: Nepal

Frauen in Nepal – ein weiter Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Die schwierige Lage der Frauen in Nepal – Über Chhaupadis und andere Ungerechtigkeiten

Nach dem hinduistischen Glauben ist eine Frau sowohl während der Menstruation, als auch nach der Geburt eines Kindes unrein und bringt Unheil über die Familie und die Dorfgemeinschaft. Am eindrucksvollsten verdeutlichen dies die “Menstruationshütten“, Chhaupadi genannt. Es sind kleine notdürftige Hütten, manchmal auch nur kleine Erdhöhlen abseits der Dörfer, in die Frauen während ihrer Menstruation gemeinsam mit ihren Kindern verbannt werden. Würde eine Frau während dieser Zeit beispielsweise einen Baum berühren, würde dieser keine Früchte mehr tragen, würde sie in die Nähe eines Brunnens kommen, würde dieser versiegen. Man könnte eine endlose Liste aufzählen, welch böses Omen, laut dem hinduistischen Glauben, von einer Frau während dieser Zeit ausgeht.

Es stimmt mich jedes mal traurig, wenn ich Frauen beobachte, wie sie in diesen behelfsmäßigen Hütten bei Wind und Wetter, ohne Schutz vor Regen, Schnee und Kälte ausharren und zur Menstruationshygiene lediglich Blätter oder alte Saris zur Verfügung haben.

Seit einigen Jahren ist die Praxis der Chhaupadi per Gesetz verboten, findet aber auf Grund der langen Tradition nach wie vor Anwendung. Auch andere Themen wie Gleichberechtigung, häusliche Gewalt und weibliche Gesundheit gelten in weiten Teilen der Bevölkerung als Tabuthemen. Gemeinsam mit PHECT möchte Apotheker ohne Grenzen diese Umstände durch intensive Aufklärung ändern und unterstützt dieses Projekt finanziell, organisatorisch und mit pharmazeutischem Fachwissen.

Während meiner Projektreise nach Nepal, traf ich mich deshalb mit Frau Dr. Tara, der Leiterin des PHECT Projektes, im Kantipur Hospital in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Nach einem herzlichen Empfang, bei dem ich den nepalesischen Begrüßungsschal „Kata“ umgehängt bekam, kamen wir sehr schnell auf die wichtigsten Themen des Projektes zu sprechen.

Dr. Tara, Leiterin des PHECT Projektes (rechts) bereitet AoG-Einsatzkraft Barbara Weinmüller (links) eine herzliche Begrüßung

Pharmazeutische Aufklärung als Mittel gegen falsche Tradition

Dr. Tara berichtet von vielen Fällen, in denen junge Frauen durch fehlende Menstruationshygiene schwerste Infektionen und Entzündungen erleiden und manchmal nur noch die Entfernung der Gebärmutter Heilung versprechen kann. Ein unvorstellbares Schicksal für Frauen im gebärfähigen Alter!

PHECT schult im Großraum Kathmandu Lehrer, Schüler und Schülerinnen, sowie in weiteren Veranstaltungen sogenannte „Female Community Health Worker“ (FCHV) zu Themen wie sexuell übertragbare Krankheiten und deren Prävention, Menstruationshygiene und im Weiteren auch zu Familienplanung und Selbstschutz bei häuslicher Gewalt. An den Schulen stellt PHECT den jungen Frauen und Mädchen im Rahmen des Projekts Damenbinden zur Verfügung, damit sie aufgrund ihrer Menstruation nicht länger dem Unterricht fernbleiben müssen und leistet damit nicht nur einen hohen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge, sondern auch zur Reduzierung des Infektionsrisikos. Mich erschüttert zutiefst, was mir ein Familienvater bei einer Veranstaltung anvertraut: “Für diesen Luxusartikel (er meint damit Damenbinden) habe ich kein Geld, das Geld reicht ja nicht einmal fürs alltägliche Essen!”

Aufklärung ist laut Dr. Tara die einzige Möglichkeit auf lange Sicht alte Traditionen aufzubrechen und den Frauen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Bei den Schulungen werden häufig Bildtafeln verwendet. Da einige Teilnehmer weder lesen noch schreiben können, vermitteln diese einfachen und zugleich sehr einprägsame Bilder wichtiges Wissen.

Mit den einprägsamen und einfach verständlichen Schautafeln von PHECT werden die Gesundheitsprobleme von Frauen sensibel thematisiert

Jung und engagiert – Die Young People als Hoffnung einer neuen Generation

Eine ganz wichtige Rolle in der Aufklärungsarbeit spielen die YOUNG PEOPLE. Sie sind junge, engagierte Gemeindemitglieder, die sich intensiv für eine Verbesserung der Frauenrechte und der Gesundheit der Frauen einsetzen. Während meines Projektbesuchs hatte ich die Möglichkeit, ein Meeting der Young People zu besuchen. Ich war begeistert, wie motiviert und konzentriert diese jungen Menschen zwischen 18 und 20 Jahren die sehr anspruchsvollen medizinischen Informationen bezüglich Menstruation, Hygiene, Frauengesundheit, Schwangerschaftsvorsorge und – Fürsorge, sowie Brustkrebs aufnahmen. Ebenso interessant waren die Rollenspiele, in denen die YOUNG PEOLLE zusammen mit Sozialarbeiterinnen aus dem Projekt kleine Szenen zu der Thematik einstudierten. In diesen Szenen wird den Gemeindemitgliedern, vor allem den Männern, ihr Fehlverhalten bezüglich der Frauenrechte und der Gesundheitsfürsorge für Frauen vor Augen geführt. Obwohl ich kein Nepali kann, waren diese Rollenspiele so eindrucksvoll und mitreißend, dass selbst ich als Außenstehende die Inhalte und Pointen verstehen konnte.

Ihr neu erworbenes Wissen tragen die YOUNG PEOPLE in ihre Gemeinden weiter und leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Auch die FCHVs geben ihrerseits Infoveranstaltungen für Frauen, Jugendliche und Senioren, um ihr neu erworbenes Wissen weiteren Bevölkerungsgruppen zu vermitteln. Dr. Tara hofft, dass sich dieses Bewusstsein durch all diese Veranstaltungen nach dem Schneeballsystem verbreitet und somit eine immer größere Anzahl von Menschen erreicht. Völlig überwältigt war ich, als zwei junge Männer am Ende der Veranstaltung ganz spontan aufstanden und sich bei mir in Form zweier traditioneller nepalesischer Lieder dafür bedankten, dass AoG dieses Projekt unterstützt und Ihnen die Möglichkeit gibt, aktiv an der Veränderung der Gesellschaft und der Verbesserung der Gesundheit und der Rechte der Frauen mitzuwirken. Ein Moment, bei dem man als AoG Mitglied den Tränen sehr nahe ist und fühlt, dass wir den Menschen helfen und uns auf dem richtigen Weg befinden.

Die Young People tragen mit ihrer Aufklärungsarbeit einen wichtigen Schritt zur Gesundheit aller Geschlechter bei

Mein größter Wunsch ist es, dass durch unser Projekt das Leben für Mädchen und junge Frauen unbeschwerter wird und wir in ferner Zukunft nie mehr solch einen Satz aus dem Mund eines jungen Mädchens hören müssen: “Ich fürchtete mich vor dem Tag meiner 1. Periode. Danach teilte sich mein Leben in zwei Hälften: In die reinen und die unreinen Tage!”

Wenn auch Sie die Frauen und Mädchen in Nepal unterstützen und für ein Recht auf Gesundheit für alle Geschlechter eintreten wollen, dann unterstützen Sie uns JETZT mit einer Spende!

Apotheker ohne Grenzen im „La-La-Land“

AoG beginnt ein neues Projekt in Nepal

© AoG-Archiv: Jochen Wenzel (links) und Dr. Ralph Bültmann mit den jüngsten Dorfbewohnern vor dem neuen Medical Store

Die AoG-Projektkoordinatoren für Nepal, Jochen Wenzel und Dr. Ralph Bültmann, sind nach einer erfolgreichen Projektreise zurück in Deutschland. Sie berichten von der Reise:

Wer jetzt an den Oscar prämierten Film mit Emma Stone und Ryan Gosling denkt, der irrt. „La-La“ sagen die Nepalesen besonders gerne am Telefon, es heißt so viel wie „ja ja“, und da sie ihr Telefon permanent benutzen, hört man unentwegt „La-La“.  Anstelle einer unerfüllten Liebesgeschichte aus dem Film, realisieren die Apotheker ohne Grenzen einen Lebenstraum von mehreren Tausend Dorfbewohnern im Himalaya.

Nach einem 16-stundigen Jeeptrip aus Kathmandu hatten wir es endlich geschafft. Müde und zugleich voller Vorfreude und Erwartungen kamen wir in unserem Zielort in Basa im Solukhombu Distrikt an, die gleiche Region in der auch der Mount Everest gelegen ist. AoG engagiert sich mittlerweile seit fast zehn Jahren in Nepal. In unserem neuen Projekt bauen wir gemeinsam mit der lokalen Hilfsorganisation Basa Foundation ein Arzneimittellager auf, das von unserer nepalesischen Health Assistant Alisa geleitet wird. Sie wird einfache Untersuchungen und Behandlungen durchführen und die Patienten mit den notwendigen Arzneimitteln versorgen.

Unser erster Weg führte uns dann auch direkt zum neuen Medical Store, wo wir von den Dorfbewohnern mit einem fröhlichen „Namaste“ aufs herzlichste begrüßt und empfangen wurden.

© AoG-Archiv: Der Medical Store wird Beratung und Medikamente für Groß und Klein bereithalten – das ist ein Anlass zum Feiern

„Die Leute konnten es nicht glauben, dass hier in unserem Dorf ein Medical Store errichtet wird. Davon haben sie schon immer geträumt!“ erzählt uns Buddi Rai, ein Mitglied der Basa Foundation. „Die Leute sind so glücklich, dass Vertreter von AoG extra aus Deutschland hergekommen sind, um ihnen zu helfen! Nun müssen sie nicht mehr ins weit entfernte Salleri laufen, wenn sie erkrankt sind!“ berichtet er weiter. Nach Salleri benötigt man 10 Stunden zu Fuß, wie wir selbst erfahren durften, wenn man gesund ist! Nur wenige Bewohner des Dorfes haben in der Vergangenheit diesen beschwerlichen Weg auf sich genommen.

Während unseres Aufenthalts in Basa führten wir eine intensive Schulung mit unserer Health Assistant durch, in der wir ihr die Vorteile einer gründlichen Lagerhaltung nahebrachten. Dazu gehören exakte Bestandslisten der einzelnen Arzneimittel sowie eine regelmäßige Inventur und rechtzeitige Bestellung der notwendigen Arzneimittel. Ebenso trafen wir uns mit dem Leiter des nahegelegenen Health Posts, der mit Hilfe seiner großen Erfahrung eine Liste aller notwendigen Arznei- und Hilfsmittel für uns anfertigte, die zukünftig im Medical Store vorrätig sein werden. Für uns eine riesengroße Unterstützung, denn er kennt die vorherrschenden Krankheiten und die gängigen Arzneimittel am besten!

An einem Abend während unseres Aufenthalts gab es noch eine ganz besondere Überraschung für uns. Extra zu Ehren des neuen AoG-Basa-Projekts wurde ein Büffel geschlachtet, der im Rahmen einer großen Feier von der Dorfgemeinschaft verspeist wurde. Hier entdeckten wir dann doch noch eine Parallele zum bereits erwähnten Hollywoodstreifen, denn an diesem Abend wurde lange und intensiv gesungen und getanzt.

Dies zeigte uns erneut, dass die Menschen in Basa große Erwartungen in den Medical Store setzen. “Viele Kinder sterben in Basa und viele Menschen sterben viel zu jung, darum ist der Medical Store eine große Hoffnung für die Zukunft von Basa!“ sagte uns Buddhi Rai im Vertrauen. Insgesamt wird die Arzneimittelversorgung durch den Medical Store die Lebensqualität der Bewohner von Basa deutlich und nachhaltig verbessern. Wir als Projektkoordinatoren freuen uns darüber, dass wir unseren Teil dazu beitragen dürfen.

Bitte helfen auch Sie!

Wir freuen uns über eine Spende für unsere Arbeit in Nepal und für viele weitere Projekte.

Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V.

Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

BLZ: 300 606 01

IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91

BIC (Swiftcode): DAAEDEDDXXX

Vielen Herzlichen Dank!