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„Bienvenue à Haiti“

AoG folgt dem Hilferuf einer tapferen Krankenschwester

Glücklich und geschafft, AoG-Einsatzkraft Lili Schürch bei ihrem Einsatz in Haiti

Das erste Treffen mit Alène fand in der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Alène erzählte mir voller Begeisterung von ihrem Gesundheitsposten, und dass sie den Plan verfolgt einen Arzt anzustellen, um den Menschen in ihrem Heimatdorf Baudin noch besser helfen zu können. Noch am gleichen Tag lernte ich Dr. Wilfood Marseille kennen. Er ist ein alter Schulfreund von Alène, stammt aus derselben Gemeinde und hat großes Interesse in seiner Heimatregion zu arbeiten und zu helfen.

Alène ist als „Einheimische“ im Ort bestens bekannt und ihr Service im Gesundheitsposten wird von der Bevölkerung gut und dankbar angenommen. Sie betreut ihre Patienten sehr kompetent und liebevoll, sei es bei der Abgabe von Arzneimitteln, der Versorgung von kleinen Wunden und Verletzungen oder auch beim Thema Familienplanung. Selbst Hausbesuche bietet sie an, wenn der Weg zum Gesundheitsposten für Alte oder Bettlägerige zu beschwerlich ist. Schwer kranke Patienten, die von ihr nicht behandelt werden können, verweist sie an die nächstgelegenen Krankenhäuser in den umliegenden Städten. Die Fahrtzeit von ein bis zwei Stunden auf Buckelpisten mit dem Motorradtaxi kann aber nicht allen Patienten zugemutet werden.

Einige Tage später machten wir uns auf den Weg nach Baudin. Mit unserem Allrad betriebenen Jeep steuerten wir zunächst unsere Unterkunft in einem Kloster an, das etwa 5km vom Gesundheitsposten Medi-Pharma in Baudin entfernt liegt.

Elektrisches Licht suchte ich vergeblich, dafür gab es eine Dusche mit kaltem Wasser aus Kübeln. Da ich die Gegebenheiten in Haiti von früher kannte und an einfache Unterkünfte gewohnt war, überraschten mich die örtlichen Gegebenheiten nicht. Der Ort Baudin liegt in den Bergen, etwa drei bis vier Stunden Fahrtzeit von Port-au-Prince entfernt, ein Hotel oder einen Laden gibt es nicht. In der Gegend leben rund 20.000 Einwohner. Es gibt ein staatliches Gesundheitszentrum, in dem es allerdings keinen Arzt, nur hin und wieder einen Krankenpfleger und nur unzureichend Medikamente gibt.

Im Centre Medi-Pharma inspizierte ich die Apotheke. Sie war fein säuberlich eingerichtet, aber die Medikamente waren lediglich nach Größe und Farbe der Packung geordnet. Ich führte eine Schulung mit Alène durch, sie war sehr lernwillig und von der besseren Art der Einordnung nach Indikation schnell überzeugt. So wird sich auch Dr. Wilfood Marseille besser zurechtfinden können.

Anschließend schaute ich mir noch die Patientenkartei an. Eine stattliche Menge in ein paar Monaten, alles genau von Hand geschrieben, allerdings fehlten auf allen Belegen die Menge, Dosierung und Zeitdauer der abgegebenen Medikamente. Alène ist sehr froh, dass ich sie darauf hingewiesen habe und wir die Dokumentation der Patientendaten gemeinsam besprechen konnten.

Das Untersuchungszimmer im Gesundheitsposten ist recht klein. Es befinden sich ein schlichtes Pult mit drei Stühlen und drei Betten darin. Zwischen den Betten vermisst man eine Abtrennung, die den Patienten eine gewisse Privatsphäre geben könnte.

Die neu sortierte Apotheke im Gesundheitsposten

Das kleine Behandlungszimmer

An diesem Tag bekomme ich auch einige Patienten zu Gesicht. Das ist zum einen ein Familienvater, der die Rechnung für die Medikamente bezahlen kam: Diese und die gute Beratung hätten gegen seinen hartnäckigen Durchfall geholfen! Daneben findet an diesem Tag ein Ehepaar den Weg ins Medi-Pharma. Der Besuch endet jedoch etwas trostlos, weil Alène die Frau mit der Vermutung auf eine Eileiterschwangerschaft ins nächstgelegene Krankenhaus schicken musste. Gottseidank kamen sie aber rechtzeitig zu Alène.

Noch bevor ich meine Rückreise in die Schweiz angetreten habe, konnte ich Alène mit der großartigen Nachricht überraschen, dass ich von AoG aus Deutschland grünes Licht bekommen habe, dringende Einkäufe für ihren Gesundheitsposten zu tätigen: eine Personenwaage, eine stabile Kartei für die Patientenakten, sowie eine ausreichende Menge Arzneimittel für die nächsten Wochen und Monate. Der Einkauf der Waren in der chaotisch verstopften Hauptstadt bedeutete viele weite Wege und nahm viel Zeit in Anspruch. Aber auch dies haben wir gemeistert.

Kurze Zeit später begab ich mich auf den Rückweg, mit dem guten Gefühl, dass wir von Apotheker ohne Grenzen Alène und den Menschen in Baudin nachhaltig helfen und ihnen ein gesünderes Leben ermöglichen werden.

AoG wird künftig Alène beim Medikamenteneinkauf helfen, das Gehalt für 2 Arbeitstage pro Woche vom Arzt mitfinanzieren und mit pharmazeutischer Kompetenz über Mail und vor Ort Alène unterstützen und weiter schulen.

Wollen auch Sie das neue Projekt unterstützen? Wir freuen uns über Ihre Spende.

Mit 150 Euro unterstützen Sie die wöchentliche Arbeit von Alène und Dr. Wilfood. Mit 300 Euro finanzieren Sie den monatlichen Einkauf an Arzneimitteln.