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Apotheker ohne Grenzen in der DR Kongo

Apotheker ohne Grenzen unterstützt ein neu eröffnetes Gesundheitszentrum in einem kongolesischen Armenviertel mit der Ausstattung und Einrichtung der Apotheke, schult das Personal vor Ort und finanziert die Beschaffung geeigneter Medikamente. So kann die Gesundheitsversorgung insbesondere der Kinder in der Region gewährleitet werden.

Das Mädchen Estelle aus Maluku wartet vor dem Ausgabefenster der Apotheke des Gesundheitszentrums auf ihre Medikamente.

Leben im ärmsten und reichsten Land der Welt

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der Länder mit den reichsten Bodenschätzen und Rohstoffen der Welt – doch die Bevölkerung leidet bittere Armut. Seit der Unabhängigkeit 1960 herrschen große politische Instabilität, Korruption und Kriminalität. 70% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Bevölkerung wächst rasant, ein funktionierendes Gesundheitssystem fehlt bis heute. In den wenigen staatlichen Gesundheitseinrichtungen fehlt es an allem, an Medikamenten, Personal und einfachster Ausstattung wie Matratzen. Maluku ist eines der vielen Armenviertel vor den Toren der Hauptstadt Kinshasa, direkt am Kongo-Fluss.

Gesundheit als Schlüssel

Mit dem ‘Kongo-Projekt’ setzt Apotheker ohne Grenzen gezielt sein Fachwissen ein, um die pharmazeutische Versorgung der Menschen in Maluku zu verbessern: Die Partnerorganisation Hilfe für Menschen im Kongo baute hier vor acht Jahren ein Waisenhaus für die Straßenkinder von Kinshasa. 60 Waisenkinder können seither glücklich und beschützt aufwachsen und lernen in der Schule des Hilfsprojekts Lesen und Schreiben.

Die Kinder aus dem Waisenhaus in Maluku können, trotz schwieriger Lebensumstände, in die Schule gehen und brauchen keine Angst mehr vor dem Hunger zu haben.

Schnell war klar, dass Gesundheit der Schlüssel zur Zukunft für die Menschen der Region ist: Deshalb eröffnete der Verein Hilfe für Menschen im Kongo 2019 zusätzlich zum Waisenhaus ein Gesundheitszentrum mit dem Namen Nzoto Mpe Motema, übersetzt „Leib und Seele“. Dort können die Kinder des Waisenhauses sowie die rund 20.000 Bewohner Malukus betreut werden. Die nötige Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln war aber mit der Einrichtung des Gesundheitszentrums noch nicht gewährleistet – Hier sind Apotheker ohne Grenzen mit ihrer pharmazeutischen Kompetenz zur Stelle.

Der Andrang im Gesundheitszentrum ist groß, schnell hat sich herumgesprochen, dass es hier medizinische und pharmazeutische Versorgung gibt.

Inzwischen nehmen sogar Menschen aus Brazzaville, der Hauptstadt der benachbarten Republik Kongo auf der gegenüberliegenden Flussseite, den Weg auf sich, um hier Hilfe in der Not zu finden. Manche überqueren den Fluss mit kleinen pirogues, Kanus. Viele Patienten aber, die sich diesen teuren Transport nicht leisten können, schwimmen nach Maluku, soweit sie genügend Kraft dazu haben. Vorherrschende Krankheiten sind Malaria, Anämien, Magendarmerkrankungen sowie Infektionen. Ein weiteres Problem ist die schlechte Mutter‐Kind‐Versorgung in der Region.

So funktioniert eine Apotheke in Afrika

Die Aufgaben in der Apotheke in Nzoto Mpe Motema unterscheiden sich nicht viel von denen in anderen Apotheken auf dieser Welt. Täglichen werden Temperaturkontrollen der Kühlräume durchgeführt, das Budget wird geplant und der Arzneimitteltransport transportiert. Bei den hohen Temperaturen stellt der Transport von gekühlten Medikamenten und Einhaltung von Kühlketten eine besondere Herausforderung dar. Die von Apotheker ohne Grenzen eingerichtete Apotheke verwendet keine Arzneimittelspenden aus Deutschland, sondern kauft die benötigten Medikamente in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Krankenhauspersonal und den Ärzten bedarfsgerecht ein.

Die Apothekerin Iris Ferchland-Howe während ihres Kongo-Einsatzes bei der Arbeit in der Apotheke.

Manchmal unterscheidet sich die pharmazeutische Arbeit in Maluku aber doch von der, in einer deutschen Apotheke. Die Apothekerin Iris Ferchland-Howe, die für Apotheker ohne Grenzen im Juli 2019 das Projekt besuchte, gibt Einblick, was sie beim Besuch bei einem Großhändler in Kinshasa erlebte:

„Die Wahl des lokalen Großhändlers überprüfen wir sorgfältig, denn nicht immer sind Qualität und Arzneimittelsicherheit gewährleistet. Hier scheint auf den ersten Blick Chaos zu herrschen. Die große Halle ist überfüllt von Menschen, es ist ohrenbetäubend laut. Dennoch überzeugten uns schließlich Dokumentation, Lagerhaltung und die Ausbildung des Personals dieses Großhändlers. Inzwischen ist unsere Apotheke in Maluku gut ausgestattet, so dass nicht nur Tropenkrankheiten wie Durchfälle, Entzündungen, Infektionen, Parasiten behandelt werden können, sondern auch Bluthochdruck, Asthma oder Diabetes. Auch die schlechte Mutter‐Kind‐Versorgung und die Mangelernährung zahlreicher Kinder können wir endlich wirksam bekämpfen.“

Apotheker ohne Grenzen möchte den Menschen in und um Maluku weiterhin eine ausreichende Versorgung mit Basisarzneimitteln garantieren und ihre Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessern.