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Ausnahmesituation in Argentinien

Wirtschaftskrise, Dengue und nun Corona – Apotheker ohne Grenzen im Einsatz in Argentinien

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„Es gibt keine „flatten-the-curve“-Möglichkeit in den Slums, wenn Covid-19 reinkommt wird es viele Tote geben. Denn das Virus trifft auf eine gesundheitlich angeschlagene Bevölkerung.“Dr. Carina Vetye – AoG-Projektkoordinatorin

AoG-Projektkoordinatorin und Apothekerin, Dr. Carina Vetye, arbeitet für Apotheker ohne Grenzen vor Ort in den Slums von Buenos Aires. Der Bezirk General San Martin, in dem weit über 500.000 Menschen leben, liegt im Großraum um die argentinische Hauptstadt. Villa Zagala ist eins der über 100 kleinen Viertel in diesem Bezirk und dort liegt das Gesundheitszentrum Nr. 16 und die AoG-Apotheke.

Dr. Carina Vetye im Gesundheitszentrum Nr.16

Erste bestätigte Fälle werden in Villa Zagala gemeldet. In dem im Viertel zuständigen Krankenhaus, das nur knapp 1.000 Meter vom Gesundheitszentrum entfernt liegt, haben sich viele Mitarbeiter vom Gesundheitspersonal angesteckt und manche Abteilungen sind geschlossen – somit gibt es noch weniger Gesundheitsversorgung für die Menschen. Die Dunkelziffer der Infizierten ist sehr hoch, da nicht genügend Tests durchgeführt werden können. (Stand: 24. April 2020)

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Nur mit einer dünnen Folie geschützt – Ausgabe von Medikamenten an die Patienten

Das Gesundheitszentrum Nr. 16 und die AoG-Apotheke sind wichtiger denn je für die Menschen in den Slums!

Schutz vor Covid-19 im Slum – unmöglich

Das argentinische Gesundheitssystem konnte sich nicht auf die Corona-Epidemie vorbereiten, denn Argentinien ist pleite. Der Staat hat kein Geld. Die Provinz Buenos Aires verfügt lediglich über 800 Intensivbetten für 17 Millionen Menschen! Die Sorge vor der Ausbreitung des Virus in den Slums ist riesig. Denn viele der dichtgedrängt lebenden Menschen leiden wegen der miserablen Lebensbedingungen unter Vorerkrankungen. Und die Isolation und Betreuung von Coronavirus-Erkrankten sind im Slum nicht möglich. Nicht nur Intensivbetten und Beatmungsgeräte müssen beschafft werden, sondern auch Sporthallen und leerstehende Gebäude müssen für die Unterbringung der Erkrankten mit Feldbetten ausgestattet werden.

Es fehlt an Schutzbekleidung und Desinfektionsmittel

Wie in anderen Ländern auch, ist in Argentinien der Bedarf an Schutzmaterialien explodiert. Das Gesundheitszentrum ist nur begrenzt damit ausgestattet. Um die Mitarbeiter langfristig vor der Ansteckung mit Covid-19 zu schützen, benötigt das Health Center regelmäßige Lieferungen an Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln!

Es fehlt an essenziellen Medikamenten für chronisch Kranke

In den Gesundheitszentren mangelt es an vielen Medikamenten und sogar Insulin fehlt. Das öffentliche Gesundheitssystem kann aufgrund der vielen zusätzlichen Coronavirus-Ausgaben die normale Versorgung mit Medikamenten nicht mehr stemmen. Viele chronisch Kranke können ihre dringend benötigten Medikamente nicht bekommen und sind den Folgen ihrer Erkrankung ausgeliefert. In den Slums sind gerade die älteren Menschen von chronischen Krankheiten betroffen. Fehlen ihnen ihre lebenswichtigen Medikamente dauerhaft, werden viele von ihnen sterben. Doch ohne die Großeltern-Generation passt niemand mehr auf die Kinder auf und die Eltern können nicht mehr arbeiten gehen. Die Familienstrukturen brechen zusammen, ein weiterer Schritt in Richtung Arbeitslosigkeit und Krankheit. Dieser Sturz in die Abwärtsspirale muss dringend verhindert werden!

Zu Covid-19 kommt eine Dengue Fieber-Welle

Die Region Buenos Aires ist derzeit zudem von einer besonders starken Dengue Fieber-Welle betroffen. Die von Moskitos übertragene Krankheit ist vor allem bei der Zweitinfektion gefährlich und schwächt das Immunsystem der Slumbewohner. Damit steigt die ohnehin schon hohe Gefahr einer Covid-19-Infektion!

Arbeiten am Limit

Viele Mitarbeiter der Apotheke fallen wegen Vorerkrankungen und hohem Alter aus. Die sehr hohe Arbeitslast wird von den wenigen hauptamtlichen AoG-Mitarbeiterinnen des Gesundheitszentrums getragen. Zusätzlich ist das Gesundheitszentrum Nr. 16 zu klein, um getrennte Bereiche für Verdachtsfälle von Covid-19 oder Denguefieber einzurichten. Die sichere Durchführung von Behandlungen wird dadurch deutlich aufwendiger.

„Wir haben hier ein Gesundheitssystem, das schon vor Coronavirus überlastet war. Nun kommt eine sehr harte Zeit auf uns zu. Ich versuche, auf das Personal des Health Centers aufzupassen, wir arbeiten mit immer weniger Ausrüstung und müssen immer mehr Aufgaben bewältigen.“Dr. Carina Vetye

Wie hilft Apotheker ohne Grenzen konkret

Die AoG-Projektkoordinatorin Dr. Carina Vetye ist vor Ort in der Slum-Apotheke und organisiert die Hilfsmaßnahmen für das Gesundheitszentrum. AoG hat bereits zusätzliche Medikamente eingekauft, sodass die Versorgung der Patienten mit chronischen Krankheiten weiterlaufen konnte. Wie lange noch, das ist unklar.“Wir benötigen einiges an zusätzlicher Hilfe!“, sorgt sich die Apothekerin.

Auch Atemmasken, Gesichtsvisiere, Handschuhe und Handdesinfektionsmittel wurden beschafft. Schulungen zu den geeigneten Sicherheitsmaßnahmen – vom richtigen Händewaschen über das Aufsetzen von OP-Maske und Gesichtsvisier – werden regelmäßig durchgeführt und die Patienten werden immer wieder aufgeklärt, da viel an Fehlinformation im Viertel weitergetragen wird.

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Die Situation im Slum von Buenos Aires bleibt angespannt. Keiner weiß, wie schnell sich das Virus in den engen Gassen und viel zu kleinen Hütten ausbreiten wird und wie viele sich infizieren werden. Doch eines befürchtet Projektkoordinatorin Carina Vetye: „Wenn Covid-19 in die Slums kommt, wird es viele Tote geben.“

Apotheker ohne Grenzen ist vor Ort und unterstützt die Menschen in den Slums von Buenos Aires!

Auch weiterhin wird AoG für genügend Medikamente, Schutzausrüstung und Hilfsmaßnahmen sorgen!

Bitte helfen Sie uns dabei!

Jede Spende zählt!

Covid-19 kennt keine Grenzen – Apotheker ohne Grenzen auch nicht!