Wie und wo wir helfen

Kenia – Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge

Nach den politischen Unruhen infolge des umstrittenen Wahlergebnisses der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vom 27.12.2007 kam es in Kenia zu einer enormen Flüchtlingsbewegung. Laut Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR befanden sich Mitte Februar 2008 ca. 400.000 Kenianer auf der Flucht innerhalb der Landesgrenzen. Knapp über 15.000 Kenianer waren  über die Grenze nach Uganda geflüchtet. 

In den Flüchtlingslagern fehlte es an medizinischem Personal. Die Apotheker ohne Grenzen halfen mit ihrem Partner LandsAid in Kisumu, der Hauptstadt der Provinz Nyanza, mit fünf wechselnden medizinischen Teams aus Deutschland. Die Arbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit einer bekannten kenianischen Organisation, dem "Inter Diocesan Christian Community Service“ (IDCCS).

Eine der ersten Aufgaben vor Ort war die Ermittlung des konkreten Bedarfs an Arzneimitteln. Die Beschaffung größerer Mengen vor Ort und die Abgabe an die Patienten lag in den Händen der fünf Pharmazeutinnen von Apotheker ohne Grenzen. Über drei Monate hinweg waren sie am häufigsten mit Haut- und Atemwegserkrankungen, blutigen Durchfällen, Würmern und Malaria konfrontiert.

Auf ein scheinbar banales Problem trafen die Helferinnen immer wieder:  Austrocknung der Patienten in lebensbedrohlichem Ausmaß. Große Mengen sauberes Wasser für die Herstellung von Säften und Trinklösungen für dehydrierte Patienten gehörte neben den gut sortierten Medikamentenkisten daher zur täglichen Grundausstattung.

Das Team arbeitete täglich mit der mobilen Klinik an ganz unterschiedlichen Orten wie Kinderheimen, notdürftig ausgestatteten Gesundheitszentren, in Kirchen oder einfach unter einem großen schattenspendenden Baum. Kisumu, Hauptstandort der Teams, ist die Heimatprovinz des Oppositionsführers Odinga aus dem Volk der Luo. In Kisumu wurden Häuser und Geschäfte niedergebrannt, deren Besitzer „der anderen Seite“, dem Stamm der Kikuyu angehörten.

Die Staatsämter sind überwiegend durch  Angehörige des Stammes der Kikuyu, dem auch der umstrittene Präsident Kibaki angehört, besetzt. Angehörige anderer Stämme sahen sich wie die Luos in Kisumu benachteiligt. Seither kam es in vielen Teilen des Landes zu Spaltungen der Bevölkerung, Menschen verschiedener Ethnien bekämpften sich gegenseitig – ca. 40 Ethnien sind in Kenia vertreten, 50 Sprachen werden gesprochen.

Die Einigung auf eine Koalitionsregierung und die Wahl Odingas zum Ministerpräsidenten waren Schritte zur politischen Stabilisierung. Zahllose Menschen leiden jedoch weiterhin an den Folgen der Auseinandersetzungen – sie haben ihre Existenzgrundlage verloren, können nicht in ihre Heimat zurückkehren oder sind auf lange Zeit traumatisiert.

 

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