Wie und wo wir helfen

Fakten zu Arzneimittelfälschungen

Was ist eine Fälschung?

Ein Produkt, das vorsätzlich und mit betrügerischer Absicht hinsichtlich seiner Herkunft oder Identität falsch gekennzeichnet ist, bezeichnet die WHO als Fälschung.

Welches Ausmaß nehmen Fälschungen an?

„Arz­neimittel zu fälschen ist für Kriminelle lukrativer als der Drogenhandel. So kostet auf dem Schwarzmarkt ein Kilo­gramm an Plagiaten des Li­festyle-Arzneimittels Viagra® durchschnittlich 90.000 Euro. Ein Kilogramm Kokain kostet geschätzte 65.000 Euro, He­roin 50.000 Euro, Marihuana 8.000 Euro und Ecstasy 1.300 Euro.“ (Pressemitteilung der ABDA, 5. Juni 2008)

Die WHO beziffert den weltweiten Umsatz mit gefälschten Arzneimitteln auf 75 Milliarden US$ im Jahr 2010. Weltweit sind 8 bis 10% aller Medikamente gefälscht. In Afrika liegen diese Zahlen weit über dem Durchschnitt. Ein schlechter Bildungsgrad, zahlreiche und schwere Krankheiten und fehlende finanzielle Mittel begünstigen den Falschmarkt. Wer zu wenig Geld hat, kauft seine Arzneimittel auf der Straße. Beipackzettel oder hygienische Mindeststandards werden dort völlig ignoriert.

Wie kann gefälscht werden?

  • Der Wirkstoff fehlt oder sein Gehalt ist zu gering; es wird ein anderer Wirkstoff oder Hilfsstoff verwendet.
  • Die Ware ist mit Schwermetallen verunreinigt.  
  • Die Verpackung ist verändert oder perfekt imitiert.
  • Der Blister ist gefälscht oder fehlt.
  • Chargennummern und andere Pflichtangaben können gefälscht sein.
  • Der Beipackzettel kann fehlen, gekürzt, erfunden oder verändert sein.
  • Die Produktionsbedingungen sind unklar.

Nehmen Fälschungen zu?

Ja, in erschreckendem Ausmaß: Zollämter innerhalb der EU haben im Jahr 2006 384% mehr gefälschte Arzneimittel beschlagnahmt als im Vorjahr. 2007 waren es wiederum 51% mehr als 2006.

In absoluten Zahlen ausgedrückt waren 2006 mehr als 2,7 Millionen gefälschte Arzneimittel im Umlauf, 2007 mehr als 4 Millionen.

Was tun die Apotheker ohne Grenzen gegen Arzneimittelfälschungen in ihren Projekten weltweit?

Wenn wir in den langfristigen Projekten Arzneimittel von den lokalen Partnern beziehen, werden Proben von Zeit zu Zeit in Deutschland im Labor überprüft. Vor Ort kommt für die Überprüfung das Minilab in Betracht. Entwickelt wurden diese zwei tragbaren Koffer mit Laborausrüstung und Chemiekalien vom German Pharma Health Fund. Sie ermöglichen eine einfache Prüfung der Arzneimittel auf ausreichende Qualität und Quantität, z.B. antiretrovirale Wirkstoffe, Antibiotika, Antiasthmatika, Antiallergika, Analgetika, Antiinfektiva, Malariamittel und Tuberkulose-Medikamente. Die Apotheker ohne Grenzen verfügen über geschulte Trainer, die vor Ort einheimische Kräfte im Umgang mit dem Minilab ausbilden können.

… und wie engagieren sich die Apotheker ohne Grenzen in Deutschland gegen Arzneimittelfälschungen?

Wir machen auf das Thema im Rahmen von pharmazeutischen Messen aufmerksam. Bei der Expopharm 2008 demonstrierte ein Tansanier dem Messepublikum, wie in seinem Heimatland Arzneimittel angeboten werden: Anstatt des dort üblichen großen Tuches auf dem Straßenhandel mit bunten Tütchen und bunten Pillen fragwürdiger Herkunft präsentierte er den Messebesuchern seine „Ware“ auf einem Bauchladen.

2007 informierten die Apotheker ohne Grenzen die Apotheken in Deutschland mit einer postalischen Aussendung über die wachsende Gefahr der Arzneimittelfälschungen in Afrika.

Für unsere Mitglieder besteht ein Forum zum Austausch im Internet.

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