Sri Lanka - Notfallmission und langfristige Aufbauhilfe

Ashrof Memorial Hospital Kalmunai, Point Pedro, Hikkaduwa 

Katastropheneinsatz nach der Jahrhundertflut
Als die Nachricht vom Erdbeben und der daraus resultierenden Flutwelle am 27. Dezember 2004 über die Nachrichtenticker lief, ahnte noch niemand, dass sich eine der größten Naturkatastrophen der Menschheit ereignet hatte. Die Apotheker ohne Grenzen Deutschland organisierten den Katastropheneinsatz innerhalb weniger Stunden. Bereits am 28. Dezember starteten zwei ehrenamtliche Mitarbeiter von Frankfurt in die Krisenregion von Sri Lanka. Mit im Gepäck hatten die Helfer mehrere Paletten lebenswichtiger Medikamente und Verbandmaterial, verpackt in so genannten Emergency Health Kits. Mit diesen speziell für Kriseneinsätze entwickelten Kits konnten mehrere tausend Menschen über drei Wochen medizinisch mit dem Notwendigsten versorgt werden. Die Medikamente und Verbandstoffe stellte das Hilfswerk Bayerischer Apotheker in München kurzfristig zur Verfügung. Die zwei Apotheker vervollständigten ein Team aus Ärzten und Sanitätern der Partnerorganisation Humedica e.V.
Zunächst galt es, die Medikamente in den Norden Sri Lankas zu transportieren und dort die Arbeit der drei Ärzte von Humedica zu unterstützen. Da Humedica bereits mehrere Jahre in Sri Lanka tätig war, konnte man auf vorhandene Strukturen zurückgreifen. Eine Konstellation, die auch viel größere Hilfsorganisationen so nicht vorfanden.
Im Hilfscamp von Humedica übernahmen die Teams die medizinische Versorgung von rund 5000 Flüchtlingsfamilien mit circa 15.000 Personen, verteilt auf 28 Flüchtlingslager. Es wurden pro Tag zwischen 400 und 500 Patienten mit leichten und mittleren Verletzungen sowie Infektionskrankheiten bis hin zu schweren Lungenentzündungen und Wundinfektionen mit beginnenden Blutvergiftungen behandelt. Wichtigste Aufgabe der Apotheker vor Ort: die Bereitstellung und Abgabe der Medikamente sowie die Koordination des Arzneidepots.
Bis Ende März 2005 wechselten sich insgesamt sechs Hilfsteams im dreiwöchigen Rhythmus ab. Allein in Point Pedro setzten die Apotheker ohne Grenzen insgesamt 13 ehrenamtliche Mitarbeiter ein. Auch eine Kollegin der Partnerorganisation PSF Schweiz unterstützte die Arbeit vor Ort.
Neben dem Einsatz im Norden ermittelte ein weiteres Team den Hilfsbedarf an der zum Teil noch schwerer getroffenen Ostküste der Insel. Da hier auch Hospitäler und Medizinvorräte zerstört wurden, organisierten die Apotheker ohne Grenzen eine erste Soforthilfe mit Medikamenten aus Deutschland. So sicherten die Pharmazeuten die akute Versorgung des Ashrof Memorial Hospitals in Kalmunai an der Ostküste des Landes mit zwei großen Hilfslieferungen wichtiger Medikamente.
Die Region um Kalmunai wurde von der Flut besonders hart getroffen. Allein hier waren über 8.500 Todesopfer zu beklagen. Die Hälfte der Stadt wurde von der Seewelle für rund drei Stunden völlig überflutet. Das Ashrof Memorial Hospital ist die zentrale medizinische Einrichtung im Distrikt und versorgt 35 kleinere Stationen in der Region mit über 400.000 Einwohnern. Die Infrastruktur wurde durch die Flut nachhaltig zerstört. Es bestand dringender Bedarf an Versorgungseinheiten und Fachkräften.

Langfristige Projekte: die Aufbauhilfe
Inzwischen haben die Apotheker ohne Grenzen in verschiedenen Regionen Sri Lankas langfristige Aufbaumaßnahmen begonnen. Die Bauplanung für den Neubau einer modern ausgestatteten Krankenhaus-Apotheke sowie eines Lagerhauses in Kalmunai ist abgeschlossen. Anfang Februar 2006 legte die srilankische Bauministerin den Grundstein. Der Neubau des dreistöckigen Gebäudes wird vermutlich 12 bis 16 Monate dauern, die Baukosten belaufen sich auf Grund der nach der Flut stark gestiegenen Materialkosten auf circa 350.000 Euro. Anschließend erhält die neue Klinikapotheke eine den regionalen Anforderungen entsprechende funktionelle Inneneinrichtung. Die Apotheker ohne Grenzen haben dem Träger des Ashrof Memorial Krankenhauses auch nach Abschluss der Baumaßnahmen ihre Hilfe zugesagt, zum Beispiel als Berater beim sachgerechten Umgang mit Arzneimitteln, der Warenbewirtschaftung, Arzneimittelkontrollen und Mitarbeiterschulungen. Die Aufbauarbeiten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium von Sri Lanka sowie lokalen Nicht-Regierungsorganisationen, vor allem dem Kinderhilfswerk Littlesmile Association. 2006 reisen immer wieder Spezialisten der Apotheker ohne Grenzen in die Region, um Details des Neubaus zu koordinieren. Für die langfristige Aufbauarbeit im Land werden die Apotheker ohne Grenzen mehrere Jahre im Land präsent sein.
Neben dem Bauvorhaben in Kalmunai unterstützen die Apotheker ohne Grenzen auch das kleine Provinzkrankenhaus in Point Pedro. Hier bemüht sich die Organisation um eine bessere Versorgung von Diabetespatienten. Ziel des Projektes ist es, registrierte Diabetiker besser einzustellen und Neuerkrankungen früher zu erkennen. Dazu wird unter anderem ein Schulungsprogramm zur Prävention aufgebaut. Leider erschweren die wieder aufgeflammten Unruhen im Tamilengebiet die Arbeit vor Ort. So musste das Engagement in Point Pedro zwischenzeitlich sogar eingestellt werden..
Neben den Einsatzorten in Point Pedro und Kalmunai konnten die Apotheker ohne Grenzen inzwischen auch einer privaten Initiative im Süden der Insel Hilfe zusagen. Die Organisation bezuschusst wichtige Sanierungsarbeiten im Arachichikanda Hospital in Hikkaduwa, die mit großem Engagement von einer deutschen Privatperson betreut werden.
Die schreckliche Flutkatastrophe in Südost-Asien hat eine unglaubliche Hilfsbereitschaft in den Apotheken und allen Kreisen der Bevölkerung hervorgerufen. Diese Spendengelder haben die langfristige Aufbauarbeit erst ermöglicht. Sie stellen die Organisation gleichzeitig vor eine große Herausforderung. Zielgerichtete und nachhaltige Hilfsprogramme stehen im Mittelpunkt allen Engagements.


 

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Letzte Aktualisierung: 02/2006

 

Sri Lanka - emergency mission

 Just two days after the Tsunami struck a team of pharmacists landed in northern Sri Lanka and joined a team of doctors to provide medical support to roughly 5,000 refugee families, 15,000 individuals spread over 28 camps. Between 400 to 500 patients were treated daily for infections, wounds and blood poisoning. This initial support lasted through March 2005. Help was also provided to the islands east coast, which was harder hit by the tidal wave. The situation was acute; a team provided emergency drugs to a regional hospital whose warehouse had been completely destroyed.

Sri Lanka - development missions

Since March AoG has begun work on long-term projects in various regions throughout Sri Lanka. Plans have already been approved for a new hospital pharmacy and a replacement warehouse for the hospital in the east coast town of Kalmunai. AoG is working closely with the country's health ministry in the reconstruction project. Another project involves supporting the provincial hospital of Point Pedro, located in the north. A focus is the care of registered diabetics and recognition of new diseases. AoG sees a long-term commitment of many years to Sri Lanka.