoG) organisiert eine Sommertour, bei der ein VW-Bus mit AoG- und Sponsor-Logos vom 18. August bis zum 13. Oktober 2018 quer durch Deutschland fährt. In über 25 Städten von Kiel bis München legt der AoG-Bus einen Stopp ein. Organisiert werden dabei Spenden- und Informationsveranstaltungen auf öffentlichen Plätzen, bei Festen und vor Apotheken.

Dabei wird es verschiedenste Aktionen geben: Von Vorträgen über unsere Arbeit, Spenden sammeln bei Unterstützern, Vorträge und Infoveranstaltungen an den Unis für Pharmaziestudenten – ein kurzer Stopp auf einem Marktstand um Interessenten zu informieren – oder auch die Teilnahme an einem Charity-Sport-Event.

Ziel ist es, den Verein und die weltweite Arbeit von Apotheker ohne Grenzen bekannter zu machen und weitere Unterstützer zu gewinnen, aber auch über wichtige Themen wie Arzneimittelspenden aufzuklären. Getragen wird die Tour ausschließlich von den AoG-Mitgliedern, die in ihren Regionalgruppen den Bus und die Veranstaltungen ehrenamtlich organisieren und betreuen. Die Tour endet auf der Expopharm in München, der größten pharmazeutischen Fachmesse Europas. Hier werden alle gesammelten Spenden dem Verein übergeben.

Viel Interesse für den Infostand der Apotheker ohne Grenzen am Florakiezfest Berlin

Welchen Ort wir als nächstes besuchen, können Sie mit unserem Eventkalender nachverfolgen.

Schauen Sie auch bei unserer Facebook-Präsenz der Sommertour 2018 vorbei. Hier gibt es spannende Fotos und Geschichten.

Falls Sie Presseanfragen haben, weiteres Fotomaterial benötigen oder allgemeine Fragen über unsere Sommertour 2018 haben, können Sie Kira Morandin kontaktieren:

Kira Morandin

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising

e-mail: k.morandin@psfde.org

Auftakt zum neuen AoG-Projekt in Bangladesch

Ein Interview mit unseren Einsatzkräften

Im Februar waren die zweite Vorsitzende von Apotheker ohne Grenzen, Dr. Petra Lange, und unser Pharmazeut im Praktikum, Dominik Walther, für 10 Tage in Bangladesch in den Flüchtlingslagern der Rohingya, um sich einen Überblick über die Lage der Geflüchteten zu machen. Seit letztem Jahr unterstützt AoG dort ein Hilfsprojekt der maltesischen Hilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station). Zum ersten Mal waren AoG Einsatzkräfte selber vor Ort, verschafften sich einen Überblick über die zukünftigen Aufgaben von AoG im Flüchtlingslager und kamen mit vielen Eindrücken zurück.

AoG: Petra und Dominik, Ihr beide habt eine, wie ich vermute, aufregende Projektreise für AoG nach Bangladesch hinter euch. Wie verliefen eure An- und Abreise?

Dr. Petra Lange: Abgesehen von der relativ langen Reisedauer von jeweils etwa 24 Stunden verlief die An- und Abreise entspannt. Dominik und ich haben uns in Doha getroffen und sind zusammen über Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, nach Cox`s Bazar geflogen. Am Flughafen wurden wir dann von MOAS in Empfang genommen. Die Abreise verlief ebenfalls unkompliziert, jedoch erneut sehr zeitaufwändig.

AoG: Dominik, für dich war es der erste Auslandseinsatz für AoG. Wie liefen die Vorbereitungen? Hast du dir vorher einige zusätzliche Impfungen geben lassen?

Dominik Walther: Der Anfang des Jahres stand bei mir ganz im Zeichen der Vorbereitungen. In meinem Fall war es natürlich praktisch, dass das Planen von Auslandseinsätzen unserer Mitglieder als Pharmazeut im Praktikum ein Teil meiner Tätigkeiten im AoG-Büro ist. Daher hatte ich in diesem Bereich bereits ausreichend Erfahrung gesammelt. Ich war noch einige Male im Outdoorladen und bei der Impfstelle kennen Sie mich jetzt persönlich.

AoG: Petra, du bist hinsichtlich der Nothilfe eine der erfahrensten AoG-Einsatzkräfte, warst unter anderem 2015 nach dem Erdbeben in Nepal, 2013 nach dem Wirbelsturm auf den Philippinen und 2010 auf Haiti. Was „reizt“ dich an diesen Einsätzen?

Dr. Petra Lange: Ich weiß nicht so ganz, ob „reizen“ das richtige Wort ist. Es ist eine Kombination aus Vielem: zum einen weiß man nie genau, was einen erwartet, das macht es bis zu einem gewissen Punkt spannend, zum anderen kann man ganz unmittelbar helfen. Auch die Menschen mit ihren unterschiedlichen Kulturen, die man kennenlernt, spielen eine Rolle. Darüber hinaus habe ich in den verschiedenen Hilfsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, immer wieder faszinierende, Menschen getroffen, die idealistisch das gemeinsame Ziel verfolgen, den Menschen ein Leben in Würde und Gesundheit zu ermöglichen.

AoG: Dominik, du bist aktuell PhiP in unserer Geschäftsstelle, inwieweit konntest du von Petras Erfahrungen profitieren?

Dominik Walther: Bei meinem ersten Einsatz mit einer so erfahrenen Einsatzkraft wie Petra reisen zu können, war für mich natürlich großes Glück. Das hat mir ein Stück Gelassenheit gegeben und ich konnte mir viel abgucken.

AoG: Ihr wart in einem Flüchtlingslager der aus Myanmar geflohenen Rohingya in Cox´s Bazar in Bangladesch. Wie können wir uns das Leben in einem solchen Lager vorstellen?

Dr. Petra Lange: Das Leben im Lager ist geprägt vom Überleben. Die Menschen haben leider keine großen Optionen. Ein kleiner Teil arbeitet als Tagelöhner, aber der größte Teil hat keine große Möglichkeit viel zu tun. Darüber hinaus sind die Menschen stets darauf aus, täglich ihr Überleben zu organisieren: an den vorhandenen Brunnen wird Trinkwasser geschöpft, bei der Essensausgabestelle wird zweimal wöchentlich stundenlang für Reis, Öl und Linsen angestanden, außerhalb des Camps organisiert man sich Feuerholz, wenn man erkrankt ist, geht man zu den kleinen Gesundheitsstationen, die es im Camp gibt. Ansonsten gibt es viele spielende Kinder, die sich mit allem beschäftigen, was sie finden – Spielen mit Spielsachen, so wie wir es in Deutschland kennen, gibt es dort natürlich nicht.

AoG: Und was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung hinsichtlich der Organisation und Verwaltung eines solchen Flüchtlingslagers?

Dr. Petra Lange: Es kommt auf das Flüchtlingslager an. Man hat teilweise Lager mit 10.000 – 135.000 Flüchtlingen, aber auch das „Megacamp“ (Kutupalong) mit über 600.000 Flüchtlingen. Je kleiner das Camp, umso leichter ist die Organisation. Vor allem in Kutupalong ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Daher ist das Flüchtlingslager in Blöcke unterteilt, um sicher zu stellen, dass die Menschen mit der ihnen zugedachten Unterstützung in Form von Lebensmitteln oder medizinischer Hilfe versorgt werden. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass bisher nicht so viele Hilfsorganisationen vor Ort sind, so dass es permanent eine große Herausforderung ist, Hilfe für alle zur Verfügung zu stellen.

AoG: Dominik, wie habt ihr die Bewohner des Lagers erlebt, hattet ihr persönlichen Kontakt?

Dominik Walther: Ein persönlicher Austausch gestaltete sich aufgrund der Sprache tatsächlich schwierig. Die meiste Zeit haben wir in den beiden Gesundheitsstationen unserer Partnerorganisation MOAS gearbeitet, da hat man natürlich die Erkrankungen und das Leid mitbekommen. Auf kurzen Spaziergängen durch die Camps konnte man sehen, unter welchen Umständen die Menschen leben und was sie in den letzten Monaten durchgemacht haben müssen. Aber kommt dann ein Lächeln oder Winken zurück, sagt das mehr als tausend Worte.

Die kleinen Campbewohner freuen sich über AoG-Buttons. © MOAS/Dale Gillett

AoG: Petra, für unseren Verein ist die Unterstützung eines so großen Flüchtlingsprojektes eine große Herausforderung. AoG unterstützt ja bereits eine Klinik im türkisch-syrischen Grenzgebiet, die sich überwiegend um Flüchtlinge kümmert und die du in den vergangenen Jahren mehrfach besucht hast. Wo siehst du Parallelen und was waren die größten Unterschiede?

Dr. Petra Lange: Ein großer Unterschied beider Projekte ist sicherlich, dass in Bangladesch die Flüchtlinge im Camp leben und dort versorgt werden und wir in Antakya, an der türkisch-syrischen Grenze, eine Klinik unterstützen, die Flüchtlinge behandelt, die irgendwo in der Stadt verstreut wohnen, sei es bei Freunden, Verwandten, in angemieteten Wohnungen oder sonst wo. Das Arbeiten in den Camps in Bangladesch ist daher noch direkter. Eine Parallele ist die Traumatisierung der Flüchtlinge. Viele sind traumatisiert und haben unterschiedlichste Gewalterfahrungen hinter sich. Darüber hinaus zählen in beiden Hilfsprojekten vor allem Kinder und Frauen zu den Patienten. Beiden Projekten ist leider die vermeintliche Hilflosigkeit gemein und kein Ausblick auf Besserung, da beide Krisen noch lange andauern werden.

AoG: Du sprichst von vermeintlicher Hilflosigkeit. Kannst du uns etwas über die Aufgabe von AoG im neuen Projekt in Bangladesch sagen?

Dr. Petra Lange: Apotheker ohne Grenzen wird in dem neuen Projekt die Arbeit von MOAS unterstützen. MOAS betreibt in den Flüchtlingslagern Shamlapur (ca. 10.000 Menschen) und Unchiprang (ca. 21.000 Menschen) jeweils ein Gesundheitszentrum, in denen mit Hilfe von insgesamt 8 einheimischen Ärzten, 4 Krankenschwestern, 2 Apothekern und 2 Apothekenhelfern pro Tag etwa 400 Patienten versorgt werden. Dabei unterstützt AoG zum einen die Arzneimitteleinkäufe hinsichtlich Auswahl der Arzneimittel und Kostenübernahme, zum anderen werden die Ärzte und das Apothekenpersonal in den Gebieten Lagerhaltung, Abgabe der Arzneimittel und weiterer pharmazeutischer Tätigkeiten geschult. Bei unserem ersten Besuch haben wir die vorhandenen Arzneimittel sortiert, inventarisiert und Regale für auf den Boden gelagerte Kartons bauen lassen. Darüber hinaus haben wir erste kleine Schulungen durchgeführt. Die Ärzte wurden beispielsweise sensibilisiert, sich an der “Essential Drug List“ der WHO zu orientieren, oder das Apothekenpersonal wurde über die korrekte Menge Wasser bei der Einnahme von oraler Rehydratationslösung aufgeklärt. Ferner wurden stichprobenartig Arzneimittel mit nach Deutschland genommen, um vom Deutschen Zentrallabor ihre Qualität überprüfen zu lassen.

Dr. Petra Lange im Austausch mit den Apothekenmitarbeitern der MOAS-Gesundheitsstation in Unchiprang.

Dominik Walther bei der Arzneimittelabgabe in Shamlapur.

AoG: Eine sehr umfassende Unterstützung, die direkt bei den Menschen ankommt und ihnen ein Stück weit Hoffnung zurückgibt.

Dr. Petra Lange: Ja, das hoffen wir!

AoG: Dominik, in Bangladesch steht die Monsunzeit kurz bevor. Wie bereiten sich die Bewohner aber auch die Verwaltung des Flüchtlingslagers darauf vor?

Dominik Walther: Es werden Sandsäcke gestapelt und Gräben gezogen, manche Gesundheitsstationen müssen umgesiedelt werden. Die Essensausgabe wird auf hochkalorische Kekse umgestellt, falls die Geflüchteten anderweitig nicht mehr versorgt werden können. Da das Gelände sehr hügelig und kahlgeschlagen ist, ist der Untergrund instabil und bei den zu erwartenden Regenmassen ist davon auszugehen, dass viele Hänge abrutschen werden. Die Not vor Ort ist enorm und man will sie sich schon gar nicht in der Monsunzeit vorstellen.

AoG: Was hat dich bei deinem ersten Auslandseinsatz am meisten beeindruckt und kannst du anderen Menschen empfehlen, sich für eine gemeinnützige Hilfsorganisation wie Apotheker ohne Grenzen zu engagieren?

Dominik Walther: Der Blick im „Megacamp“ Kutupalong, dem größten Flüchtlingscamp der Welt, wird mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. In jede Himmelsrichtung notdürftige Hütten aus ein paar Bambusstangen und Planen, soweit das Auge reicht. Diese Erfahrung und das Gefühl unmittelbar helfen zu können, motiviert mich, mich noch stärker zu engagieren – denn die Hilfe wird dringend benötigt.

Der Blick über das weltgrößte Flüchtlingscamp Kutupalong.

AoG: Liebe Petra, lieber Dominik, wir danken euch für eure Eindrücke aus dem Flüchtlingslager der Rohingya in Bangladesch und hoffen, dass das AoG-Projekt weiterhin erfolgreich verlaufen wird und wir viele Menschen auf dem Weg in eine gesündere Zukunft begleiten dürfen.

Ein Gruppenbild zum Abschied.

AoG wird künftig MOAS bei der Arzneimittelbeschaffung unterstützen und mit pharmazeutischer Kompetenz zur Seite stehen.

Wollen auch Sie das neue Projekt unterstützen? Wir freuen uns über Ihre Spende.

Fortbildung in Tübingen

Dr. Petra Lange berichtet von einer interessanten Fortbildungsmöglichkeit

Im Sommer dieses Jahres wird an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen zum dritten Mal der Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe” angeboten. Der Kurs richtet sich zum einen an Studierende nach dem 1. Staatsexamen im Rahmen des Wahlpflichtfaches aller deutschen Hochschulstandorte und zum anderen an approbierte ApothekerInnen.

Die Themen des Kurses reichen über den “Aufbau von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern”, der “Qualitätssicherung der Arzneimittellogistik”, über Arzneimittelfälschungen bis hin zu Themen aus dem Bereich der Katastrophenpharmazie.

Ich selber durfte in den ersten beiden Jahren der Veranstaltung Vorträge zum Thema “Arzneimittelbeschaffung und Patientenversorgung in internationalen Katastropheneinsätzen”, inklusive der Betreuung einer Projektarbeit übernehmen. Der Kurs gibt einen sehr guten Überblick, was Pharmazie in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe bedeutet. Dabei habe ich die Kursteilnehmer als eine “kleine Familie” erlebt, die so unterschiedlich sie auch waren, doch eine gemeinsame Sache im Blick hatten.

Bei den vergangenen Kursen haben auch immer wieder Mitglieder von Apotheker ohne Grenzen teilgenommen, neues dazugelernt und viel Positives berichtet. Elke Althöfer-Blautzik beispielsweise sagte mir, “dass der Kurs sehr hilfreich für ihren zweimonatigen Einsatz auf den Philippinen ist.” 

Professor Lutz Heide und Apothekerin Christine Häfele-Abah, MSc Int. Health, die gemeinsam den Kurs leiten, schließen eine wichtige Lücke im Rahmen der pharmazeutischen Ausbildung und ermöglichen einen Blick über den Tellerrand. Dabei haben sie es geschafft, viele interessante und erfahrene Referenten, aus ganz unterschiedlichen Bereichen und NGOs für diesen Kurs zu gewinnen.

In diesem Jahr wird unsere AoG-Projektkoordinatorin für Argentinien Dr. Carina Vetye zwei Vorträge im Rahmen des Kurses halten. Sie berichtet über „Arzneimittelbeschaffung und Patientenversorgung in internationalen Katastropheneinsätzen“ und stellt das Interagency Emergency Health Kit (IEHK) vor, das auch AoG im Einsatz benutzt und das dafür ausgelegt ist, 10.000 Menschen für drei Monate mit den wichtigsten Arzneimitteln zu versorgen.

Die Ausschreibung des Kurses, weitere Informationen und die Anmeldung findet ihr unter folgendem Link.

Die Absolventen 2017L.Heide/Uni Tübingen)

Unterstützen Sie die Einsätze von Apothekerinnen und Apothekern in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe und spenden Sie jetzt!

Unsere AoG-Regionalgruppen

Es stellt sich vor: Die Regionalgruppe Kiel

Kieler Regionalgruppentreffen im Winter 2017/18

Bereits im ersten Jahr konnte unsere Regionalgruppe regen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen und dabei bildete sich eine engagierte, kreative und lustige Truppe aus Pharmaziestudierenden, Apotheker/innen und Promovierende/n.

Da es uns bislang an den nötigen Schulungen für einen Auslandseinsatz mangelt, haben wir einfach selbst ein paar Projekte und Aktionen bei uns vor Ort angestoßen. Hauptaugenmerk lag im ersten Jahr darauf bekannter zu werden und dabei zu vermitteln, wofür unser Verein steht.

Dies konnten wir durch eine öffentliche Vortragsreihe an der Universität und ein Beachvolleyballturnier an der Kiellinie erreichen. Nicht zuletzt die mediale Aufmerksamkeit mit mehreren Zeitungsartikeln und Radiointerviews half dabei, die Bekanntheit unserer Regionalgruppe und des gesamten Vereins zu steigern. Außerdem konnten wir durch unsere Aktionen bereits einige Spendeneinnahmen in die Geschäftsstelle nach München schicken, um die Projekte von AoG auch finanziell zu unterstützen.

Vortragsabend an der Uni Kiel

Beachvolleyballturnier an der Ostsee im Sommer 2017

Ein Beachvolleyballturnier soll auch dieses Jahr wieder stattfinden: Am 01.07.2018 findet das Turnier von und mit Pharmazeuten und Freunden bei uns im schönen Norden statt. Weitere Infos werden Ihnen bald über Facebook und via E-Mail zugehen.

Bei Fragen zum Turnier oder allgemein zu unserer Regionalgruppe, können Sie sich über regionalgruppe.kiel.aog@web.de gerne bei uns melden. Wir freuen uns über Ihre Post!

Auch in anderen deutschen Städten hat AoG aktive Regionalgruppen. Eine Liste dazu finden Sie hier.

Als Mitglied der Apotheker ohne Grenzen können Sie sich nicht nur aktiv an Projekten und Aktionen beteiligen und somit unsere Vision von einer gesünderen Welt mit Leben füllen, sondern auch an Einsatzschulungen teilnehmen und sich mit Gleichgesinnten sozial engagieren!

„Apotheker ohne Grenzen“ goes Hollywood

AoG folgt einer Einladung des Partners IMC zu einer gemeinsamen Nothilfe-Simulation

AoG-Einsatzkraft Jochen Wenzel während der Nothilfe-Simulation

Die US-amerikanische Hilfsorganisation IMC ist seit dem gemeinsamen Nothilfe-Einsatz in der Karibik 2016 Partner von AoG. Bereits 2017 erfolgte ein weiterer Einsatz mit IMC nach dem Wirbelsturm „Maria“, der die pharmazeutisch-medizinischen Versorgungsstrukturen der Karibikinsel Dominica komplett zerstört hatte.

Während der Simulation wurden der Ausbruch einer Cholera-Epidemie, ein Katastrophenfall, sowie die Behandlung chronisch unterernährter Kinder im Krisengebiet nachgestellt. Nach einer thematischen Einführung in die jeweilige Materie wurden die drei Notfälle im extra dafür aufgebauten Field Hospital praktisch simuliert.

Die Simulation war eine großartige Gelegenheit für uns, die Bedeutung von Pharmazeuten in der Nothilfe zu verdeutlichen, wofür wir sehr viel positives Feedback von den anderen Teilnehmern bekamen. Neben Vertretern von IMC und AoG nahmen weitere Einsatzkräfte aus US-amerikanischen Krankenhäusern aus Stanford und Massachusetts sowie von Rescue Global aus Großbritannien teil.

Die Simulation war eine hervorragende Möglichkeit die zukünftige Zusammenarbeit von IMC und AoG zu optimieren. Wir können uns nun noch gezielter auf die gemeinsamen Nothilfeeinsätze vorbereiten, voneinander profitieren und noch enger zusammenarbeiten.

Bei einer künftigen Naturkatastrophe werden wir somit noch besser vorbereitet und abgestimmt in den Einsatz gehen können. Weiter werden wir auch dieses Jahr wieder Einsatzkräfte in unseren Schulungen vorbereiten. Dies gehört zu unserer Vereinsarbeit dazu und wir freuen uns über die vielen Anfragen und Anmeldungen. Wie bei unseren Projekten sind wir auch bei den Schulungen auf Ihre Unterstützung angewiesen. Mit den Beiträgen der Teilnehmer decken wir einen Teil der Unkosten, freuen uns aber über jede weitere Unterstützung.

„Bienvenue à Haiti“

AoG folgt dem Hilferuf einer tapferen Krankenschwester

Glücklich und geschafft, AoG-Einsatzkraft Lili Schürch bei ihrem Einsatz in Haiti

Das erste Treffen mit Alène fand in der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Alène erzählte mir voller Begeisterung von ihrem Gesundheitsposten, und dass sie den Plan verfolgt einen Arzt anzustellen, um den Menschen in ihrem Heimatdorf Baudin noch besser helfen zu können. Noch am gleichen Tag lernte ich Dr. Wilfood Marseille kennen. Er ist ein alter Schulfreund von Alène, stammt aus derselben Gemeinde und hat großes Interesse in seiner Heimatregion zu arbeiten und zu helfen.

Alène ist als „Einheimische“ im Ort bestens bekannt und ihr Service im Gesundheitsposten wird von der Bevölkerung gut und dankbar angenommen. Sie betreut ihre Patienten sehr kompetent und liebevoll, sei es bei der Abgabe von Arzneimitteln, der Versorgung von kleinen Wunden und Verletzungen oder auch beim Thema Familienplanung. Selbst Hausbesuche bietet sie an, wenn der Weg zum Gesundheitsposten für Alte oder Bettlägerige zu beschwerlich ist. Schwer kranke Patienten, die von ihr nicht behandelt werden können, verweist sie an die nächstgelegenen Krankenhäuser in den umliegenden Städten. Die Fahrtzeit von ein bis zwei Stunden auf Buckelpisten mit dem Motorradtaxi kann aber nicht allen Patienten zugemutet werden.

Einige Tage später machten wir uns auf den Weg nach Baudin. Mit unserem Allrad betriebenen Jeep steuerten wir zunächst unsere Unterkunft in einem Kloster an, das etwa 5km vom Gesundheitsposten Medi-Pharma in Baudin entfernt liegt.

Elektrisches Licht suchte ich vergeblich, dafür gab es eine Dusche mit kaltem Wasser aus Kübeln. Da ich die Gegebenheiten in Haiti von früher kannte und an einfache Unterkünfte gewohnt war, überraschten mich die örtlichen Gegebenheiten nicht. Der Ort Baudin liegt in den Bergen, etwa drei bis vier Stunden Fahrtzeit von Port-au-Prince entfernt, ein Hotel oder einen Laden gibt es nicht. In der Gegend leben rund 20.000 Einwohner. Es gibt ein staatliches Gesundheitszentrum, in dem es allerdings keinen Arzt, nur hin und wieder einen Krankenpfleger und nur unzureichend Medikamente gibt.

Im Centre Medi-Pharma inspizierte ich die Apotheke. Sie war fein säuberlich eingerichtet, aber die Medikamente waren lediglich nach Größe und Farbe der Packung geordnet. Ich führte eine Schulung mit Alène durch, sie war sehr lernwillig und von der besseren Art der Einordnung nach Indikation schnell überzeugt. So wird sich auch Dr. Wilfood Marseille besser zurechtfinden können.

Anschließend schaute ich mir noch die Patientenkartei an. Eine stattliche Menge in ein paar Monaten, alles genau von Hand geschrieben, allerdings fehlten auf allen Belegen die Menge, Dosierung und Zeitdauer der abgegebenen Medikamente. Alène ist sehr froh, dass ich sie darauf hingewiesen habe und wir die Dokumentation der Patientendaten gemeinsam besprechen konnten.

Das Untersuchungszimmer im Gesundheitsposten ist recht klein. Es befinden sich ein schlichtes Pult mit drei Stühlen und drei Betten darin. Zwischen den Betten vermisst man eine Abtrennung, die den Patienten eine gewisse Privatsphäre geben könnte.

Die neu sortierte Apotheke im Gesundheitsposten

Das kleine Behandlungszimmer

An diesem Tag bekomme ich auch einige Patienten zu Gesicht. Das ist zum einen ein Familienvater, der die Rechnung für die Medikamente bezahlen kam: Diese und die gute Beratung hätten gegen seinen hartnäckigen Durchfall geholfen! Daneben findet an diesem Tag ein Ehepaar den Weg ins Medi-Pharma. Der Besuch endet jedoch etwas trostlos, weil Alène die Frau mit der Vermutung auf eine Eileiterschwangerschaft ins nächstgelegene Krankenhaus schicken musste. Gottseidank kamen sie aber rechtzeitig zu Alène.

Noch bevor ich meine Rückreise in die Schweiz angetreten habe, konnte ich Alène mit der großartigen Nachricht überraschen, dass ich von AoG aus Deutschland grünes Licht bekommen habe, dringende Einkäufe für ihren Gesundheitsposten zu tätigen: eine Personenwaage, eine stabile Kartei für die Patientenakten, sowie eine ausreichende Menge Arzneimittel für die nächsten Wochen und Monate. Der Einkauf der Waren in der chaotisch verstopften Hauptstadt bedeutete viele weite Wege und nahm viel Zeit in Anspruch. Aber auch dies haben wir gemeistert.

Kurze Zeit später begab ich mich auf den Rückweg, mit dem guten Gefühl, dass wir von Apotheker ohne Grenzen Alène und den Menschen in Baudin nachhaltig helfen und ihnen ein gesünderes Leben ermöglichen werden.

AoG wird künftig Alène beim Medikamenteneinkauf helfen, das Gehalt für 2 Arbeitstage pro Woche vom Arzt mitfinanzieren und mit pharmazeutischer Kompetenz über Mail und vor Ort Alène unterstützen und weiter schulen.

Wollen auch Sie das neue Projekt unterstützen? Wir freuen uns über Ihre Spende.

Mit 150 Euro unterstützen Sie die wöchentliche Arbeit von Alène und Dr. Wilfood. Mit 300 Euro finanzieren Sie den monatlichen Einkauf an Arzneimitteln.

Einsatz in Uganda

Reisebericht der Projektkoordinatorin Claudia Martin

AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei der Schulung der neuen eSMT-Software:
AH-Geschäftsführer Andreas Wiegand und AoG-Einsatzkraft Claudia Martin bei ihrem Projektbesuch im Kibaale District in Uganda

Claudia Martin, die voriges Jahr als Pharmazeutin im Praktikum bei AoG arbeitete, berichtet im Folgenden von ihrer zweiten Reise:

Die Menschen im Westen Ugandas haben keine Krankenversicherung. Der Arztbesuch ist kostenlos, jedoch muss jedes Medikament und jede Operation aus eigener Tasche finanziert werden. Schwierig für die Mehrheit der Patienten, die meist arme Bauern aus der Umgebung sind. Jede Erkrankung bedeutet bedrückende Angst und die große Sorge, „ob ich das bezahlen kann?“

Die armen Bauernfamilien aus der Umgebung bauen Bohnen, Erdnüsse, Kartoffeln, Avocados, Orangen, Bananen und Maniok an. Das meiste für den Eigenbedarf. Was sie erübrigen können, bieten sie zum Verkauf an und bestreiten von den spärlichen Einnahmen ihren kargen Lebensunterhalt. Für Medikamente im Krankheitsfall reicht das Geld häufig nicht. Genauso aber kämpfen die Gesundheitszentren um ihre Existenz. Die staatliche Unterstützung ist gering. Arbeitet die Einrichtung nicht kostendeckend, so droht ihr bald das Aus und die Patienten müssen noch weitere Wege auf sich nehmen, um medizinisch und pharmazeutisch betreut zu werden. Dies ist ein Teufelskreis, der nur durch viele Akteure mit Erfahrung, Geduld und Ausdauer durchbrochen werden kann.

Bereits im Mai 2017 wurde mit finanzieller Unterstützung von Apotheker Helfen und AoG eine neue Apotheke in Karuguuza im Kibaale Distrikt eröffnet. Die derzeit einzige Apotheke im Umkreis von 50 km fungiert gleichzeitig als pharmazeutischer Großhandel für viele Gesundheitszentren und ist bereits heute ein zuverlässiger Lieferant für qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittel im gesamten Distrikt. Daniel Olowo – der momentan einzige Apotheker weit und breit – ist ein kompetenter Ansprechpartner für Arzneimittelfragen. Seit der Eröffnung der neuen Apotheke wächst die Zahl der Patienten.

Man erkennt sofort, wie dankbar die Menschen sind, dass sie in den Gesundheitszentren gut behandelt werden und die richtigen Medikamente für ihre Behandlung vorhanden sind. Viele Patienten warten lange, bevor sie den weiten und oft beschwerlichen Weg zur Krankenstation auf sich nehmen. Denn dies bedeutet, dass sie die lebenswichtige Feldarbeit liegen lassen müssen. Man stelle sich vor, was in diesen Menschen vorginge, wäre ein solch aufwendiger Arztbesuch erfolglos: kein Arzt oder Gesundheitshelfer da, keine Medikamente vorhanden…Man ging unverrichteter Dinge, krank und niedergeschlagen wieder nach Hause.

In der ersten Woche unserer Projektreise haben wir erneut EDF-Gesundheitszentren evaluiert und Unterstützung vor Ort geleistet. Vielen Menschen fällt es schwer Ein- und Ausgaben, sowohl privat als auch bei ihrer Arbeit in den Gesundheitseinrichtungen, im Auge zu behalten. Daher entschieden wir uns für einen mehrtägigen Workshop in Finanzmanagement mit den Mitarbeitern der Gesundheitszentren. Schwerpunkte waren dieses Mal das generelle Kostenbewusstsein, Arten von Kosten, sowie der Wert von Medikamenten und der Arzneimittelversorgung.

Im Rahmen unserer Reise testeten wir dieses Mal in der Apotheke eine neue datenbankgestützte Warenwirtschaftssoftware. An der Entwicklung und Anpassung dieser Software arbeitet AoG bereits seit einigen Jahren. Es ist spannend, sie nun in der Wirklichkeit zu testen! Schritt für Schritt erklären wir die Anwendung von eSMT (electronic Stock Management Tool) und prüfen sie auf ihre Tauglichkeit für die hiesigen Gegebenheiten: Es soll nun möglich sein, dass neben der Dokumentation des Lagermanagements auch Bestellungen, Inventuren, Monatsberichte und Bestellstatistiken schneller und einfacher gemacht werden können. Bisher geschah das zeitaufwändig per Hand und mit einfachen Excel-Tabellen.

Positive Entwicklungen und Rückschläge gehören beide zum Projektalltag. Das spornt uns noch mehr zu nachhaltigen und an die lokalen Gegebenheiten adaptierte Schulungen an. Wir freuen uns, dass wir den Menschen im Kibaale-Distrikt mit Ihrer Hilfe helfen, gesund zu werden. So können sie ihre alltäglichen Herausforderungen wieder meistern.

Claudia Martin, ehrenamtliche Projektkoordinatorin

 

Für die Verbesserung des Gesundheitsmanagements und für viele weitere Projekte geben wir unser Bestes.

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

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Vielen Herzlichen Dank!