: Entwicklungszusammenarbeit

Apotheker ohne Grenzen mit 100.000€-Preis ausgezeichnet

Unser Kampf gegen nicht-ansteckende Krankheiten in Argentinien

Bereits seit 10 Jahren kämpfen wir im Slum von Buenos Aires gegen nicht-übertragbare Krankheiten – u.a. gegen Übergewicht und Diabetes. Diese vermeintlichen Zivilisationskrankheiten werden in der Entwicklungszusammenarbeit oft vernachlässigt. Dabei gelten sie jedoch seit 2015 als weltweit häufigste Todesursache. Jährlich sterben bis zu 30 Millionen Menschen in Entwicklungsländern an solchen Krankheiten.

Gerade deshalb sind wir unglaublich stolz auf die Koordinatorin für unser Projekt in Argentinien, Dr. Carina Vetye, die vergangenen Donnerstag mit dem Else-Kröner-Fresenius-Preis für medizinische Entwicklungszusammenarbeit ausgezeichnet wurde. Der Preis ist mit 100.000€ dotiert und wurde von Entwicklungsminister Gerd Müller und dem Vorstandsvorsitzenden der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, Dr. Schenk übergeben.

Dr. Carina Vetye, AoG-Projektkoordinatorin in Argentinien und Pharmazeutin, bedankt sich für den Preis der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung.

© Janine Schmitz | photothek.net

v.l.n.r.: Gerhard Müller (Bundesentwicklungsminister), Dr. Carina Vetye und Dr. Dieter Schenk (VorstandsvorsitzenderEKFS)

© Janine Schmitz | photothek.net

Das Preisgeld werden wir in die weitere Versorgung kranker und hilfsbedürftiger Menschen im Armenviertel investieren und damit die Bedrohung durch nicht-übertragbare Krankheiten weiter eindämmen. Denn nach wie vor lassen „die Folgen der nicht-übertragbaren Krankheiten wie Schlaganfall und Amputation die Familien noch tiefer ins Elend sinken. Besonders grausam dabei ist, dass die benötigten Medikamente mittlerweile sehr preiswert sind, die Armen aber trotzdem nicht das Geld dafür haben“ (Dr. Carina Vetye).

Mit der täglichen und harten Arbeit von Dr. Vetye und ihren sechs ehrenamtlichen MitarbeiterInnen werden bis zu 30.000 Menschen versorgt, von denen geschätzt mindestens 10% an Diabetes leiden. Die informierte Beratung als auch die zuverlässige Versorgung mit Basis-Arzneimitteln sorgen dafür, dass auch wirklich die Gesundheit aller Menschen vor Ort gesichert werden kann, auch derjenigen, die aufgrund fehlender formeller Arbeit keine Krankenversicherung besitzen. So durchbrechen wir den Teufelskreis aus Armut und Krankheit. Nicht nur im Nachhinein, sondern auch durch diverse Präventionsprogramme, u. a. im Rahmen von Workshops über gesundes und günstiges Essen.

Die Menschen in Argentinien sind durch die häufigen Wirtschaftskrisen ohnehin schwer belastet. Das Preisgeld hilft, auch weiterhin für sie da sein zu können. Mein Herz geht auf, wenn ich sehe, dass Eltern wieder genesen und für ihre Kinder selbst sorgen können. (Preisträgerin Dr. Carina Vetye)

Dr Carina Vetye im Gespräch mit ihren Mitarbeiterinnen in der Slum-Apotheke von Buenos Aires

Dr. Carina Vetye besucht eine Familie im Slum


Verlinkung zu weiteren Informationen finden Sie hier.

Auch die argentinische Botschaft würdigt unsere Arbeit (spanisch).

Ein informativer und spannender Beitrag des BR über unser Projekt in Argentinien.

Sierra Leone

Ein Reisebericht von AoG-Einsatzkraft Hartmut Valdiek

Viele Fragen vor meinem ersten AoG-Einsatz

Ich weiß in etwa wo Sierra Leone liegt und dass dort über längere Zeit ein brutaler Bürgerkrieg wütete und danach dann eine Ebola-Epidemie in 2014 folgte. Nachdem ich mich Ende Februar 2018 für einen Einsatz bei Apotheker ohne Grenzen beworben habe und dann tatsächlich die Zusage für einen zehnwöchigen Einsatz kam, überschlagen sich für mich die Ereignisse.

Unendlich viele Fragen tauchen vor mir auf und sollten vor meiner geplanten Abreise geklärt sein:

Wie bekomme ich das Visum?

Wie ist das Klima in Sierra Leone?

Welche Sachen braucht man dort?

Welche Impfungen muss ich haben?

Wie kann ich dort kommunizieren? Reicht mein Schulenglisch?

Wieviel Geld muss ich mitnehmen für den doch langen Zeitraum? Oder reicht auch dort eine Geldkarte?

Gibt es Einkaufsmöglichkeiten vor Ort?

– und nicht zuletzt: Was muss in meiner eigenen Apotheke organisiert und vorbereitet sein für eine so lange Abwesenheit?

Anreise zum Einsatzort

Abflug von Berlin über Brüssel nach Freetown. Eine Übernachtung am Rande der Hauptstadt und eine abenteuerliche Autofahrt bringen mich dann endlich zu meinem Einsatzort Serabu, im Südosten des Landes, mitten im Busch und offensichtlich weitab jeglicher Zivilisation. Die letzten 60 km geht es über einen immer schmaler und schlechter werdenden Buschweg mit metertiefen Löchern bis zur Klinik in Serabu. Der Ort hat ca. 3000 Einwohner. Ein Ortszentrum in unserem Sinne scheint es nicht zu geben. Ein paar Verkaufsbuden und Marktstände markieren die Ortsmitte.

Das Krankenhaus in Serabu

Meine zukünftige Wirkungsstätte, das Krankenhaus in Serabu mit der integrierten Apotheke, macht eine sehr angenehmen und auf den ersten Blick, europäischen Eindruck. Es hat ca. 200 Betten und ein Einzugsgebiet bis zu 50 km im Umkreis (ca. 50.000 Einwohner). Diverse Stationen (Frauen, Männer, Kinder, Mütter/Entbindung sowie Mangelernährung) werden von etwa zehn CHOs (Clinical Health Officer) und drei bis sechs regelmäßig wechselnden Ärzten von den German Doctors betreut. Eine Langzeitärztin sorgt zusammen mit dem einheimischen Manager für einen funktionierenden Klinikbetrieb. Organisation und Improvisation ist gefragt und mein ständiger Begleiter in den kommenden zehn Wochen.

Die Apotheke

Am meisten gespannt war ich natürlich auf die Apotheke und die Mitarbeiter. Christiane Wagner, Apothekerin von German Doctors, ist die ersten Tage mit vor Ort und zeigt mir die Pharmacy und stellt mich den drei Mitarbeitern vor. Versorgt werden zum einen ambulante Patienten, die im OPD (Out Patient Department) behandelt werden, und zum anderen erfolgt natürlich die Versorgung der Stationen des Krankenhauses. Also das, was eine klinikversorgende Apotheke in Deutschland auch macht. Das Warenlager ist im Verhältnis zu einer europäischen Apotheke ziemlich übersichtlich, die wichtigsten Indikationen sind abgedeckt.

Meine Hauptaufgabe soll die Etablierung eines neuen Warenwirtschafts- und Bestellsystems auf der Basis eines neuen Computerprogramms sein. Darin sollen die Mitarbeiter der Apotheke in praxisnahen „on-the-job trainings“ geschult werden, um eine kontinuierliche Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Einmal im Monat wird bei drei Apotheken in Bo, der nächst größeren Stadt, bestellt. Ein funktionierender Großhandel existiert dort nicht. Die Übermittlung der Bestellungen erfolgt per Mail bzw. auch per Boten. Nach einigen Tagen wird die Bestellung dann meist mit einem Unimog von den Lieferanten abgeholt.

Das Land

Mein Kenntnisstand über Sierra Leone war vor der Reise noch sehr gering. Das ist jetzt natürlich anders: Sierra Leone gilt mit seinen knapp sechs Millionen Menschen als einer der ärmsten Staaten der Welt. Das Durchschnittseinkommen liegt derzeit bei ca. 1 US-Dollar pro Tag, die Lebenserwartung in der Bevölkerung ist unter 50 Jahren und es gibt eine hohe Kinder- und Müttersterblichkeit. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1961 gab es etliche, vielversprechende Aufbrüche, die dem Land eine gute Zukunft versprachen. Leider folgten denen genauso viele Rückschläge in Form von verheerenden Bürgerkriegen und einer ausufernden Korruption.

Die Wahl im Frühjahr 2018 hat dem Land einen neuen Präsidenten gebracht. Man hat den Eindruck die gesamte Bevölkerung setzt alle Hoffnung für die Zukunft des Landes in ihn. Es wird Zeit, dass ein eigentlich reiches Land an Natur und Rohstoffen endlich den Anschluss an die internationale Entwicklung findet.

Die Menschen

Ein fremdes Land bereist man meist erst einmal mit einer „gewissen Skepsis“ und ist vorsichtig im Umgang mit Land und Leuten. In Sierra Leone wird man aber so offen und freundlich empfangen, dass es einem nicht schwerfällt auf die Menschen zuzugehen, Kontakte zu knüpfen und auch Freunde zu finden. Sei es auf der Straße, beim Einkauf auf dem Markt oder bei der Arbeit, überall werden die Pumuis (die Weißen) freundlich begrüßt, auch wenn es wegen der Sprache mit der Verständigung nicht immer einfach war. Mit nicht einmal zehn Europäern im ganzen Ort ist man auf einmal der Exot und wird als solcher überaus freundlich behandelt, ist gern gesehen und man merkt, die Leute sind auch sehr dankbar für unsere Arbeit dort.

Mein Fazit

Dieser erste Hilfseinsatz für Apotheker ohne Grenzen war schon eine große Herausforderung für mich. Ich hoffe meine Arbeit dort hilft als ein ganz kleines Rädchen mit dabei den Aufbruch des Landes im Jahr 2018 endlich zum Erfolg zu bringen. Das Land und die freundlichen und fleißigen Menschen dort haben es sich hart verdient.